Seite 22 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_07-08

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wirtschaft + weiterbildung
07/08_2013
r
Von Schleswig-Holstein
nach Wyoming
Joachim Meyerhoff:
„Alle Toten fliegen
hoch. Amerika.“ (Verlag Kiepenheuer
und Witsch, Köln 2011, 320 Seiten,
18,95 Euro)
Für den Urlaub würde ich Ihnen, liebe
Leserinnen und Leser von „wirtschaft
+ weiterbildung“ empfehlen: Lassen
Sie die Fachbücher zu Hause und genie-
ßen Sie den ersten Roman des (Theater-)
Schauspielers und fabelhaften Erzählers
Joachim Meyerhoff. Er trägt den Titel:
„Alle Toten fliegen hoch. Amerika“. Die-
sen Roman gibt es als strand-, wald- und
seetaugliches Taschenbuch. Der ist ur-
komisch, tragisch, berührend und nach-
denklich.
Meyerhoff schildert die wahre Geschichte
seines Amerikaaufenthalts als Austausch-
schüler in den achtziger Jahren. Er be-
schreibt die persönlichen Irrungen und
Wirrungen des Erwachsenwerdens. Der
Bogen spannt sich von der Aufnahme des
deutschen Schülers in ein Basketballteam
an der US-Partnerschule bis hin zum Un-
falltod des eigenen Bruders. Und wenn
sie dann Gefallen gefunden haben an der
Sprache des Autors und wissen wollen,
wie die Familiengeschichte vor dem Ame-
rikaabenteuer angefangen hat und wie sie
später weitergegangen ist, dann lesen Sie
vielleicht gerne auch noch den zweiten
Roman, der den sehr sinnigen Titel trägt:
„Wann wird es endlich wieder so, wie es
nie war?“
Ein Tipp von:
Maren Fischer-Epe,
Diplompsychologin.
Sie arbeitet seit 1988 als selbstständige
Managementberaterin in Hamburg mit den
Schwerpunkten Organisationsentwicklung
und Coaching. Sie hat drei Coaching-Stan-
dardwerke in der Rororo-Reihe „Miteinander
reden“ (Herausgeber: Friedemann Schulz
von Thun) veröffentlicht und führt seit 1988
Coaching-Ausbildungsprogramme durch.
Wirtschaft ohne Wachstum –
kann das gehen?
Reinhard Loske:
„Wie weiter mit der
Wachstumsfrage?“ (Basilisken-Presse
im Verlag Natur & Text, Rangsdorf/Ös-
terreich 2012, 88 Seiten, 14,00 Euro)
Das Buch gibt es im Online-Shop von
Die Frage, ob ein Wirtschaftswachstum
weiterhin möglich und sinnvoll ist, wird
in den kommenden Jahrzehnten als die
zentrale Schlüsselfrage die Entwicklungs-
möglichkeiten unserer Gesellschaft be-
stimmen. Trainer und Berater sollten da-
rauf vorbereitet sein. Ob es nun um den
schrittweisen Umstieg von den fossilen
zu den erneuerbaren Energieträgern geht,
um die Bewältigung absehbarer Engpässe
im Verbrauch ganz bestimmter Rohstoffe,
um das Managen der unabsehbaren Fol-
gen der Erderwärmung, um den Umbau
des Wohlfahrtsstaates, um die transgene-
rationale Bewältigung der Schuldenkrise
… All diese gesellschaftlichen Herausfor-
derungen werden uns dazu zwingen, un-
sere etablierten Wachstumsvorstellungen
früher oder später zu überdenken.
Dieser Paradigmenwechsel ist sowohl auf
der Ebene unserer Organisationen (Unter-
nehmen, Verwaltung, Politik und Wissen-
schaft) wie auch auf der Ebene der Ge-
samtgesellschaft und ihrer Funktionssys­
teme unabdingbar. Der bisherige Diskurs
rund um das Wachstumsthema schwankt
zwischen undifferenzierten Verzichtsap-
pellen und der seit Jahrzehnten beob­
achtbaren Verharmlosung des Bedro-
hungspotenzials der zugrunde liegenden
Problemkonstellation. Der hier zur Lek-
türe empfohlene Diskussionsbeitrag er-
öffnet neue, weil ganz konkret benannte
Perspektiven des gesellschaftlichen Wan-
dels in Richtung einer Postwachstumsge-
sellschaft. Deren Existenz darf laut Loske
nicht auf ein stetiges Wirtschaftswachs-
tum angewiesen sein. Der Autor entwi-
ckelt realitätshaltige Zukunftsbilder, die
eine Ökonomie auch ohne unentrinn-
baren Wachstumszwang denkbar er-
scheinen lassen. Das Buch geht ausführ-
lich auf die Argumente der Gegner ein.
Loskes Credo: Statt technischer Innovati-
onen wird uns eher ein Kulturwandel und
insbesondere mehr Gemeinsinn „retten“.
Eine wahrhaft lohnende Auseinanderset-
zung für die Sommerpause.
Ein Tipp von:
Professor Dr. Rudi Wimmer,
einem der wich-
tigsten Pioniere der systemischen Organi-
sationsberatung. Wimmer ist Gründer der
OSB International Consulting AG in Wien.