Seite 28 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_07-08

Basic HTML-Version

personal- und organisationsentwicklung
28
wirtschaft + weiterbildung
07/08_2013
Autoren
wurde es mit Beginn des neuen Ausbil-
dungsjahrs im Herbst 2011 umgesetzt –
zunächst als Pilotprojekt im zentralen
Ausbildungsbereich, der unter anderem
die Grundlagenausbildung aller Azubis
durchführt. Im Frühjahr 2012 begann der
„Rollout“ in allen ausbildungsrelevanten
Bereichen der Kundenbetreuung. Dieser
Prozess endete im Juni 2012.
Skills in Eignungsprofilen
zusammengefasst
Grundlage der Ausbildung bildet das
Eignungsprofil, das für das Berufsbild
Bankkaufmann/-kauffrau entwickelt
wurde. In ihm sind in einer sogenannten
„Kompetenzlandkarte“ die neun fachli-
chen, methodischen, sozialen und per-
sönlichen Kompetenzen aufgelistet, die
Bankkaufleute benötigen. Diese Kompe-
tenzen – wie zum Beispiel Lern- sowie
Reflexionsfähigkeit und -bereitschaft im
Bereich „Persönliche Kompetenz“ und
selbstständiges Arbeiten sowie Ziel- und
Ergebnisorientierung im Bereich „Metho-
dische Kompetenz“ – sind mit konkreten
Fähigkeiten und Fertigkeiten hinterlegt.
Zudem ist im Eignungsprofil beschrie-
ben, in welchen Verhaltensweisen sich
das Vorhandensein dieser Skills im Be-
triebsalltag zeigt.
Diese Fähigkeiten sollen sich die an-
gehenden Bankkaufleute während der
sechs drei- bis sechsmonatigen Ausbil-
dungsabschnitte, die sie während ihrer
Ausbildung in verschiedenen Abteilun-
gen durchlaufen, weitgehend selbststän-
dig aneignen. Dabei stehen ihnen die fünf
hauptamtlichen Ausbilder im Bankinnen-
dienst und rund 80 Fachbereichsausbilder
als Lernbegleiter unterstützend zur Seite.
Sie wurden auf diese Aufgabe, die in wei-
ten Teilen einem Coaching für die Auszu-
bildenden in ihrem Entwicklungsprozess
gleicht, gezielt vorbereitet.
Das Konzept der Ausbildung und das
angestrebte Eignungsprofil werden den
Azubis in der gemeinsamen Einführungs-
woche zu Beginn ihrer Ausbildung vor-
gestellt und erläutert. Dort erfahren sie
auch, welche Erwartungen an sie gestellt
werden und welche Unterstützung sie
von den Ausbildern erwarten und einfor-
dern können.
Nach der Einführungswoche startet der
erste dreimonatige Ausbildungsblock.
Darin wird den angehenden Bankkauf-
leuten von der Ausbildungsabteilung das
Basis-Know-how über das Bankgeschäft
und das Geschäft der Bausparkasse
Schwäbisch Hall vermittelt, das sie bei
der Arbeit in allen Fachabteilungen brau-
chen. In dieser Phase sollen die Azubis
auch erste Erfahrungen mit dem neuen
Ausbildungskonzept sammeln. Wenn sie
dann in die Fachabteilungen wechseln,
sind sie bereits mit dem Verfahren zur
Kompetenzfeststellung und -entwicklung,
das dem Konzept zugrunde liegt, und den
genutzten Instrumenten vertraut.
Das Kompetenzfeststellungs-
und -entwicklungsverfahren
Das Verfahren zur Kompetenzfeststellung
und -entwicklung sieht wie folgt aus:
Zu Beginn jedes Ausbildungsabschnitts
führt jeder Auszubildende ein Einfüh-
rungsgespräch mit dem betreffenden
Ausbilder. In ihm sprechen sie darüber,
welche Kompetenzen der Azubi in dem
Ausbildungsabschnitt ausgehend vom
angestrebten Eignungsprofil erwerben
und welche der drei Kompetenzstufen
„Kennen“, „Können“ und „Beherrschen“
er dabei erreichen soll. Auf dieser Basis
analysieren Ausbilder und Azubi gemein-
sam, inwieweit die jeweilige Kompetenz
bereits vorhanden ist und welcher Ent-
wicklungsbedarf noch besteht. Danach
treffen beide zusammen eine Lernverein-
barung, die vom Azubi in einem Proto-
koll festgehalten wird.
In den kommenden Wochen erhalten
alle Azubis dann jeweils eine Wochen-
aufgabe. Diese sollen sie in „Gruppen­
puzzles“ genannten Kleingruppen selbst­
organisiert lösen. Die Wochenaufgaben
sind so konzipiert, dass sie in unmittelba-
rem Zusammenhang mit dem Geschäfts-
prozess bei Schwäbisch Hall stehen und
die Azubis Schritt für Schritt die Fähig-
keiten erwerben, die sie im betreffenden
Ausbildungsabschnitt entwickeln sollen.
Eine Wochenaufgabe kann sein, bezogen
auf eine konkrete Kreditanfrage eines
Immobilienbesitzers zu ermitteln, wel-
che Lasten und Hypotheken im Grund-
buch eingetragen sind und mit welchem
Rang die Bausparkasse im Grundbuch
vermerkt ist; des Weiteren eine (Vor-)Ent-
scheidung über die Vergabe eines neuen
Kredits zu treffen und zu begründen.
Zudem sollen sich die Auszubildenden
beim Lösen dieser Aufgabe die erforder-
lichen Kenntnisse über den Aufbau eines
Grundbuchs aneignen.
Am Ende der Woche notiert jeder Azubi
im sogenannten Kompetenztagebuch, das
ihn während seiner gesamten Ausbildung
begleitet,
• was ihm beim Lösen der Wochenauf-
gabe gut oder weniger gut gelungen ist,
• welche Kompetenzen er dabei zeigte,
• welche Lernfortschritte er bei sich re-
gistrierte und
• wo und wie er sich noch weiterentwi-
ckeln möchte oder muss.
Während der Ausbildung stehen den
Azubis die Ausbilder als Ansprechpart-
ner sowie Rat- und Impulsgeber zur Seite.
Dabei bleibt es der Initiative der Auszu-
bildenden überlassen, bei Bedarf um Un-
r
Kristin Seyboth
leitet seit 2012 den
Bereich Kredit- und
Sparser vice bei
Schwäbisch Hall.
Zuvor arbeitete die 33-jährige Wirt-
schaftsinformatikerin als Team- und
Abteilungsleiterin im Processing und
im IT-Bereich.
Werner
Ollechowitz
leitet seit 14 Jahren
den Bereich Perso-
nal bei Schwäbisch
Hall. Der 54-jährige Diplom-Ökonom
kam von der damaligen DG Bank,
Frankfurt, zu Schwäbisch Hall. Er ist
zudem Lehrbeauftragter an der Dua-
len Hochschule Baden-Württemberg.