02_2013
wirtschaft + weiterbildung
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raum zu schaffen. Es geht also um die
Balance zwischen dem Einfordern von
Risikobereitschaft und der Absicherung,
sich nicht zu blamieren. Alles bisher Ge
nannte dient dieser Balance: die Mög
lichkeit des genussvollen Scheiterns mit
ganz viel Spaß, der fließende Übergang in
diese Methode, die Klarheit des Ablaufs.
Zudem lässt sich auch durch die konkrete
Vorgehensweise, also das Übungsdesign,
ein größerer Schutzraum kreieren, als
wenn die Spieler auf der Bühne vor den
Augen aller „einfach mal loslegen.“ Hier
helfen Kleingruppen, die zeitgleich Ge
spräche üben.
Zum Beispiel beim „ABC-Training“ mit
einem Hauptakteur, einem Gegenspie
ler und einem Beobachter. Diese Rollen
werden durchgewechselt. Es gibt jedoch
viele Gründe, die dafür sprechen, dass ein
Trainer die Aktivitäten aller Teilnehmer
erlebt und seine Rückmeldung zu jedem
Rollenspiel gibt. In diesen Fällen ist ein
Spiel vor der Gruppe unvermeidlich. Aber
auch dabei kann der Schutzraum vergrö
ßert werden. So werden beim „Jeux de
Souffleur“ die Zuschauer zu Helfern.
Der Hauptakteur führt sein Gespräch
mit einem Gegenspieler vor der Gruppe
durch. Zum Beispiel befindet er sich als
Führungskraft in einem Mitarbeiterge
spräch, in dem das Gehalt verhandelt
wird. Die Gesprächsziele des Teilnehmers
sind für die Gruppe transparent. In die
sem Fall soll die Gehaltserhöhung nicht
erfolgen, der Mitarbeiter soll gleichzeitig
nach dem Gespräch bereit sein, an seiner
Zuverlässigkeit zu arbeiten.
Der Hauptakteur, der die Führungskraft
rolle einnimmt, bekommt die Aufgabe,
das Gespräch so lange zu führen, wie er
sich entspannt und sicher fühlt. Sobald
sich das ändert (egal ob nach 30 Se
kunden oder drei Minuten), hebt er ein
vorher bestimmtes Utensil hoch (zum
Beispiel eine Gabel). In diesem Moment
friert die Szene ein (Spieler und Gegen
spieler bleiben in der gerade eingenom
menen Haltung und warten ab) und
die restliche Gruppe ist gefragt. Die zu
schauenden Teilnehmer haben jetzt die
Aufgabe, wie Souffleure konkrete Sätze
zu formulieren, die sie in der Rolle des
Hauptakteurs nutzen würden. Sie spre
chen also nicht über die Situation („Also
ich würde jetzt an Deiner Stelle ...“), son
dern als der Hauptakteur („Ich finde es
gut, dass Sie aktiv nach einer Gehaltser
höhung fragen.“). Der eigentliche Haupt
akteur hört den Souffleuren so lange zu,
bis er einen Satz gut findet. Dann senkt
er die Gabel und setzt mit diesem Satz
das Gespräch fort. Bis zur nächsten Un
sicherheit, bei der er die Gabel einfach
wieder hebt. Neben der Entlastung für
den Hauptakteur hat dieses Vorgehen den
Vorteil, dass die restliche Gruppe beson
ders intensiv am Geschehen beteiligt ist.
Meist sind die Souffleure regelrecht ent
täuscht, wenn sich der Hauptakteur zu
lange wohl fühlt und ihre Dienste nicht in
Anspruch nimmt.
Ein weiterer wirkungsvoller Weg heißt
„zwei Stützen“, die dem Hauptakteur
an die Seite gesetzt werden. Das heißt,
rechts und links hinter dem Hauptspie
ler sind zwei von ihm ausgewählte an
dere Teilnehmer platziert. Wenn er nicht
weiterkommt, hat er die Möglichkeit, das
Spiel zu unterbrechen und diese Helfer
zu befragen, was sie ihm raten. Die Un
terredung findet unter Ausschluss des
Publikums statt und der Hauptakteur
entscheidet nach dem kurzen Austausch,
Wie Schauspieler,
die
am Filmset in eine Rolle
schlüpfen, so spielen
auch Seminarteilnehmer
in Rollenspielen eine
fremde „Rolle“ – mit
beachtlichen Lernerfol-
gen, wenn das Setting
stimmt.