training und coaching
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wirtschaft + weiterbildung
07/08_2013
dass diese Beziehung auch abhängig ist
vom gegenseitigen Vertrauen, vom klaren
Auftrag und vom Ziel.
Das Wichtigste ist also die Beziehung?
De Haan:
Die Beziehung zwischen Coach
und Klient ist in der gesamten Studie der
stärkste Prädiktor für die Effektivität von
Executive Coaching. Entscheidender für
ein erfolgreiches Coaching scheint folg-
lich die Beziehungsgüte zu sein, ganz
unabhängig von einer eingesetzten Me-
thode. Und die Beziehung hängt wiede-
rum zusammen mit dem gegenseitigen
Vertrauen und dem Vertrauen des Klien-
ten in seine eigenen Fähigkeiten. Das sind
daher die „active ingredients“ eines guten
Coaching-Prozesses.
Je mehr ein Klient an sich selbst glaubt,
umso besser ist das Resultat?
De Haan:
Ja, die Selbstwirksamkeits
erwartung – das heißt letztlich auch die
Motivation für das Coaching – des Klien-
ten korreliert sowohl mit der Beziehung,
als auch mit dem Ergebnis und zwar
sowohl aus der Sicht des Klienten, als
auch aus der Sicht des Coachs. Wenn der
Klient selbst nicht davon überzeugt ist,
dass ihm eine Veränderung gelingt, hat
das negative Auswirkungen sowohl auf
die Beziehung, als auch auf das Ergebnis.
Daraus können zukünftig sicherlich wich-
tige Maßnahmen zur Verbesserung von
Coaching-Prozessen abgeleitet werden.
Interview: Bärbel Schwertfeger
r
Studie: Effektivität von Führungskräfte-Coachings
Hintergrund.
Das Ashridge Centre for Coaching hat weltweit die bisher größte Coaching-Studie
durchgeführt. Einzigartig ist nicht nur die Größe der Studie (2.018 ausgefüllte Klienten-Fragebögen,
1.800 entsprechende Fragebögen von Coachs und 130 Fragebögen von Auftraggebern), sondern auch
die Methode. Zu einem Coaching-Prozess gaben nicht nur Klienten und Coachs Auskunft, sondern
auch die jeweiligen Auftraggeber in den Unternehmen.
Ziel der Studie ist es, sowohl die Effekti-
vität von Führungskräfte-Coaching zu erfor-
schen, als auch Faktoren zu analysieren,
die für die Ergebnisse verantwortlich sind.
Bisher wurden 75 Prozent der Daten ausge-
wertet. Hier die ersten Ergebnisse:
· Die Coaching-Beziehung bleibt der beste
Prädiktor des Coaching-Ergebnisses. Je
besser die Coaching-Beziehung zwischen
Coach und Klient, desto erfolgreicher das
Coaching.
· Klient, Coach und Sponsor stimmen in
ihrer Einschätzung des Coaching-Erfolgs
erstaunlich gut überein.
· Die Selbstwirksamkeitsüberzeugung des
Klienten korreliert mit dem Resultat. Je
mehr der Klient an sich glaubt und auch
motiviert für sein Coaching ist, desto bes-
sere Resultate sind durch den Coaching-
Prozess zu erzielen.
· Persönlichkeitsmerkmale von Coach und
Klient korrelieren sowohl mit der Bezie-
hungsqualität, als auch mit dem Ergebnis.
Für die Beziehung scheint es vorteilhaft,
wenn sich Coach und Klient ähnlich sind,
für ein gutes Resultat scheint es von Vor-
teil zu sein, wenn Coach und Klient ver-
schiedene Persönlichkeitsmerkmale mit-
bringen.
Weitere Erkenntnisse der Studie sind im
Laufe des Jahres zu erwarten, wenn alle
Daten ausgewertet und analysiert sind.
Auch Geschlecht, Coaching-Dauer und
andere Aspekte lassen weitere spannende
Erkenntnisse erwarten. Ein ausführlicher
Bericht über die Studie erscheint im Sep-
tember in der Fachzeitschrift „Wirtschafts-
psychologie aktuell“.
Die britische Ashridge Business School
gehört zu den führenden europäischen
Business Schools. Schwerpunkte ihrer
Arbeit sind Programme für Führungskräfte
(Executive Education). Das Ashridge Centre
for Coaching ist ein international anerkann-
tes Forschungs- und Ausbildungszentrum
im Bereich des Executive Coaching. Zu
den speziellen Business-Angeboten gehört
auch das zweijährige, berufsbegleitende
Studium zum „Ashridge Masters in Execu-
tive Coaching“.
Ashridge. „
Real
answers to the
real challenges“
verspricht die
britische Business
School.
Foto: Schwertfeger