09_2013
wirtschaft + weiterbildung
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werden in Kausalzusammenhängen be-
trachtet, analysiert und bearbeitet. Wird
es jedoch komplex, so werden die Wech-
selwirkungen der Elemente im System
in den Vordergrund gerückt. Die hohe
Anforderung dabei ist, dass eigentlich
jede Situation sowohl einfache als auch
komplizierte, komplexe und eventuell
chaotische Anteile hat. Die Flexibilität im
Denken muss also quasi parallel stattfin-
den. Das ist ein wichtiger Punkt auch für
die Gestaltung von zukünftigen Manage-
mentprogrammen, denn hier hilft nur
Training.
3. Alter Zopf:
„Die Experten werden es dann schon
richten“
„Da müssen wir weitere Experten hin-
zuziehen“, dieser Satz kommt vielen
Projektmitarbeitern bekannt vor. Ste-
hen wir vor großen Herausforderungen,
folgt schnell der Ruf nach Experten für
einzelne Fachgebiete. Das ist nicht etwa
falsch, oft leider aber kurzsichtig. Wenn
es sich nicht gerade um Experten für
Komplexität oder Chaos handelt, sind sie
meistens gewohnt, analytisch zu arbeiten
und auf ihr Fachgebiet fokussiert zu blei-
ben. So ist es gewollt, solange sie Kom-
pliziertes wie beispielsweise technische
Systeme betrachten.
Verlangt man aber von einem Experten,
dass er seine Domäne verlässt und in die
Intransparenz und Dynamik der Kom-
plexität einsteigt, kann dies schnell in
die Überforderung führen. Um es an die-
ser Stelle deutlich zu sagen: Nicht jeder
Fachexperte ist als Manager geeignet.
Leider ist, vor allem bei der Besetzung
von Projektmanager-Positionen, die Aus-
wahlstrategie an der Fachexpertise orien-
tiert. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass
eine Organisation in die Expertenfalle
gerät. „Was der Experte nicht weiß, gibt
es nicht.“ Hohes Expertentum kann dazu
führen, dass andere Meinungen oder
neue Kollegen in einem Team nicht ge-
hört werden. Das führt langfristig, neben
der Frustration der Andersdenkenden, zu
sinkender Kreativität.
Für die Führungskräfte komplexer Orga-
nisationen bedeutet das, auf die Team-
zusammensetzung und die Zusammen-
arbeit im Team zu achten. Gleichzeitig
gilt es, den eigenen Umgang mit dem
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