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09_2013
wirtschaft + weiterbildung
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Boyatzis und McKee, dass sich auf dem Barometer einer dis-
sonanten Führungskraft Ärger, Angst, Apathie zeigen – und
Stille. Die Unterscheidung von Dissonanz und Resonanz stützt
sich auch auf die Hirnforschung: In ihren Studien weisen der
Professor und seine Co-Autoren nach, welche Hirnareale bei
den beiden Führungsstilen aktiv sind, so etwa im Artikel „Exa-
mination of the Neural Substrates Aroused in Experience with
Resonant and Dissonant Leaders“ aus dem Jahr 2012.
Boyatzis ist bei seinen Auftritten selbst ein Beispiel dafür, wie
positive emotionale Signale auf andere übergehen: Er lacht
viel, erzählt humorvolle Anekdoten, illustriert seine Theorien
mit praktischen Beispielen und vermittelt auch komplexe Zu-
sammenhänge in einer einfachen, klaren Sprache. Der Funken
springt auch auf der Leadership-Konferenz über, und am La-
chen des Publikums lässt sich messen, dass der Professor und
seine Forschung hier große Resonanz findet. Dabei kann er
aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen: Seit den Sieb-
zigern forscht der 1946 geborene Boyatzis im Bereich Organi-
sationspsychologie, Kompetenzen und emotionale Intelligenz.
Er ist Professor für Organisationsverhalten, Psychologie und
kognitive Wissenschaften an der Case Western Reserve Uni-
versity in Cleveland, Ohio. Wichtige Veröffentlichungen sind
neben „Primal Leadership” auch „The Competent Manager”
und „Resonant Leadership”, das Boyatzis mit Annie McKee ge-
schrieben hat – und „Becoming a Resonant Leader“ mit Annie
McKee und Fran Johnston, die das Teleos Leadership Institute
zusammen mit McKee gegründet hat. Trotz all dieser wissen-
schaftlichen Meriten ist Boyatzis nach eigenen Angaben für
seinen Vater immer noch der Ingenieur mit einem Bachelor
in Aeronautics and Astronautics des Massachusetts Institute
of Technology – das ist der Abschluss, den er zuerst erlangt
hat. Und das, obwohl er heute einen Master und Doktortitel
in Psychologie der Universität Harvard vorweisen kann. Sein
Vater hat anscheinend das Vorurteil verinnerlicht, dass eine
Disziplin, die sich mit Emotionen beschäftigt, keine richtige
Wissenschaft ist.
Stresshormone halten stundenlang an
Doch gute Führung bedeute nicht, ausschließlich mit Emoti-
onen zu arbeiten, warnt Boyatzis. Eine Führungskraft, die nur
Gefühle in das Zentrum ihres Handelns stellt, werde das Un-
ternehmen zum Implodieren bringen. Sie brauche vielmehr
ein Gleichgewicht zwischen emotionaler und kognitiver Intelli-
genz. Ein guter, da resonanter Chef kann blitzschnell zwischen
den dafür verantwortlichen Hirnarealen hin und her wechseln
– je nachdem, was die Situation von ihm erfordert. So haben
es Daniel Goleman, Richard Boyatzis und Annie McKee schon
in ihrem internationalen Bestseller „Primal Leadership“ be-
schrieben. In Deutschland konnte das Buch allerdings seinen
Vorbild.
Richard Boyatzis
lacht viel, kommuniziert
klar und spricht Emoti-
onen an
ganz so wie
sein „Resonant Leader“.
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