Seite 29 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_07-08

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07/08_2013
wirtschaft + weiterbildung
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terstützung zu bitten. Ansonsten beob-
achtet der Ausbilder primär den Prozess
und greift bei Bedarf moderierend ein.
Etwa nach der Hälfte jedes Ausbildungs-
abschnitts findet ein Zwischengespräch
des Auszubildenden mit dem Ausbilder
statt. In ihm soll der Azubi – nach einer
entsprechenden Vorbereitung – zunächst
nochmals den bisherigen Verlauf der Aus-
bildung in der betreffenden Fachabteilung
reflektieren; des Weiteren, welche Kom-
petenzen er bereits erworben hat, und wo
er bezogen auf das angestrebte Ziel noch
Entwicklungsbedarf sieht. Danach erhält
er vom Ausbilder anhand konkreter Be-
obachtungen ein Feedback über seine
Entwicklung und das gezeigte Verhalten
im Arbeitsalltag.
Bevor beide eine neue Lernvereinbarung
für die zweite Hälfte des Ausbildungsab-
schnitts abschließen, gibt der Azubi eine
Rückmeldung zu seiner Ausbildungs-
und Arbeitssituation in der Abteilung.
Das Zwischengespräch wird wieder von
dem Auszubildenden protokolliert. Nach
dem Muster des Zwischengesprächs
funktioniert auch das Abschlussgespräch
am Ende des jeweiligen Ausbildungsab-
schnitts.
Dieses Grundkonzept der Kompetenz-
entwicklung und -feststellung durchzieht
die gesamte Ausbildung. Denn ein über-
geordnetes Ziel lautet: Aus den jungen
Frauen und Männern im Unternehmen
sollen hoch qualifizierte Mitarbeiter wer-
den, die auch über die Kompetenz ver-
fügen,
• selbst zu erkennen, wann sie zum Bei-
spiel aufgrund veränderter Kundenan-
forderungen ihre bisherige Art, Aufga-
ben zu lösen, überdenken und neue
Problemlösungen entwickeln müssen
und
• sich selbstständig (und eigeninitiativ)
die hierfür erforderlichen Fähigkeiten
und Kenntnisse anzueignen (wobei sie
selbstverständlich weiterhin von ihrem
Arbeitgeber unterstützt werden).
Form des Kompetenzerwerbs
aus der Schule bekannt
Die bisherigen Erfahrungen haben ge-
zeigt: Mit dem neuen Ausbildungskon-
zept werden die definierten Ziele erreicht.
Das belegt unter anderem eine Befragung
der an dem (Pilot-)Projekt beteiligten Be-
reiche und Personengruppen. Deutlich
wurde zudem: Die bei dem neuen Aus-
bildungskonzept praktizierte Form des
Wissens- und Kompetenzerwerbs kommt
den Bedürfnissen der Auszubildenden
von heute entgegen. Denn sie kennen
aus der Schule das Arbeiten in Gruppen.
Auch das selbstständige Erarbeiten von
Lerninhalten sind sie gewohnt. Entspre-
chend leicht fällt es ihnen nach einer Ein-
führung, sich eigenständig, allein oder in
Gruppen, kognitive Ausbildungsinhalte
unter anderem mithilfe der elektroni-
schen Lernplattformen von Schwäbisch
Hall anzueignen. Deshalb ist das klassi-
sche Lehrgespräch zwischen Ausbilder
und Auszubildendem seltener nötig.
Gezeigt hat sich in dem Pilotprojekt und
beim „Rollout“ aber auch: Das neue Aus-
bildungskonzept erfordert eine gezielte
Weiterbildung der Ausbilder, da es bei
ihnen ein verändertes Selbstverständnis
und Verhalten voraussetzt. So muss zum
Beispiel das dem Konzept zugrunde lie-
gende Beobachten und Feedbackgeben
statt Bewerten und Benoten eingeübt
werden.
Insgesamt gilt: Das Entwickeln von ei-
genständig denkenden und eigenverant-
wortlich handelnden Mitarbeitern, die ihr
Handeln reflektieren und selbst steuern,
ist kein Prozess, der mit der Ausbildung
endet. Deshalb startete die Schwäbisch
Hall Gruppe im Frühjahr 2012 ein wei-
teres (Teil-)Projekt. Es zielt darauf ab,
diesen Prozess nach der Ausbildung
mit einem passenden Einarbeitungspro-
gramm weiter zu forcieren, wenn die
frischgebackenen Bankkauffrauen und
-männer in den Fachbereichen, in denen
sie fortan arbeiten, eingearbeitet werden.
Dahinter steckt auch die Erkenntnis:
Wenn die Mitarbeiter
• im Betriebsalltag eigenständiger den-
ken und handeln und
• mehr Eigenverantwortung beim Entwi-
ckeln ihrer Kompetenz zeigen sollen,
dann bedarf es auch regelmäßig entspre-
chender (motivierender) Impulse seitens
des Unternehmens sowie der Führung.
Das heißt: Die Fähigkeit zur Selbstre­
flexion und -steuerung muss ein Teil der
Unternehmenskultur sein.
Kristin Seyboth, Werner Ollechowitz
Schwäbisch Hall.
Die Bausparkasse hat ihr Ausbildungskonzept reformiert.