Seite 40 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_11-12

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training und coaching
40
wirtschaft + weiterbildung
11/12_2013
2.
die persönlichen Ebene (wozu die ge-
samte Person inklusive ihrer Bedürf-
nisse, Emotionen, Haltungen und Fä-
higkeiten gehört)
3.
die soziale Ebene (da jeder Konflikt
in einem sozialen Kontext stattfindet,
wozu natürlich auch der Konfliktpart-
ner zu rechnen ist).
Im Rahmen der ausführlichen Betrach-
tung der drei Ebenen zwischen Klient
und Coach wird sicherlich schon das ein
oder andere Übungsfeld für eine Steige-
rung der persönlichen Konfliktkompeten-
zen deutlich werden. Bevor geübt wird,
empfiehlt es sich, die Themenfelder zur
Steigerung der Konfliktkompetenz noch
systematischer zu erfassen. Dazu kann
man das Conflict Dynamics Profile (CDP)
nutzen. Es wurde vom Eckerd College
(Florida, USA) entwickelt. Das Alleinstel-
lungsmerkmal dieser Methode ist (neben
seiner wissenschaftlichen Fundierung),
dass der Fokus auf das Konfliktverhalten
gerichtet wird und nicht auf Persönlich-
keitsanteile oder Konfliktstile oder das
Managen von Emotionen. Der Fokus auf
konkretes Konfliktverhalten ermöglicht
es dem Nutzer auf der Verhaltensebene
an seiner Konfliktkompetenz zu arbeiten.
Das Tool liegt sowohl in einer Fassung für
Einzelpersonen (CDP Individual) als auch
als 360-Grad-Feedback-Version (CDP 360)
vor.
Ausgangspunkt für die Entwicklung des
Tools ist die Beobachtung, dass Konflikte
an sich unvermeidbar sind. Diese Tatsa-
che ist erst einmal noch nicht bedrohlich,
da Konflikte auch wichtige Katalysatoren
für Fortschritte aller Art sind. Leider wer-
den viele Konflikte vermieden, da sie mit
negativen Emotionen verbunden sind.
Oder sie werden wenig effektiv geführt,
was zu enormen Kosten für die Unterneh-
men führen kann. Die Erkenntnis von vie-
len Konfliktforschern ist, dass Konflikte
sich zwar nicht vermeiden lassen, ein Un-
ternehmen es aber sehr wohl beeinflus-
sen kann, ob Konflikte destruktiv oder
konstruktiv verlaufen. Genau hier setzen
die Forscher des Center for Conflict Dyna-
mics am Eckerd College an, die genau 15
typische Konfliktverhaltensweisen identi-
fiziert haben, die eine zentrale Rolle im
Umgang mit Auseinandersetzungen spie-
len. Diese Verhaltensweisen lassen sich in
zwei Dimensionen unterteilen: konstruk-
tive versus destruktive Verhaltensweisen
und aktive versus passive Verhaltenswei-
sen. Damit erhalten wir vier typische Fel-
der in einem Vier-Quadranten-Schema:
1. Aktiv-konstruktive Verhaltensweisen
im Konflikt
Aktiv-konstruktive Verhaltensweisen
zeichnen sich dadurch aus, dass jemand
mit einer wahrnehmbaren Anstrengung
auf einen Konflikt oder eine Provokation
reagiert. Ein solches Verhalten beeinflusst
den weiteren Verlauf eines Konflikts posi-
tiv in Richtung Lösung in der Sache. Bei-
spiele hierfür sind „Perspektive einneh-
men“ und „den ersten Schritt machen“.
2. Passiv-konstruktive Verhaltens-
weisen
Passiv-konstruktive Verhaltensweisen er-
kennt man daran, dass jemand auf das
auslösende Moment eines Konflikts we-
niger aktiv reagiert. Tatsächlich zeichnen
sich einige passive Verhaltensweisen ge-
rade dadurch aus, dass sich die Person
bewusst gegen eine aktive Handlungs-
weise entscheidet. Beispiele hierfür sind
„verzögertes Antworten“ und „flexibles
Anpassen“.
3. Aktiv-destruktive Verhaltensweisen
Aktiv-destruktive Verhaltensweisen
zeichnen sich dadurch aus, dass jemand
mit einer offenen Handlungsweise auf
einen Konflikt oder eine Provokation re-
R
Jörg Middendorf,
Di p l om- Psycho -
loge und MSc. in
Psychology, leitet
das auf die The-
men Coaching, Konflikt und Teament-
wicklung spezialisierte BCO Büro für
Coaching und Organisationsberatung
in Frechen bei Köln. Berufserfahrung
sammelte er zuvor als Psychologe im
Personalwesen der Bayer AG und als
interner Coach bei McKinsey & Com-
pany. Er ist bekannt als Buchautor,
Organisator der jährlichen „Coaching-
Umfrage Deutschland“ und Online-
Coach beim Internetportal MWonline.
BCO Büro für Coaching
Jörg Middendorf,
Tel. 02234 9335191
AUTOR
Lizenz.
In den USA gilt der CDP mit über 2.000 zertifizier-
ten Coachs als etabliertes Tool. In Europa wird die lizen-
sierte CDP-Methode seit 2011 durch den europäischen
Lizenzinhaber „Institute for Conflict Dynamics GmbH“
verbreitet. International zertifizierte „Conflict Competent
Coachs“ in Deutschland sind:
1.
BCO Büro für Coaching und Organisationsberatung in
Hier kann man sich im Umgang mit dem CDP-Tool ausbil-
den lassen. Diese Ausbildung richtet sich insbesondere
an Berater, Coachs, Trainer, HR Professionals, Compliance
Officer oder Rechtsanwälte. Die Zusatzqualifikation ist
interessant, um mit dieser Methode das eigene Profil zu
schärfen und um das „Conflict Dynamics Profile“ entgelt-
lich einsetzen zu dürfen.
Ausbildung in Köln und Berlin