Seite 39 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_11-12

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11/12_2013
wirtschaft + weiterbildung
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geschlossen werden müssen, wie die
Fähigkeit zum „aktiven Zuhören“ oder
dem Formulieren eigener Bedürfnisse.
Trainer wissen allerdings auch, dass Wis-
sen und Fähigkeiten in der Regel noch
nicht ausreichen, um Konfliktkompetenz
zu haben. Neben dem Wissen und den
Fähigkeiten gehört auch noch der selbst-
reflektierte Umgang mit sich, seinen An-
teilen im Konflikt und mit seinen Zielen
dazu.
An dieser Stelle greift dann wieder das
klassische Coaching sehr gut, welches
Themen der Selbstreflexion im Fokus
hat. Aber es ist auch wichtig, Elemente
aus der Mediation in den Prozess zu in-
tegrieren. Was kann ein Ansatz, der auf
die Vermittlung zwischen Parteien aus-
gerichtet ist, einem personenorientierten
Beratungsansatz hinzufügen? Es ist die
Haltung und das Prozesswissen der Medi-
ation – das Verständnis, dass zu einer ge-
meinsamen Konfliktlösung Freiwilligkeit,
Eigenverantwortlichkeit, Informiertheit,
Offenheit und Vertraulichkeit dazugehö-
ren. Wir können hier nicht auf die Defi-
nition und Bedeutung einer jeden dieser
Mediationsvoraussetzungen eingehen.
An dieser Stelle soll der Hinweis genü-
gen, dass durch die Klärung jeder dieser
Punkte ein vertieftes Verständnis für die
Rahmenbedingungen und den Prozess
der Konfliktklärung beim Klienten ge-
schaffen werden kann.
Der Ablauf des „Conflict
Management Coaching“
Wie bei jedem Coaching, so wird auch im
CMC am Anfang ein Ziel und ein Rahmen
für die Zusammenarbeit definiert. Im
zweiten Schritt wird der vorliegende Kon-
flikt auf den drei grundsätzlichen Ebenen
jedes zwischenmenschlichen Konflikts
besprochen:
1.
die sachliche Ebene (das heißt in
Bezug auf die zugrunde liegende Un-
vereinbarkeit von Zielen, Interessen,
Bedürfnissen, Vorgehensweisen … von
zwei Parteien)
Nützlich kann dabei ein neuer Konflikt-
Coaching-Ansatz aus den USA sein. Er
nennt sich „Conflict Management Coa-
ching“ (CMC) und will gezielt und sys-
tematisch die Handlungskompetenz des
Coaching-Klienten zur eigenständigen
Konfliktklärung stärken. Dabei löst sich
das CMC bewusst von einer Coaching-
Philosophie, die alle Lösungen aus-
schließlich im Klienten selbst finden
möchte. Vielmehr werden explizit An-
sätze und Inhalte aus dem klassischen
Konfliktmanagementtraining, der Medi-
ation und dem Coaching vereint, damit
der Klient in seiner Konfliktkompetenz
gesteigert wird.
Im Einzelnen bedeutet dies, dass bei
Bedarf auch das geübt wird, was bisher
nicht im Fähigkeitsbereich des Klienten
liegt. Das können Wissenslücken sein
(„Was ist ein Konflikt?“, „Wie entwickelt
er sich?“, „Wie sieht eine klassische Ge-
sprächsstruktur für Konfliktklärungen
aus?“). Es können aber natürlich auch
Fähigkeitslücken sein, die zuerst einmal
Aktiv.
Sich konstruktiv zu
streiten, führt zu tragfähi-
gen Lösungen. Bedingung
ist allerdings, dass jeder
die Position des anderen
versteht. Diese Fähigkeit
kann man trainieren.