Seite 50 - wirtschaft_und_weiterbildung_11_12_2011

Basic HTML-Version

50
wirtschaft + weiterbildung
11/12_2011
special
mba
Vertrieb eingestellt, die die Erstkontakte
mit Unternehmen aufbaut. Ein weiteres
Standbein, das ausgebaut werden soll,
ist das Senior-Management-Coaching.
„Topmanager gehen nicht in offene Semi-
nare, wollen aber oftmals Weiterbildung
in denselben Themen“, so der GGS-Prä-
sident. Für sie gebe es ein individuell ge-
schnürtes Paket, zu dem der Besuch von
einzelnen MBA-Modulen ebenso gehören
kann wie Einzelgespräche zu bestimmten
Themen. Dabei arbeite man auch mit ex-
ternen Coachs als Netzwerkpartnern zu-
sammen. Das Coaching ziehe sich in der
Regel über sechs bis sieben Monate und
kostet 20.000 Euro. Derzeit nutzten vier
Geschäftsführer aus der Region das Ange-
bot. „Der Markt der Executive Education
kommt, aber langsam“, glaubt Zupancic.
Ein Vorbild ist die Mannheim
Business School
So gebe es bei den Unternehmen oft noch
Erklärungsbedarf. „Viele Firmen können
sich überhaupt noch nicht vorstellen,
dass eine Hochschule hochkarätige Wei-
terbildung für Führungskräfte macht“,
so der GGS-Präsident, und viele Hoch-
schulen hätten sich der Herausforderung
noch gar nicht gestellt. „Man muss Exe-
cutive Education erst einmal als wichtiges
Thema identifizieren, und dann braucht
man Mitarbeiter, die es gezielt vorantrei-
ben“, sagt Andreas Pinkwart, seit April
Rektor der Handelshochschule Leipzig.
Ohne serviceorientiertes Denken und
privatwirtschaftlich gestaltete Mechanis-
men funktioniere das nicht. „Da bedarf
es auch einer entsprechenden Organisati-
onsstruktur“, so Pinkwart.
Vorbild könnte hier die Mannheim Busi-
ness School sein. Die Business School der
staatlichen Universität ist eine gemein-
nützige GmbH, die zu drei Vierteln einer
Stiftung gehört, der alle Professoren der
BWL-Fakultät angehören, und zu einem
Viertel der Universität. Die gGmbH hat 30
Mitarbeiter, die vor allem die Programme
organisieren und vermarkten. Sie bezahlt
unter anderem die Kosten für die Infra-
struktur, die Gehälter der Mitarbeiter mit
variablen Anteilen und verhandelt Ver-
träge mit Dozenten und Dienstleistern.
Die akademische Verantwortung trägt
die Fakultät. Die Professoren erhalten für
Lehrveranstaltungen ein Honorar. Doch
Schwachstelle sind oft auch die Profes-
soren selbst. Schließlich werden sie an
ihren wissenschaftlichen Publikationen
und nicht an ihrer Tätigkeit in der Weiter-
bildung gemessen. Dazu kommt die hohe
Lehrbelastung. „Deutsche Professoren
haben 16 Semesterwochenstunden Lehr-
deputat. Das ist mindestens das Doppelte
wie in den USA“, sagt WHU-Direktor
Lutz Kaufmann. Natürlich könne man
nicht jeden Professor zwingen, auch im
Weiterbildungsbereich aktiv zu sein, sagt
Professor Dirk Zupancic, Präsident der
GGS. Deshalb biete man ihnen ein zu-
sätzliches Anreizsystem. So bekommen
die Professoren für ihren Einsatz in der
Weiterbildung ein Honorar, das sie sich
aber auch für ihr Forschungsbudget gut-
schreiben lassen können. Dazu kommt,
dass längst nicht jeder Professor auch für
den Einsatz in der Executive Education
geeignet ist. Managerweiterbildung erfor-
dere eine andere Form der Didaktik, er-
klärt HHL-Rektor Pinkwart. „Erwachsene
wollen nicht belehrt werden. Die wollen
sich selbst einbringen.“
Dabei müsse der Professor eine moderie-
rende Position einnehmen und auch kri-
tische Fragen aushalten können. „Manche
Professoren haben Angst, vor der Ziel-
gruppe nicht bestehen zu können“, glaubt
Hanspeter Vietz, Executive Director MBA
und stellvertretender Leiter des Zentrums
für Weiterbildung und Wissenstransfer
(ZWW) an der Universität Augsburg.
„Zur Entwicklung von Managern braucht
man Lust, Motivation, und man muss
auch für sich selbst einen Gewinn darin
sehen.“ Schließlich könnten die Profes-
soren dabei auch viel für ihre Forschung
und die grundständige Lehre lernen. Mit
dem ZWW hat die Universität seit Lan-
gem ein eigenes Weitebildungsinstitut,
das der Hochschulleitung unterstellt ist
und zum Beispiel auch die Weiterbildung
für die gesamte Uni anbietet. Als Premi-
umangebot ist hier der berufsbegleitende
MBA angesiedelt, der in Zusammenarbeit
mit der wirtschaftswissenschaftlichen
Fakultät durchgeführt wird. Der überwie-
gende Teil der deutschsprachigen Ange-
bote entspricht jedoch eher den Kursen
nicht universitärer Weiterbildungsanbie-
ter. Rund 30 Prozent würde Vietz derzeit
im Bereich Executive Education ansie-
deln. Tendenz steigend. Themen dabei
sind unter anderem Leadership und das
Hinterfragen der eigenen Rolle sowie der
Erwerb von Coaching-Fähigkeiten für die
eigene Führungsaufgabe.
Deutsche Manager zieht es
eher ins Ausland
Auch an der Frankfurt School of Finance
& Management haben Weiterbildungsan-
gebote vor allem im Finanzbereich schon
eine lange Tradition. So gibt es ein um-
fangreiches Programm-Portfolio. „Wir
bemühen uns, stets auch aktuelle Trends
und Themen abzudecken und dazu spezi-
fische Programme zu entwickeln“, erklärt
Sonja Thiemann, Leiterin Competence-
Center-Management, Leadership & Strate-
gie. Dazu gehören Mentorenprogramme,
Talentmanagement und demografischer
Wandel. „Wir setzen auf den Ansatz des
Action Learnings, bei dem die Anliegen
der Teilnehmer im Zentrum stehen, an-
hand derer dann die Theorie vermittelt
wird“, so Thiemann. Für alle Seminare
bietet man eine 90-minütige Standortbe-
stimmung mit einem Coach an. Stärker
ausbauen will man Angebote zum Busi-
ness Development. Darunter versteht
R
Foto: Mario Vedder/ddp
Uni Mannheim:
Angesehene MBA-Schmiede in barockem Stadtschloss.