fachbeiträge
26
wirtschaft + weiterbildung
04_2011
Schafen Tür und Tor geöffnet wird. Was
die Vergabe von Trainingspreisen und
ähnlichen inflationären Belobigungen
betrifft, ahmt die Weiterbildungsbranche
meiner Meinung nach das Vorgehen des
Showgeschäfts und der Werbebranche
nach, wo es von Preisen nur so wimmelt.
Auch hier sei die Frage erlaubt, welchen
Stellenwert diese Auszeichnungen damit
noch haben. So verwerflich manche Prak-
tiken von Instituten und Trainern sein
mögen, letztendlich obliegt es allein den
Unternehmen und ihren Mitarbeitern,
die Verantwortung für ihre persönliche
Weiterentwicklung zu übernehmen. Hier
ist es wünschenswert, das Bewusstsein
dafür zu schärfen, indem sich die Füh-
rungskräfte und Personalverantwortlichen
genau mit diesen Themen auseinander-
setzen, um die eigene Urteilsfähigkeit zu
stärken. Aber das kann man leider nicht
verordnen, sondern nur durch kontinuier-
liche Transparenz der Szene fördern.
Christiane Wittig,
wws seminare+coaching, München,
„Volle Zustimmung für diese
Ausführungen“
Ich kann Dr. Stiefel nur voll zustimmen.
80 Prozent der Weiterbildungsszene
sind als absolut marode zu bezeichnen.
Heute kann sich jeder ein Schild um den
Hals hängen und von einem Tag auf den
nächsten sich als „Trainer“ oder „Berater“
gerieren.
Vermeintlich hohe Tagesgagen rufen,
und die Berufsbezeichnungen sind weder
geschützt noch bedarf es irgendwelcher
Ausbildungsnachweise. Leider sind aber
auch die Ausbildungen einiger selbst
ernannter „Ausbildungsinstitute“ nicht
werthaltig. Um sich besser ins Geschäft
zu bringen, werden dann Dumping-Tages-
preise aufgerufen, die die markt-üblichen
Preise für „langjährig erfahrene und gut
ausgebildete Trainer“ bei Weitem unter-
schreiten und somit der Qualitätsarbeit
immer weniger Chancen einräumen.
Philipp von Stumm, Geschäftsführung
Seminar- und Eventzentrum
Gut Thansen, Soderstorf,
„Pauschale Verdächtigung der
Personalentwickler“
Nun habe ich mich mühsam durch sieben
Seiten dieses ausufernd differenzierten
Fachbeitrags von Dr. Stiefel gekämpft
und muss am Schluss lesen, dass die
Verfügungsautonomie über das Budget
„unvollkommenen und unerfahrenen
Personalentwicklern“ entzogen gehört.
Ich musste mir die Augen reiben und
nachlesen, aber tatsächlich, da stand
es immer noch „unvollkommen“. Nicht
nur müsste diese Vokabel für eine Person
dieses Formats ein Unwort sein, nein, es
ist auch kaum hinnehmbar, dass der Ver-
dacht weitverbreiteter Trainer-“Gaunerei“
– also geringer Professionalität bei hoher
Verantwortung für menschliche Verände-
rung in Organisationen – pauschal auf die
Personalentwickler übertragen wird.
Das kann man wirklich kurz und knapp
zuspitzen: Wer einen solchen Personal-
entwickler einstellt, bekommt die Trainer,
die das Unternehmen gerade verdient
oder braucht. Das ist Handwerk, Profes-
sionalität, die ein Personalentwickler hat
oder sich aneignet – oder eben nicht –
und der dann notwendige und für das
Haus sinnvolle Sicherungsmaßnahmen
einleitet – oder eben nicht. Die beschrie-
benen Maßnahmen sind sicherlich hilf-
reich und richtig, aber ersetzen doch bitte
keinen kompetenten und wachen Perso-
nalentwickler.
Jochen Heidenstecker, Referat II.6
Personalentwicklung und interne Wei-
terbildung der Ludwig-Maximilians-Uni-
versität München,
„Nützliche Tipps,
um Scharlatane zu entlarven“
Mein Zugang zur Thematik des Artikels
und zum beschriebenen Personenkreis
ergibt sich aus meiner über 20-jährigen
Tätigkeit sowohl als Trainer und Bera-
ter als auch als Personalentwickler und
Personalchef in Dienstleistungsunterneh-
men. Meine Eindrücke und Erfahrungen
bestätigen die von Dr. Stiefel getroffenen
Einschätzungen in vollem Maße. Meiner
Meinung nach fangen die Gaunereien
und Tricksereien viel früher und schein-
bar harmlos an. Mit folgenden Moment-
aufnahmen möchte ich meinen Blick auf
diese Szene beschreiben:
R
Zur Person.
„Stinkstiefel“ nannte
ihn Zeitplanguru Professor Dr.
Lothar Seiwert wütend, nachdem
er seinen Büchern Irrelevanz für die
betriebliche Weiterbildung beschei-
nigt hatte. „Scharfrichter aus den
Alpen“ und „Reich-Ranicki der Trai-
ningsszene“ sind dagegen eher
liebevoll gemeinte Spitznamen für
den Inhaber der Dr. Rolf Th. Stie-
fel AG
St.
Gallen. Seit 25 Jahren ist Dr. Stie-
fel einer der kritischsten Begleiter
der deutschsprachigen PE-Szene. Er gilt als der Vordenker
der „strategieumsetzenden Personalentwicklung“ (Titel-
geschichte 4/2010). Der Zweck der PE besteht demnach
darin, eine Unternehmensstrategie in Mitarbeiterverhalten
umzusetzen. Seine langjährigen Berufserfahrungen hat
Dr. Stiefel in seinem neuesten Buch „Führungskräfte-Ent-
wicklung als Beruf und Leidenschaft. Spuren ziehen statt
ausgetretene Wege gehen“ veröffentlicht. Eine Rezension
findet sich in diesem Heft auf Seite 64.
Wer ist bloß dieser Stiefel?