09_2013
wirtschaft + weiterbildung
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r
Schnittmengen mit dem besser bekann-
ten Persönlichkeitsfaktor Gewissenhaftig-
keit. Hoch formale Menschen unterschei-
den sich von niedrig formalen Menschen
insbesondere durch sehr strukturiertes
und diszipliniertes Arbeiten und den An-
trieb, möglichst fehlerfrei zu arbeiten.
Gewissenhaftigkeit hat sich in vielen Un-
tersuchungen als kritisch für den Erfolg
(meist operationalisiert über Noten) in
Schule, Studium oder auch Beruf erwie-
sen. Daher wurde dieser Faktor ebenfalls
für die vorliegende Studie ausgewählt.
Insgesamt nahmen über einen Zeitraum
von etwa vier Wochen 322 Studenten der
Euro-FH an der Umfrage teil. Die Frage-
bögen wurden über den Online-Campus
der Hochschule via Internet angeboten
sowie in Präsenzveranstaltungen vor Ort
in einer Papier-und-Bleistift-Version ver-
teilt. Der eingesetzte Fragebogen gliedert
sich in mehrere Abschnitte. Zunächst
wurden biografische Daten sowie Daten
über das Fernstudium erhoben, anschlie-
ßend folgten mehrere Skalen zu Studier-
verhalten, Belastungen und erfolgskriti-
schen Umständen im Fernstudium und
zuletzt wurde mit dem Predictive Index
ein Persönlichkeitsfragebogen eingesetzt.
In der nebenstehenden Tabelle sind bei-
spielhaft Items aus den Skalen zum Stu-
dierverhalten im Fernstudium abgebildet.
Jede Skala bestand aus vier bis sechs
Items. Dahinter stand die Absicht, zum
jeweiligen Oberbegriff Items zu konstru-
ieren, die eine Bandbreite von Verhalten
abbilden, welches insbesondere für ext-
ravertierte beziehungsweise formale Stu-
denten relevant sein kann. In der statisti-
schen Auswertung haben sich alle Skalen
als reliabel erwiesen.
Da ein neben dem Beruf absolviertes
Studium enorme Anstrengung erfordert,
wurden weitere Items konstruiert, um
potenzielle Belastungsfaktoren verschie-
dener Persönlichkeiten darzustellen. Die
Items beinhalteten Aspekte wie beispiels-
weise „alleine studieren“, „Beruf und
Studium koordinieren“, „in Klausuren
schlecht abschneiden oder durchfallen“
und „eigenständig das Fernstudium vo-
rantreiben“. Erfragt wurden der Grad
der empfundenen Belastung sowie das
Ausmaß der erlebten Häufigkeit des je-
weiligen Aspekts. Neben belastenden
Faktoren gibt es in der Situation eines
Fernstudenten auch Ressourcen bezie-
hungsweise mögliche erfolgskritische
Umstände. Daher wurden auch Items
entwickelt, um diese Aspekte zu ergrün-
den, wie „Ich werde von meiner Familie
unterstützt“, „Ich werde von meinem Ar-
beitgeber unterstützt“, „Ich habe einen
guten Kontakt zu meinen Ansprechpart-
nern an der Hochschule“ oder „Ich gehe
gelassen damit um, wenn einzelne Prü-
fungen nicht sehr gut gelingen“. Gefragt
wurde jeweils nach der Einschätzung
der Bedeutsamkeit des Aspekts für den
eigenen Studienerfolg sowie der Häufig-
keit des Auftretens. Im Folgenden werden
ausgewählte Erkenntnisse der Studie zu-
sammengefasst.
„Extraversion“: Austausch mit
anderen beflügelt Denken
In Bezug auf den Persönlichkeitsfaktor
Extraversion führte die empirische Daten-
erhebung zu den folgenden Erkenntnis-
sen: Je höher die Extraversion ausgeprägt
ist, desto bedeutsamer sind die folgenden
Aspekte für den eigenen Studienerfolg:
„Gelassenheit, wenn einzelne Prüfungen
misslingen“, „Kontakt zu anderen Fern-
studenten“ und „sorgfältige Prüfungsvor-
bereitung“. In Bezug auf das Verhalten be-
ziehungsweise die Belastungen im Fern-
studium zeigt sich unter anderem, dass
extravertierte Studenten …
• sich wenig belastet durch schlechte
Klausuren zeigen,
• finanzielle Belastung durch das Stu-
dium selten erleben,
• „alleine zu studieren“ sehr häufig als
Belastung nennen,
• Kontakt zu anderen Fernstudenten als
wichtig und vorhanden einschätzen.
Das grundlegende Bedürfnis nach Kon-
takt zu anderen Menschen ist dem extra-
vertierten Menschen quasi in die Wiege
gelegt. Aufschlussreich ist, dass sich die-
ses Bedürfnis sogar als erfolgskritisches
Kriterium herausstellt. Es erscheint denk-
bar, dass das Kontaktbedürfnis des Extra-
vertierten nicht nur den Bedarf nach „so-
zialer Stimulanz“ erfüllt, sondern durch
den so initiierten zwischenmenschlichen
Kontakt eine Basis vorhanden ist, um
Informationen auszutauschen, Inhalte
Skala
Item (Beispiele)
Ablenkbarkeit
Ich lasse mich beim Lernen leicht ablenken.
Kontakt
Der Kontakt zu anderen Fernstudenten ist mir wichtig.
Optimismus
In Prüfungen stelle ich manchmal fest, dass ich meinen Lernstand
in der Vorbereitung überschätzt habe.
Netzwerk
Ich habe mir ein gutes Netzwerk an Personen aufgebaut, welche
mich in meinem Fernstudium unterstützen.
Sicherheitsbedürfnis
Bevor ich mich zu einer Prüfung anmelde, muss ich mir sicher sein,
dass ich den Lehrstoff beherrsche.
Perfektionismus
Ich tue viel dafür, möglichst sehr gute Noten zu bekommen.
Sorgfalt
Bevor ich eine Arbeit abgebe, kontrolliere ich alles nochmals bis
ins Detail.
Planung
Ich beachte Fristen sehr zuverlässig.
Lernverhalten unter der Lupe
Umfrage.
Die Tabelle zeigt beispielhaft, wie in der Umfrage von
Professor Christian Warneke das Studierverhalten durch kon-
krete Items abgefragt wurde.
Quelle: Christian Warneke, Euro-FH, Hamburg