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07/08_2014
wirtschaft + weiterbildung
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ten sind meist eher einfach gestrickt und
spielen für den Auftraggeber oft auch nur
eine untergeordnete Rolle.
Die Teilnehmer gehen gut gelaunt nach
Hause – im Gepäck bestenfalls ein paar
feste Entschlüsse, die jedoch im ungüns-
tigen Fall nicht nachhaltiger sind als die
klassischen Silvestervorsätze. Hier ist Vor-
sicht geboten. Für Trainer gelten andere
Spielregeln. Ein Auftraggeber wird sich
kaum damit zufriedengeben, wenn seine
Mitarbeiter zwar bestens unterhalten aus
einem zweitägigen Seminar zurückkeh-
ren, aber die eher einfachen Botschaften
im Arbeitsalltag ihre Wirkung verfehlen.
Die Aufgabe eines guten Trainers besteht
nämlich nicht (nur) darin, die Teilneh-
mer zu bespaßen. Er muss vornehm-
lich Wissen vermitteln. Hohe Kunst im
Storytelling heißt, seine Zuhörer und Zu-
schauer von Anfang an mit einer packen-
den Geschichte zu fesseln. Eine lebendig
erzählte Geschichte erzielt nachweislich
mehr Aufmerksamkeit, weckt stärkere
Emotionen und bleibt dadurch auch län-
ger haften. Wichtig dabei ist allerdings,
dass der Unterhaltungsaspekt nicht so
dominiert, dass er das konzentrierte Ar-
beiten behindert.
Es geht darum, die Seminar-Teilnehmer
aufmerksam zu halten, sie emotional
zu beteiligen und zu überzeugen. Also
brauchen Trainer als Präsentierende das
richtige Maß an Emotionen, um ihre
Teilnehmer zu gewinnen. Ein wichtiger
Hebel hierfür liegt in der Dramaturgie des
Seminars beziehungsweise der einzelnen
Themenblöcke. Es gilt, die Themen an-
ders anzugehen, den roten Faden kom-
plett anders zu legen als gewohnt. Das
ist zugegebenermaßen schwierig. Schule,
Studium und Berufserfahrung legen uns
eine andere Arbeitsweise nahe: Theorie,
Übung, Auswertung. Oder: Analyse, Stra-
tegie, Umsetzung. Das sind die erlernten
Gliederungen, die vielen Seminaren zu-
grunde liegen.
Ein solcher Aufbau ist nicht falsch – nur
erzeugt er keine Spannung. Wenn der
Trainer nur einen mehr oder weniger
strukturierten Inhalt abliefert, reicht das
nicht aus, um seine Teilnehmer zu begeis-
tern. Alles, was er tut, läuft eindimensi-
onal über den Kopf. Handelt er lediglich
eine Methode nach der anderen ab, bleibt
jede didaktische Spannung aus. Wer
zusätzlich nicht einmal den Inhalt der
nächsten Folie auswendig weiß, langweilt
sein Publikum und verwandelt den Semi-
narraum in einen Schlafsaal.
Foto: Mike Laptev / shutterstock.com