07/08_2013
wirtschaft + weiterbildung
19
Interessensgebiet genauso ab wie auch
die wesentlichen Rollen, die mit Coa-
ching zu tun haben. Konkret handelt es
sich bei den 21 Beiträgen um Material aus
dem Coaching-Studiengang der FHNW.
Diese Hochschule bildet seit über 15 Jah-
ren Coachs aus und hat damit eine hohe
Lernkurve erreicht, was sich deutlich in
den Beiträgen zeigt. Der einleitende Text,
den der Herausgeber selbst verfasst hat,
geht mit inspirierenden Anmerkungen
auf die Weiterbildung von Coachs ein.
Es ist mutig, die Coaching-Prozesse der
Teilnehmer in solch einem Buch zu veröf-
fentlichen. Der Leser wird jedoch schnell
erkennen, dass die Beiträge fundiert sind
und die Coachs professionell mit dem
Thema Coaching umgehen.
Der Herausgeber Loebbert kommt in dem
Buch sehr oft zu Wort. Insgesamt ist er
Autor oder Mitautor von gleich acht Bei-
trägen. Für den Leser ist das kein Nach-
teil, denn kaum ein Experte schafft es, das
Thema Teamcoaching von der populären
Teamentwicklung intelligent abzugrenzen
und differenziert darzustellen. Exotische
Beiträge wie „Coaching mit Humor“
sind ebenso zu finden wie systemische,
psychologische oder etwa gruppendyna-
mische Aufsätze. Bemerkenswert ist noch
der Beitrag über die Coaching-Forschung.
Hier gibt es einen guten Überblick über
den Stand der Wissenschaft. Mit über
400 Seiten und 21 Fachbeiträgen ist das
Buch ein umfassendes und lesenswertes
Werk geworden. Ganz nebenbei erfährt
der Leser, wie ein renommiertes Institut
Coachs ausbildet und welche Themen in
der Coaching-Szene aktuell sind.
Ein Tipp von:
Dr. Hüseyin Özdemir,
Geschäftsführer der
Oezpa GmbH Managementberatung für
Strategische Organisations- und Personal-
entwicklung in Bornheim-Walberberg. Die
Oezpa ist seit 1992 im Changemanage-
ment tätig und bietet Weiterbildung zum
Coach an.
Licht ins Dunkel der Strategie-
konzeptionen bringen
Bernhard Ungericht:
„Strategiebe-
wusstes Management“ (Verlag Pear-
son Studium, München 2012, 448
Seiten, 39,95 Euro)
Trainer und systemische Berater werden
immer öfter engagiert, um eine Unterneh-
mensstrategie umzusetzen und manch-
mal auch, um die Strategiefindung zu
begleiten. Wer nur wenig darüber weiß,
welche Arten von Unternehmensstra-
tegien es gibt und wie sie „gefunden“
werden, sollte seine Lücken in Sachen
„Strategiekonzeption“ möglichst schnell
füllen. Anschluss an das Wissen profes-
sioneller Strategieberater kann man jetzt
überraschenderweise mit einem Lehr-
buch für Studenten bekommen. Der Dank
dafür gebührt dem Grazer Universitäts-
professor Bernhard Ungericht und dem
Verlag Pearson. Der hat eine Menge Kre-
ativität investiert, um wissenschaftliche
Lehrinhalte durch Beispiele, Fallstudien
und Übungen so zu veranschaulichen,
dass die Übertragung ins Business sehr
erleichtert wird.
Nach der Lektüre des Buchs verfügt
der Leser über eine „Landkarte“ zum
Thema, auf welcher er die wesentlichen
Konzepte, Modelle und Instrumente des
strategischen Managements und deren
„Schöpfer“ verorten kann. Die Unter-
scheidung zwischen dem „klassisch-
rationalistischen Paradigma“ und dem
„verständnisorientierten Paradigma“ des
strategischen Denkens erhellt die jewei-
ligen Denkmuster, Interessenperspektiven
und möglichen Handlungskonsequenzen.
Diese Flughöhe der Reflexionsorientie-
rung wird ergänzt durch eine Darstel-
lungstiefe, die es erlaubt, die vorgestell-
ten Tools in einer genauen Schrittfolge
tatsächlich zu verstehen. Quasi nebenbei
entsteht zudem ein erstes, grobes Bild,
wie man als Berater einen Diskussions-
prozess mit dem Management anlegen
und gestalten kann.
Ein Beispiel für die modernen Inhalte:
Ungericht ordnet den Instrumenten stra-
tegischen Denkens fünf Handlungsfeldern
strategiebewussten Managements zu. Das
letzte betrifft das Management der Verän-
derung und kulminiert im strategischen
Denken der „3. Generation“, das durch
das „Modell der entwicklungsfähigen Or-
ganisation“ geprägt ist. Damit wird die
„Verantwortungs- und Nachhaltigkeits
orientierung“ eingelöst, der sich das Buch
(im Unterschied zu anderen Strategielehr-
büchern) eingangs verschreibt. Organisa-
tionsentwickler und systemische Berater
finden an diese Perspektive zur Aufbe-
reitung der Materie „Strategie“ sehr gut
Anschluss – auch wenn die Begriffswelt
eine andere ist und wenn es beim Lesen
einmal wirklich wehtut: Wenn nämlich
Kurt Lewins Wandelmodell als statischer
und linearer Input-Output-Prozess be-
schrieben wird, der Menschen nicht aktiv
in den Wandelprozess involviert. Das
stimmt natürlich nicht und zeigt einmal
mehr, wie wichtig disziplinenübergreifen-
des Verstehen ist. Man könnte hier beim
Thema Strategie damit beginnen.
Ein Tipp von:
Joana Krizanits,
systemische Organisati-
onsberaterin und Expertin für Unterneh-
mensentwicklung, Wien. Ihr neuestes
Buch heißt „Einführung in die Methoden
der systemischen Organisationsberatung“
und ist bei Carl-Auer (2013) erschienen.
r