07/08_2013
wirtschaft + weiterbildung
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r
Online-Plattform an der Befragung teil-
zunehmen. Das funktionierte dann wie
in einem Schneelballsystem. Engagierte
Coachs baten ihre Klienten um Mitar-
beit und luden über Social Media und
eigene Netzwerke andere Coachs zum
Mitmachen ein. In Deutschland haben
einige engagierte Coachs auch Kontakt
zu Coaching-Verbänden und Journals
aufgenommen und darum gebeten, ihre
Mitglieder und Leser zur Teilnahme zu
bewegen. 1.100 Coachs aus 34 Ländern
konnten auf diese Weise motiviert wer-
den, sich an der Studie zu beteiligen.
Viele füllten nur einen einzigen Fragebo-
gen aus, viele brachten aber auch mehr
als 50 Coaching-Fälle mit in die Studie
ein.
Wie wurden die Daten erhoben?
De Haan:
Zunächst musste der Coach
einen Fragebogen zu seiner Person, seiner
Ausbildung und seinen Methoden ausfül-
len. Dann lud er möglichst viele seiner
Klienten ein, Auskunft zum Coaching-
Prozess zu geben. Die Coachees klickten
sich über einen mitgeschickten Link in
die Studie ein, füllten den Klienten-Frage-
bogen aus und gaben Name und E-Mail-
Adresse des Coachs an, damit man den
Coaching-Prozess zuordnen konnte. Der
Coach erfuhr von der Teilnahme seiner
jeweiligen Klienten durch eine E-Mail
aus London und wurde aufgefordert, für
Person X, Y oder Z seinerseits den digi-
talen Coach-Fragebogen auszufüllen und
den Coaching-Prozess aus seiner Sicht zu
beurteilen. Zudem wurden die Auftrag-
geber, also Personalmanager oder Vorge-
setzte, angesprochen, um ihrerseits einen
Fragebogen zum jeweiligen Coaching-
Prozess auszufüllen. Der entscheidende
Unterschied zu anderen Studien ist die
Beleuchtung eines Coaching-Prozesses
aus drei verschiedenen Perspektiven
(Coach, Klient, Auftraggeber), wodurch
ganz neue Einblicke in die Coaching-
Beziehung und die Coaching-Ergebnisse
gewonnen werden konnten, die mit Stu-
dien, die alleine den Coach erforschen
oder den Klienten befragen, bisher nicht
machbar waren. Mit 2018 ausgefüllten
Fragebögen von Klienten, 1800 Frage-
bögen von Coachs – manche füllten ja
mehrere Fragebögen aus - und 130 Fra-
gebögen von Auftraggebern ist das bisher
die weltweit größte Studie zum Erfolg von
Executive Coaching.
Was wurde in dem Fragebogen
abgefragt?
De Haan:
Die Beteiligten füllten in ihren
jeweiligen Fragebögen mehrere Rubriken
aus. Am Anfang standen Fragen generel-
ler Natur. Welche Art von Coaching war
es? Wie lange dauerte der Prozess? Wie
häufig traf man sich in dieser Zeit? Ein
zweiter Teil des Fragebogens widmete
sich dem Coaching-Prozess und dem Er-
gebnis, ein dritter Teil richtete den Blick
auf die Beziehungsebene von Coach und
Klient und beleuchtete beispielsweise
Aspekte wie Bindungsstärke und Ver-
trauen. In einem letzten Teil des Frage-
bogens ging es um die Einschätzung der
eigenen Person. So kamen pro Coaching-
Prozess jeweils zwei (Coach und Klient)
oder drei Fragebögen (Coach, Klient und
Auftraggeber) zusammen, womit die Be-
ziehungsebene und die Effektivität eines
einzigen Coaching-Prozesses aus jeweils
zwei bis drei Blickwinkeln betrachtet
werden konnte.
Wie viele Coaching-Prozesse aus
Deutschland wurden bewertet?
De Haan:
Aus Deutschland wurden ins-
gesamt 84 Coaching-Prozesse eingereicht,
aus Großbritannien waren es 234 und aus
den Niederlanden wurden 1322 beige-
steuert. Deutschland steuerte damit von
34 teilnehmenden Ländern die drittmeis-
ten Prozesse bei.
Wie war die Resonanz bei den
Auftraggebern?
De Haan:
Erstaunlich gering, obwohl doch
gerade sie ein großes Interesse an einem
hohen Return on Investment haben soll-
ten. Insgesamt haben Auftraggeber welt-
weit 130 Fragebögen ausgefüllt. Das mag
daran liegen, dass nicht jedes Executive
Coaching von einem Vorgesetzten finan-
ziert wurde oder in den Fragebögen kein
„Sponsor“ angegeben wurde oder auch
daran, dass HR-Abteilungen oder Vorge-
setzte nicht bereit waren, ihre Zeit in den
Dienst der Wissenschaft zu stellen. Ich
glaube aber, dass die Teilnahme an sol-
chen Studien zunehmen wird, wenn die
Fremdevaluation zunehmend zur Quali-
tätssicherung gehört und es sich für alle
Beteiligten lohnt, auf Coachs zurückgrei-
fen zu können, die Effektivität und nicht
bloß „eine hohe Kundenzufriedenheit“
oder ein „Gewohnheitsrecht in den Un-
ternehmen“ vorweisen können.
Warum haben gerade in Deutschland nur
so wenige Coachs mitgemacht?
De Haan:
Das kann ich nicht sagen. In ei-
nigen Fällen habe ich gehört, dass es ein
Problem war, dass der Fragebogen auf
Englisch war.
Was waren die wichtigsten Ergebnisse?
De Haan:
Bisher sind 75 Prozent der
Daten ausgewertet. Ein Ergebnis ist die
sehr starke Korrelation zwischen Bezie-
hung und Effektivität. Je besser die Bezie-
hung zwischen Coach und Klient, desto
besser das Endergebnis. In der Einschät-
zung der Wirksamkeit des Coaching-Pro-
zesses zeigten Coach, Klient und Auftrag-
geber eine erstaunlich gute Übereinstim-
mung. Was die Beziehung anbelangt, so
stimmen die Aussagen von Coach und
Klient ebenfalls in hohem Maße überein.
Sehen beide die Beziehung als gut an,
wirkt sich das positiv auf das Resultat
aus. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist,
„Je besser die Beziehung zwischen Coach und
Coachee, desto besser das Coaching-Ergebnis.“
Erik de Haan,
Direktor am Centre for
Coaching der Ashridge Business School.