Seite 33 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_09

Basic HTML-Version

09_2013
wirtschaft + weiterbildung
33
die Sinnhaftigkeit eines CLO lässt sich
streiten, die Befragung zeigt jedoch: Un­
ternehmen mit einem CLO erachten sich
im Vergleich mit jenen ohne einen sol­
chen hinsichtlich der Weiterbildung von
Führungskräften als innovativer – bei
einem höheren Zielerfüllungsgrad und
bei besserer Erschließung der Potenziale.
Insgesamt verfügen 17 Prozent der be­
fragten Unternehmen über einen CLO.
Je größer ein Unternehmen ist, desto
höher ist auch die Wahrscheinlichkeit,
dass ein CLO vorhanden ist. In größeren
Unternehmen fallen im Verhältnis na­
turgemäß mehr Aufgaben und auch ein
höherer Koordinationsbedarf an, was die
Einrichtung einer CLO-Stelle begünstigt.
Es dürfte aber eine Dunkelziffer von Per­
sonalverantwortlichen geben, die zwar
die Rolle des CLO ausüben, jedoch einen
anderen Titel tragen.
Interessant ist ein Vergleich über die
Branchen hinweg: Finanzdienstleister
(34 Prozent) und Unternehmen aus der
Konsumgüterindustrie (27 Prozent) set­
zen deutlich häufiger einen CLO ein als
andere Branchen. Ein möglicher Grund
dafür könnte sein, dass diese beiden
Branchen im Vergleich zu den anderen
ausgeprägtere zentrale Funktionen auf­
weisen und globale Prozesse und Stan­
dards durch bereichsübergreifende Insti­
tutionen wie etwa die eines CLO umzu­
setzen versuchen.
Worin bestehen typischerweise die Ver­
antwortlichkeiten des Chief Learning
Officer? Gemäß den befragten Personal­
verantwortlichen koordiniert der CLO am
häufigsten die Umsetzung von Initiativen
(89 Prozent), zudem lanciert er strategi­
sche Initiativen (82 Prozent), evaluiert
Anbieter von Weiterbildungsangeboten
(75 Prozent) und setzt organisationsweite
Standards (73 Prozent). Dass CLO-Profile
oftmals Stabsstellen mit eingeschränkter
formaler Durchsetzungskraft entspre­
chen, zeigen die deutlich niedrigeren
Werte bei der Führung eigener Mitarbei­
ter (58 Prozent) und beim eigenständigen
Treffen von Budgetentscheidungen (48
Prozent).
Die Rolle des CLO scheint insbesondere
dann wirkungsvoll, wenn zentralisierte Or­
ganisationen in Verbindung mit einer breit
abgestützten Lernarchitektur Maßnahmen
der Führungskräfteweiterbildung konzer­
tiert umsetzen. In Anbetracht der Bedeu­
tung der Führungskräfteweiterbildung und
der damit einhergehenden Aufgaben ist
davon auszugehen, dass künftigweitere Fir­
men diese Aufgaben einer Spezialfunktion
wie jener des CLO anvertrauen.
Zukunftstrends
Wie wird sich die Weiterbildung von Füh­
rungskräften in Zukunft entwickeln? Um
diese Zukunftsperspektive zu erfassen,
wurden den Personalverantwortlichen
fünf Dimensionen des Aufgabenfelds vor­
gelegt, welche sie mit Blick auf das Jahr
2016 dahingehend beurteilen sollten, ob
eine abnehmende oder zunehmende Ten­
denz zu erwarten ist. Die Grafik oben auf
dieser Seite zeigt das Resultat: Entlang
aller abgefragten Dimensionen wird eine
signifikante Zunahme erwartet, also bei
der Bandbreite der Aktivitäten (74 Pro­
zent) ebenso wie beim Einsatz interner
Ressourcen (56 Prozent), bei den Ausga­
ben pro Führungskraft (54 Prozent), beim
Einsatz externer Ressourcen (44 Prozent)
und auch bei der Länge der Planungszyk­
len (43 Prozent).
Effizienz als oberstes Unternehmensziel
der Führungskräfteweiterbildung, limi­
tierte Budgets als Dauerherausforderung
und eine vorausgesagte Zunahme der
Ausgaben pro Führungskraft – wie soll
das zusammenpassen? Eine mögliche Er­
klärung: Mehr Weiterbildungsressourcen
werden künftig auf weniger Führungs­
kräfte konzentriert. Das könnte zum Bei­
spiel durch den Abbau von Hierarchien,
die Zentralisierung von Führungsauf­
gaben und eine bewusste Begrenzung
des Weiterbildungsangebots zustande­
kommen. Dies würde die Wertigkeit der
einzelnen Angebote und Maßnahmen
tendenziell erhöhen und damit stärkere
Anreize im Hinblick auf die Mitarbeiter­
bindung schaffen. Vor allem Nachwuchs­
führungskräfte könnten aber zum Opfer
dieser Fokussierung werden, weil sie in
Zukunft vielleicht einen größeren Teil der
Weiterbildungskosten selbst übernehmen
müssten.
Details zur Studie
Die empirischen Daten für den „St. Gallen
Executive Education Survey“ wurden von
März bis Juni 2013 erhoben – in Zusam­
menarbeit mit verschiedenen Fachmaga­
zinen und Personalverbänden. Einbezo­
gen in die webbasierte Studie waren die
Schweiz (44 Prozent), Deutschland (27
Prozent), Österreich (19 Prozent) und we­
nige weitere (zehn Prozent). Insgesamt
bearbeiteten 428 Personalverantwortliche
17 Fragenkreise zur Führungskräftewei­
terbildung.
75 Prozent der Studienteilnehmer sind
global oder international tätige Entschei­
der aus dem Personalbereich mit mehr
als fünfjähriger Erfahrung in ihrer Rolle
und im beurteilten Unternehmen. Die
vollständigen Studienresultate werden
im Herbst 2013 als Report veröffentlicht.
Dieser kann kostenfrei bezogen werden
unter:
Winfried Ruigrok, Axel Thoma
Erwartete Entwicklungen in der
Führungskräfteweiterbildung
Quelle: St. Gallen Executive Education Survey 2013
stark zunehmend/zunehmend
gleichbleibend
abnehmend/stark abnehmend
Bandbreite der Aktivitäten
Einsatz interner Ressourcen
Ausgaben pro Führungskraft
Einsatz externer Ressourcen
Länge der Planungs-Zyklen
0%
25%
50%
75%
100%
Verschiebung.
Die Mehrheit der HR-Entscheider rechnet damit, dass
sich die Entwicklung der Führungskräfte bis 2016 signifikant ändert.