Seite 49 - wirtschaft_und_weiterbildung_11_12_2011

Basic HTML-Version

11/12_2011
wirtschaft + weiterbildung
49
In Deutschland fehlten dagegen lange
entsprechende Angebote. Zwar pflegten
einzelne Professoren enge Kontakte zu
den Unternehmen und traten als Do-
zenten bei Weiterbildungsinstituten auf,
die Hochschulen selbst verfügten jedoch
nicht über eigene Weiterbildungsabtei-
lungen. Für die ausländischen Business
Schools war das eine komfortable Situ-
ation. Wenn es um hochkarätige Mana-
gerweiterbildung geht, dann zieht es
deutsche Führungskräfte noch immer an
internationale Schulen wie das Insead bei
Paris, das IMD in Lausanne oder eine der
führenden britischen Schulen. „Nach wie
vor befasst sich gerade mal eine Handvoll
deutscher Hochschulen intensiv mit dem
Thema“, beobachtet Carsten Schaefer,
Personalberater bei der 3C Career Con-
sulting Company in München, der sich
unter anderem auf den Bereich Executive
Education spezialisiert hat. Dabei sei der
Bedarf, Manager zielgerichtet weiterzubil-
den, in den Unternehmen enorm.
Die WHU hat es geschafft
Die deutschen Schulen müssen sich erst
einmal eine Reputation im gehobenen
Management aufbauen. In der Regel ver-
schafft man sich diese über ein gutes,
klassisches MBA-Programm. Vor allem
gute Executive-MBA-Programme, die
sich an erfahrene Manager richten, gel-
ten als Signal dafür, dass eine Schule die
Bedürfnisse der Manager kennt. Gleich-
zeitig werden über die Teilnehmer Kon-
takte zu Unternehmen aufgebaut und
diese schicken ihre Manager dann häufig
auch zu kürzeren Kursen ohne akade-
mischen Abschluss. So hat es auch die
WHU geschafft. Bereits 1997 (und damit
wohl als die Ersten in Deutschland) bietet
die private Hochschule einen Executive-
MBA, zusammen mit der renommierten
Kellogg School of Management in den
USA an, die im letzten Ranking der Fi-
nancial Times sogar Platz 14 weltweit er-
reichte. WHU-Direktor Kaufmann nennt
folgende wichtige Schritte, die die WHU
gegangen ist: Zunächst habe man inter-
nationale Markenunternehmen wie 3M,
L`Oreal und Renault gewonnen und dort
die Führungskräfte für Europa geschult.
Mit diesen Referenzen schaffte es die
Schule dann in die obere Führungsebene
und arbeitete mit dem Topmanagement
langfristig an den Themen Strategie und
Unternehmensentwicklung. Zudem habe
man sich beim MAN-Programm mit Ox-
ford einen renommierten Partner geholt
und nicht nur vom Know-how, sondern
vor allem auch von der Reputation Ox-
fords profitiert. Ab 2012 will die WHU
mit offenen Zertifikatsprogrammen auf
Deutsch und Englisch starten. Geplante
Themen sind „Strategy Implementation”,
„Financial Literacy” oder „Enterpreneu-
rial Family Businesses”.
Der „offene“ Markt gilt als
schwierig
Dabei gilt gerade der Markt für offene
Seminare als schwierig. „Der Markt
ist übersättigt mit Standardprogram-
men, oftmals mit einer relativ geringen
Marge“, erklärt Personalberater Schaefer.
Hochschulen müssten sich daher genau
überlegen, wo ihre Nische sein könnte.
So hat sich die Goethe Business School
(GBS) an der Universität Frankfurt bereits
wieder von den offenen Kursen verab-
schiedet. „Das war ein Testballon und
der ist gescheitert“, sagt Hackethal. Als
öffentliche Hochschule sei man einfach
nicht auf dem Radar der Unternehmen
und Teilnehmer. Künftig will man sich
daher noch mehr auf maßgeschneiderte
Weiterbildungsangebote konzentrieren.
Ein Schwerpunkt dabei ist die Arbeit mit
chinesischen Finanzinstituten. Bereits
seit drei Jahren schickt die China Deve-
lopment Bank (CDB) ihre Führungskräfte
zum Leadership-Training nach Frankfurt.
Auch mit der Deutschen Gesellschaft für
internationale Zusammenarbeit (GIZ)
bietet man bereits Seminare für Banken
und Regionalförderungen in China an.
Aufgrund der Multiplikatorenwirkung
der CDB wachse das Angebot quasi von
selbst, freut sich Hackethal. Dank einer
neuen mit 21 Millionen Euro dotierten
Stiftung sollen Forschung und Weiterbil-
dung am House of Finance der Goethe
Universität, zu dem auch die Business
School gehört, weiter ausgebaut werden.
Dabei muss sich die Schule auf Wunsch
des Kuratoriums allerdings stärker auf
die Topebene im Finanzbereich wie Auf-
sichtsräte, Finanzaufseher und Zentral-
banken konzentrieren.
„Die Frage ist, was eine Business School
anbieten sollte und was nicht“, erklärt
Jens Wüstemann, Präsident der Mann-
heim Business School. Bei einem Kurs
über Finanzbuchhaltung habe eine Busi-
ness School keinen Vorteil gegenüber
anderen Weiterbildungsanbietern. „Ein
Wettbewerb zu Euroforum wird nicht
funktionieren“, so der MBS-Präsident.
Anders sei es etwa beim Thema „Wie
nützt man Rechnungswesen als Steue-
rungselement im Unternehmen?“. Für
Wüstemann müssen die Angebote deut-
lich auf das Topmanagement und dabei
auf die Themen Leadership und Strategie
abgestimmt sein. Diesen Bereich müsse
man jedoch erst aufbauen. Zudem haben
die Mannheimer auch einige Module ihres
Executive-MBA für externe Teilnehmer
geöffnet. Auch an der Gisma Business
School, Hannover, können Interessenten
einzelne MBA-Kurse wie Marketing oder
Verhandlungsführung besuchen, wenn es
vom Vorwissen her passt. Die Gelegenheit
nutzen etwa zehn bis 15 Teilnehmer pro
Jahr. Anette Tronnier, Geschäftsführerin
der Gisma Business School in Hannover,
sieht darin die einzige Möglichkeit für die
Schule, auch offene Programme anzubie-
ten. Sonst bräuchte man mehr Vertriebs-
kapazität und andere Vertriebswege.
Coaching für Topmanager
wird erprobt
An der German Graduate School of Ma-
nagement & Law (GGS) in Heilbronn löst
man das Problem über Kooperationen. So
gibt es etwa ein neunwöchiges Diplom für
Vertriebsleiter, das in Kooperation mit der
Uni St.Gallen durchgeführt wird. Beim
Intensivseminar „B2B-Marketing und
Verkauf“ für Marketing- und Vertriebs-
leiter kooperiert man mit dem Weiterbil-
dungsanbieter „Forum Heidelberg“. „Wir
vermitteln unsere Inhalte, den Vertrieb
macht das Forum Heidelberg“, so GGS-
Präsident Dirk Zupancic, der 13 Jahre in
St. Gallen im Bereich Managerweiterbil-
dung tätig war. Zwar forderten die Partner
dabei einen erheblichen Anteil am Profit,
aber dafür bekomme die GGS Breiten-
wirkung. Künftig soll die Weiterbildung
als Profit-Center ausgebaut werden, das
sich selbst trägt. Dazu habe man vor ei-
nigen Monaten eine Mitarbeiterin für den
R
Foto: WHU