Seite 15 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_11-12

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11/12_2013
wirtschaft + weiterbildung
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Ihre „Anstiftung, das zu tun, was wirklich zählt“ (Buchunter-
titel) läuft aber schon auf die Empfehlung hinaus, sich selbst-
ständig zu machen?
Förster:
Nicht notwendigerweise. Es gibt Führungskräfte, die
Karriere machen wollen – aber nicht wegen des Geldes, son-
dern um die Macht zu haben, ihre Organisation zum Positiven
zu verändern. Davor ziehe ich meinen Hut. Es würde unserer
Gesellschaft viel besser gehen, wenn wir mehr solche Füh-
rungskräfte hätten.
Was ist denn nun der Sinn Ihres Lebens?
Förster:
Ich arbeite jeden Tag daran, die beste Version meiner
selbst zu werden. Ich versuche immer ein Stückchen mehr für
mich zu klären, wer ich bin und was meine Essenz ist. Seit
ich sehr bei mir selbst bin, sagt man von mir, dass ich andere
Menschen gut erreichen könne. Authentische Typen schaffen
es, in anderen Menschen etwas zu verändern – aber das heißt
noch lange nicht, dass diese Typen von allen gemocht werden.
Aber grundsätzlich gilt: Je näher Sie bei sich selbst sind, desto
besser klappt es mit dem Erfolg. Das sehen Sie bei großen
Künstlern genauso wie bei erfolgreichen Ingenieuren oder bei
kreativen Marketingexperten.
Sie bezeichnen sich als Querdenkerin. Wie äußert sich das?
Förster:
Wenn ich mein Leben mit dem Leben der Mehrheit
vergleiche, dann sehe ich sehr wenig Übereinstimmung. Quer-
denker sein heißt nicht, mit einer verrückten Brille und schril-
len Klamotten auf die Bühne zu gehen. Querdenken bedeutet
für mich, quer zum Mainstream zu stehen. Ich vermeide es
zum Beispiel, mehr als 60 Vorträge im Jahr zu halten. Damit
stehe ich konträr zum Speaker Business, wo viele Redner ihr
Selbstwertgefühl und ihre Motivation aus der Zahl der Auftritte
ableiten. Das interessiert mich überhaupt nicht. Was mich hin-
gegen interessiert, ist Qualität statt Quantität und die Freiheit,
Nein zu sagen.
Man darf bei einer solchen Einstellung natürlich keine Angst
haben, dass man im nächsten Jahr nicht mehr gebucht wird ...
Förster:
Nun ja, ganz so schlimm ist es nicht. Ich lebe seit über
zwölf Jahren im Speaker Business hervorragend damit. Furcht
ist ohnehin ein sehr schlechter Antreiber. Die Angst davor, was
in einem Jahr sein wird, verhindert, dass man jetzt gut ist.
Manchmal treten Sie auch zusammen mit Ihrem Mann auf,
um einen Vortrag zu halten. Das sieht sehr harmonisch und
geradezu synchron aus. Wie gelingt Ihnen das?
Förster:
Die Übungen des Improvisationstheaters waren eine
große Hilfe für uns gewesen. Und man braucht gegenseitige
Achtung und eine wohlwollende Aufmerksamkeit füreinander.
Interview: Martin Pichler
Autoren-Duo.
„Hört auf zu
arbeiten!“ heißt der aktuelle
Bestseller aus der Feder von
Förster/Kreuz. Ihr Buch „Alles,
außer gewöhnlich“ wurde zum
„Wirtschaftsbuch des Jahres
2007“ gewählt.