wirtschaft + weiterbildung
07/08_2014
15
anzuknüpfen. Diese Botschaften sollte ein Motivationstrainer
so vermitteln, dass sie in den Köpfen hängen bleiben.
Nehmen sich Unternehmen, die Motivationsgurus
beauftragen, nicht zu sehr aus der Verantwortung? Schließlich
sind auch viele Unternehmensprozesse für den Mitarbeiter-
erfolg ausschlaggebend.
Schmiel:
Absolut. Deshalb gibt es auch Unternehmen, die ich
als Kunden ablehne, weil sie Motivationstrainer als Alibi für
schlechtes Management nutzen. Wenn ich merke, dass Mitar-
beiter in einem Betrieb nicht als Menschen ernst genommen
werden, arbeite ich mit dem Unternehmen nicht zusammen.
Gerade in Vertriebsstrukturen oder anderen Bereichen, wo eine
hohe Fluktuation herrscht und das Unternehmen davon lebt,
immer wieder eine Menge neue Leute zu finden, die den Ball
spielen, funktioniert mein Ansatz nicht. Da reicht auch eine
Instant-Suppe.
Inwiefern hat sich der Markt für Motivationstrainings in den
letzten 20 Jahren verändert?
Schmiel:
Es gibt immer wieder Leute, die sich zum Motivati-
onstrainer berufen fühlen, auch wenn ihnen die Qualifikation
dafür fehlt. Aber durch manch eine Fehlentwicklung in den
90er-Jahren haben viele Unternehmen eine gewisse Skepsis
gegenüber zu einfachen Lösungen entwickelt. Die Hochzeit
der Motivationsgurus ist vorbei, es braucht mehr Substanz.
Wahrheit ist die beste Werbung.
Was sollten Führungskräfte tun, die ihre Mannschaft
„motivieren“ müssen?
Schmiel:
Die größte Motivation entsteht, wenn Führungskräfte
ihren Mitarbeitern authentische Aufmerksamkeit und Wert-
schätzung entgegenbringen. Und das haben viele verlernt, weil
sie sehr vom Controlling und von Kennzahlen getrieben sind.
Es fällt ihnen schwer, die Mitarbeiter als Menschen wahrzu-
nehmen. Da fehlt einfach die Übung. Sie hoffen auf schnelle,
einfache Lösungen oder Motivationssprüche. Aber die eigent-
liche Fähigkeit besteht darin, auf Mitarbeiter zuzugehen und
vor allem drei Dinge zu vermitteln: Zuwendung, Leistungsa-
nerkennung im Positiven wie im Negativen sowie individuell
angepasste Herausforderungen.
Stefanie Hornung
Buchtipp.
Schmiels neues Buch
„Senkrechtstarter – Wie aus Frust
und Niederlagen die größten Erfolge
entstehen“ wird im Herbst im Campus
Verlag erscheinen. Motto: Was uns
nicht umbringt, kann zum Erfolgsturbo
werden.
„Wenn ich merke, dass Mitarbeiter
nicht als Menschen ernst genom-
men werden, arbeite ich mit dem
Unternehmen nicht zusammen.“