Seite 31 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_09

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09_2013
wirtschaft + weiterbildung
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insbesondere in westlichen, gesättigten
Märkten derzeit wieder häufiger in der
Wirtschaftspresse und Unternehmens­
kommunikation präsent. Andererseits ist
Effizienz in Verbindung mit Liquidität
und Profitabilität ein allgegenwärtiges
Thema auf der Vorstandsebene.
Warum Effizienz dominiert
Es gibt drei mögliche Erklärungsansätze für
die hohe Priorität des Themas Effizienz bei
der Weiterbildung von Führungskräften:
Erstens kann dies als Lehre aus der Finanz­
krise verstandenwerden. NeuesWachstum
soll künftig kontrollierter und effizienter
vonstattengehen – es gilt, mehr mit glei­
chen oder reduziertenMitteln zu erreichen.
Zweitens ist die Ausbildung von Füh­
rungskräften mit Kosten verbunden und
daher wird eine entsprechende Rendite
erwartet. Ein bemerkenswertes Beispiel
für diese Auffassung ist ein Unterneh­
men der Luftfahrtbranche, welches im
Vorlauf jeder Weiterbildungsmaßnahme
deren Gesamtkosten ermittelt, diese den
Teilnehmern darlegt und ihnen dazu die
Vorgabe gibt, aus der Weiterbildung Maß­
nahmen zu entwickeln, deren Mehrwert
die Kosten übersteigen. Drittens bedeutet
Effizienz inzwischen mehr als den Ein­
satz von effizienzfördernden Instrumen­
ten und Prozessen. Viele Unternehmen
haben die naheliegenden technischen
Effizienzpotenziale bereits realisiert. Wei­
tere Effizienzbemühungen hängen nun
von den Mitarbeitern und deren Einstel­
lung, Verhalten und Fähigkeiten ab – und
damit indirekt von Führungskräften, die
Effizienz nicht nur technisch verstehen,
sondern auf der menschlichen Ebene vor­
leben und vermitteln.
Wie dieAbbildung auf Seite 32 zeigt, variiert
die relative Gewichtung der unternehmeri­
schen Ziele in Abhängigkeit von der Fir­
mengröße. Je größer ein Unternehmen ist,
desto stärker nivellieren sich tendenziell die
Ziele, wenngleich Effizienz immer an erster
Stelle steht. Besonders gewinnen Wachs­
tumund organisationale Transformation als
Ziele bei großenUnternehmen an Relevanz.
Bei den individuellen Zielen der Füh­
rungskräfteweiterbildung steht Team­
management an erster Stelle, gefolgt von
Selbstmanagement und Organisations­
management.
Dieses Resultat kann als Indiz dafür gel­
ten, dass die oft beschworene gute Zu­
sammenarbeit in und zwischen Teams
sich in der Praxis meist doch nicht von
selbst einstellt. Ob steile oder flache Hier­
archien – die Komplexität in Organisatio­
nen hat zugenommen. Teams liegen heut­
zutage meist auf der Organisationsebene,
auf der die unternehmensweiten Ziele
sowie die Integration unterschiedlicher
Kompetenzen aufgrund der fortschreiten­
den fachlichen Spezialisierung realisiert
werden sollen. Es ist unter solchen her­
ausfordernden Bedingungen von großer
Bedeutung, ein optimales Führungsver­
ständnis in Teams zu entwickeln.
Aktuelle Herausforderungen
Welche Hürden gilt es bei der Umsetzung
dieser Ziele zu überwinden? Am häu­
figsten werden von den Personalverant­
wortlichen beschränkte Ressourcen als
Hindernis genannt. So berichtete etwa
ein Studienteilnehmer: „Kostenmaßnah­
men auf der Führungsebene waren früher
kein Thema. Heute redimensionieren wir
aktiv die Führungsebene und arbeiten mit
engeren Budgetvorgaben für die Weiter­
bildung.“
Dass mehr Mittel mehr Wirkung erzielen
dürften und Budgets immer größer aus­
fallen könnten, überrascht nicht. Beim
Mitteleinsatz besteht aber offensichtlich
Optimierungspotenzial: Bisher ist die
Abstimmung zwischen verschiedenen
Geschäftseinheiten unzureichend und es
fehlt eine übergreifende Lernarchitektur,
so die Meinung der Befragungsteilneh­
mer. Eine solche Lernarchitektur und eine
bessere Koordination der Weiterbildungs­
maßnahmen würden zu Synergieeffekten
führen und so das Budget entlasten.
Was dagegen überrascht: Am zweithäu­
figsten werden funktional unterschiedli­
che Entwicklungspfade als Hürde ange­
führt. Ein Erklärungsansatz hierzu stellt
auf die in den vergangenen Jahrzehnten
geförderten Fachkarrieren ab. Bereits in
der frühen Phase der Mitarbeiterentwick­
lung erfolgt dabei die fachliche Speziali­
sierung, die sich in den folgenden Jahren
Weiterbildung.
Die Entwicklung
der Führungskräfte wird
zunehmend auf Effizienz getrimmt.