Seite 14 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_09

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14
wirtschaft + weiterbildung
09_2013
Der resonante
Professor
Porträt.
Er lebt, was er predigt: Der US-amerikanische
Psychologe und Gehirnforscher Richard Boyatzis zeigt sich
bei seinen Auftritten als das empathische Vorbild, das er in
seiner Forschung propagiert. Auf der Leadership-Konferenz
der Hay Group hat er vorgeführt, wie Führungskräfte mit
positiver emotionaler Resonanz das Beste aus ihrem Team
herausholen können.
Auftritt Boyatzis: Er kommt beschwingt auf die Bühne, dreht
Aretha Franklin laut auf und läuft gut gelaunt klatschend zwi-
schen den Reihen seines Publikums auf und ab. „Die Musik der
Führung sind Emotionen!“, das ist die Botschaft von Professor
Richard Boyatzis aus den USA. Seit Jahrzehnten erforscht er
emotionale Intelligenz (EI) sowohl durch die Brille des Hirnfor-
schers als auch des Managementtheoretikers. Der EI-Experte
Daniel Goleman ist sein Weggefährte. Gute Führung gelingt in
Boyatzis‘ Universum durch Begeisterung und positive emotio-
nale Ansprache. Mit Emotionen stimmt der Professor auch auf
das Thema seines Vortrags auf der Leadership-Konferenz der
Hay Group am 7. Juni in Frankfurt ein: „Wie gelingt gute Füh-
rung im globalen und virtuellen Kontext?“. Gleich zu Beginn
bekommen die Konferenzteilnehmer deshalb eine Aufgabe. Sie
sollen in Stillarbeit zwei Führungskräfte identifizieren, davon
eine, die sie nachhaltig beeinflusst hat, und eine, ohne die ihr
Unternehmen besser dran wäre. Anschließend werden die At-
tribute dieser verschiedenen Persönlichkeiten auszugsweise
im Plenum verlesen: Humor- und verständnisvoll ist die gute
Führungspersönlichkeit, sie fördert ihre Mitarbeiter, hört ihnen
zu und nimmt sie ernst. Der schlechte Chef stellt Mitarbeiter
bloß, arbeitet mit Druck und Angst, und er stellt Ergebnisse
statt Menschen in den Vordergrund. Die Konferenzteilnehmer
lachen bei jedem neuen Attribut: Diese Typen scheinen ihnen
bekannt vorzukommen. Wie von selbst ergeben sich dabei die
Eigenschaften der Führungstypen, die Boyatzis als „dissonant“
und „resonant“ bezeichnet. Gute Führung ist seiner Theorie
zufolge resonant, sie klingt emotional in den Teammitgliedern
an. Eine resonante Führungspersönlichkeit vermittelt eine Vi-
sion, arbeitet mit Empathie und inspiriert andere, indem sie Re-
sonanz schafft und aufrechterhält – die gleiche Methodik, die
Boyatzis auch bei seinem Publikum anwendet. Die dissonante
Führungskraft schafft das Gegenteil von Harmonie: Sie verur-
sacht im zwischenmenschlichen Bereich unangenehme Töne.
Resonanz macht die Führungsmusik
In Teams bewirkt ein dissonanter Führungsstil emotionale
Uneinigkeit, während die resonante Führungskraft mit ihrer
Motivation das anschlägt, was Boyatzis als „Führungsmusik“
propagiert. Eine gute Führungskraft kann ihre Resonanz zum
Beispiel im Lachen ihrer Mitarbeiter messen – so beschreiben
es Boyatzis und seine Kollegen in „Primal Leadership“. Co-
Autoren des 2001 erschienen Werks sind Annie McKee, Dok-
torin für Organisationsverhalten, Mitbegründerin des Teleos
Leadership Institute und Dozentin an der Graduate School of
Education University of Pennsylvania, und Daniel Goleman.
Goleman ist wie Boyatzis ein anerkannter Psychologe, Gehirn-
forscher und Autor mehrerer Bücher zum Thema „Emotionale
Intelligenz“. In „Primal Leadership“ beschreiben Goleman,
Foto: Agentur Royce Carlton