Seite 29 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_11-12

Basic HTML-Version

'HU ,GHHQPDUNW IU 7UDLQHU &RDFKHV :HLWHUELOGQHU
)UHLWDJ 0lU]
XQG RGHU
6DPVWDJ 0lU]
ZZZ WUDLQHU NRQJUHVV EHUOLQ GH
:RUNVKRSWKHPHQ
$XVVWHOOHU
7HLOQHKPHQGH
nung erfahren. Und es geht auch um die
emotionale Seite der Führungsaufgabe.
Ein Gedankenexperiment
Die Führungskräfte wurden zum Beispiel
aufgefordert, in Gedanken dieses kleine
Experiment durchzuspielen: „Stellen Sie
sich vor, Sie sind einer Ihrer Mitarbeiter
und es ist Sonntagabend. Sie haben ge-
rade mit Ihrer Familie zu Abend geges-
sen. Sie hatten ein schönes, erholsames
Wochenende und nun denken Sie an
Montag, an Ihren nächsten Arbeitstag
und an Ihren Chef. Das sind ja jetzt Sie
selbst, weil Sie gerade die Perspektive des
Mitarbeiters eingenommen haben.
Was denken Sie über die Begegnung mit
Ihrem Chef am kommenden Montag?
Und vor allen Dingen, wie fühlen Sie sich
dabei? Freuen Sie sich darauf? Ist Ihr Ge-
fühl eher neutral? Oder fühlen Sie sich
eher unbehaglich bei der Vorstellung,
ein bestimmtes Thema mit ihm zu be-
sprechen?“ Das Führungsverhalten einer
Führungskraft kann in Bezug auf einen
Mitarbeiter wie eine Kraftquelle wirken
oder eben auch als zusätzliche Belastung.
In den Workshops, an denen sowohl
weibliche als auch männliche Führungs-
kräfte teilnahmen, habe ich als Trainerin
die Erfahrung gemacht, dass die meisten
Führungskräfte dem Thema mit Offenheit
und Engagement begegnet sind – eini-
gen fiel es vielleicht etwas schwerer, sich
dem Thema zu nähern. Und es gab eine
besonders amüsante Situation in einem
Workshop. Der Teilnehmerkreis bestand
hier zufälligerweise ausschließlich aus
männlichen Führungskräften und meine
Anmoderation zum Thema „Emotionen
und psychische Gesundheit“ klang so:
„Meine Herren, nun müssen Sie stark
sein, denn ich möchte mit Ihnen über
Gefühle sprechen! Über Ihre Gefühle!“
Ein Teilnehmer antwortete scherzhaft:
„Das ist wirklich hart. Erstens sprechen
Männer nicht gerne über Gefühle und
nun sollen wir auch noch mit anderen
Männern über Gefühle sprechen.“ Das
Feedback der Teilnehmenden war trotz
des Ausflugs auf die Gefühlsebene über-
wiegend positiv. Für viele Führungskräfte
waren die Workshops eine wertschät-
zende Maßnahme. Auch die Tatsache,
dass West-Lotto seinen Führungskräf-
ten die Möglichkeit gibt, sich im ersten
Schritt mit der eigenen psychischen Ge-
sundheit im Beruf auseinanderzusetzen,
hat ein positives Echo ausgelöst.
Chefs fühlen sich sicherer
Eine Führungskraft aus dem Teilnehmer-
kreis äußerte sich mit den Worten: „Es ist
super, dass wir im Rahmen einer Fortbil-
dung die Gelegenheit haben, über unsere
eigene Gesundheit im Job nachzudenken.
Meistens geht es doch bei Fortbildungen
für Führungskräfte um unsere Mitarbei-
ter, jetzt sind wir auch mal dran.“
Heidrun Vössing