07/08_2013
wirtschaft + weiterbildung
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r
Social Media und Führung
Dan Pontefract:
„Flat Army“ (Verlag
John Wiley & Sons, New York 2013,
314 Seiten, 22,30 Euro)
Es geht nicht um Militärisches in diesem
Buch. Im Gegenteil. Dan Pontefract wirbt
für eine neue Kultur der Führung fernab
militärischer Hierarchien. Der Autor sieht
die Organisation der Zukunft als „flache
Armada“, die auf den Prinzipien von
gelebter Vernetzung, Partizipation und
Kollaboration beruht. Lernen bildet das
Herzstück dieser idealen Organisation, in
der Gleichgesinnte auf Augenhöhe auf ein
Ziel hin arbeiten. Der Nutzen davon: Das
Engagement der Mitarbeiter geht in die
Höhe, weil (durch die sozialen Medien)
echte Freiräume eröffnet werden. Der
Autor ist ein Praktiker (Head of Learning
and Collaboration bei der kanadischen
Telekom „Telus“) und aktiver Blogger
er seine
Thesen vorbildlich reflektiert.
Ein Tipp von:
Dr. Jochen Robes,
Frankfurt am Main, Web-
2.0-Experte und sehr aktiver Blogger unter:
Zugang zur Spiritualität für
Führungskräfte
Thich Nhat Hanh:
„The Art of Power.
Die Kunst, mit Macht richtig umzuge-
hen“ (Verlag Herder, Freiburg 2012,
240 Seiten, 9,99 Euro)
Immer mehr Führungskräfte und ihre
Berater interessieren sich für das Thema
„Spiritualität“ als Antwort auf die Kom-
plexität des modernen Berufslebens. Oft
gibt es aber noch Berührungsängste,
denn schließlich könnte das Thema ge-
radewegs in die „Räucherstäbchenecke“
führen.
Eine wohltuend pragmatische Art, sich
mit einer bestimmten Form der Spiri-
tualität – nämlich der buddhistischen
Lehre – auseinanderzusetzen, bietet das
Buch „The Art of Power“ des Mönchs
Nhat Hanh. Neben dem Dalai Lama ist
der Autor einer der profiliertesten zeitge-
nössischen Meister der buddhistischen
Lehre. Laut Nhat Hanh fußt Macht auf
fünf Arten von Energie:
• Vertrauen
• Tatkraft
• Achtsamkeit
• Sammlung
• Verstehen.
Durch Übungen kann der Leser lernen,
diese Kräfte zu entwickeln. So beschreibt
der Autor zum Beispiel seine (in Exper-
tenkreisen) legendären fünf Achtsam-
keitsübungen. Eine dieser Übungen trägt
den Titel „Aufmerksames Zuhören und
liebevolles Sprechen“. Im Wissen, dass
Worte sowohl Glück als auch Leiden
hervorrufen können, sollte gerade eine
Führungskraft entschlossen sein, nichts
Unwahres zu sagen und Worte zu gebrau-
chen, die Selbstvertrauen und Hoffnung
fördern.
Die Übung besteht darin, dass man sich
selbst auf bestimmte Regeln verpflichtet
und die Einhaltung dieser Regeln beob
achtet. Eine Regel könnte zum Beispiel
lauten: Ich werde keine Nachricht ver-
breiten, ohne sicher zu sein, dass sie der
Wahrheit entspricht und ich werde nichts
kritisieren oder verurteilen, worüber
ich nichts Genaues weiß. Ich will Äuße-
rungen unterlassen, die Uneinigkeit oder
Zwietracht verursachen können und die
dazu führen können, dass Gemeinschaf-
ten daran zerbrechen.
Der erste große Lerneffekt für den Leser
dürfte darin bestehen, dass es sich bei der
Beschreibung der (Macht-)„Energien“
immer nur um die „inneren Zustände“
eines Menschen geht. Vertrauen als Ener-
gieform heißt nicht etwa, zu lernen, den
anderen zu vertrauen, sondern Vertrauen
zu sich selbst zu entwickeln! „Wir verlas-
sen uns nicht auf etwas, das außerhalb
von uns liegt“, mahnt der Weise.
Ein Tipp von:
Lars Burmeister,
systemischer Berater, ehe-
mals bei Königswieser & Network GmbH,
Wien, jetzt Geschäftsführender Gesell-
schafter der „Co 13 - Gruppe für syste-
mische Beratung GmbH“ in Berlin. Burmei-
ster ist zusammen mit Ulrich Königswieser
und Marion Keil Autor des Buchs „Komple-
mentärberatung in der Praxis“ (Schäffer-
Poeschel, Stuttgart 2012). Neben seiner
Arbeit als Berater betreibt Burmeister wis-
senschaftliche Studien. Die letzte beschäf-
tigte sich mit dem Thema „Gescheiter
scheitern“ (als Buch veröffentlicht bei Carl-
Auer). Aktuell interviewen er und sein Team
Top-Manager zum Thema „Der Nutzen der
Spiritualität für den Berufsalltag“.