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personalmagazin 01 / 15
ORGANISATION
_PERSONALKOSTEN
beiden Beschäftigtengruppen und eine
anschließende, anteilig gewichtete Hoch-
rechnung der Personalkostenentwick-
lung auf Unternehmensebene.
Zusammenfassend hängt der Perso-
nalkostenwachstumsfaktor im Wesent-
lichen von fünf Parametern ab (siehe
Gleichung 3 im Kasten auf Seite 55):
a) der historischen Entwicklung der Ta-
rifabschlüsse
b) dem Anteil an AT-Kräften in dem be-
trachteten Unternehmen
c) der Sensitivität der Personalkosten
tariflich und außertariflich beschäf-
tigter Kräfte auf Tarifabschlüsse
d) dem individuellen Gehaltsfaktor der
AT-Kräfte sowie
e) der Tarifgruppen und -stufenmigrati-
on der Tarifkräfte.
Entwicklung von Tarifverträgen
Da, wie bereits erwähnt, für Unterneh-
men mit Tarifbindung die Höhe der
verabschiedeten Tarifabschlüsse ein
wesentlicher Treiber der Personalkos-
ten ist, sollte dieser mit großer Sorgfalt
geschätzt werden. Als Grundlage für
die Schätzung ist eine lineare Extra-
polation der historischen Entwicklung
des relevanten Tarifvertrags zu emp-
fehlen. Der dabei berücksichtigte Zeit-
horizont sollte so lang sein, dass ein
hinreichend repräsentatives Bild über
die Tarifentwicklung möglich ist, und
gleichzeitig die Wirkung der nicht jähr-
lich stattfindenden Tarifrunden geglättet
wird. Ein Zeitfenster von fünf bis zehn
Jahren hat sich in der Praxis als guter
Richtwert bewährt. Alternative Ansätze
– wie die Schätzung der künftig zu er-
wartenden Tarifabschlüsse auf Basis von
Expertenmeinungen oder nominalen
Produktivitätsentwicklungen – weisen
erfahrungsgemäß eine eher geringe Pro-
gnosesicherheit auf und sollten nur in
speziellen Fällen eingesetzt werden.
Tarifrundensensitivität
Die Tarifrundensensitivität von AT- und
Tarifmitarbeitern unterscheidet sich
und ist daher separat zu ermitteln. Das
grundsätzliche Vorgehen ist jedoch iden-
tisch: Zunächst werden die Mitarbeiter
unter Berücksichtigung sämtlicher Ge-
haltsbestandteile entsprechend ihrer
Zugehörigkeit (tariflich oder außerta-
riflich) aufgelistet und die aktuellen ef-
fektiven Personalkosten auf Jahresebene
aufsummiert. Anschließend wird auf
Rechenbeispiel vom 1. Januar 2015 (Zwei-Jahres-Prognose)
RECHENBEISPIEL
QUELLE: ZEB
Dieses Rechenbeispiel zeigt anhand konkreter Zahlen, wie für ein fiktives Unternehmen
eine Zwei-Jahres-Prognose der Personalkosten ermittelt wird.
Input
Durchschnittliche Personalkosten pro Mitarbeiter per 1.1.2015
=
37.000 Euro
Anteil der AT-Kräfte per 1.1.2015
=
25 Prozent
Hebefaktor
AT
=
1,1 Prozent
Hebefaktor
TG
=
1,8 Prozent
INDIV
=
0,4 Prozent
MIG
TG
=
0,2 Prozent
MAK-Ausstattung (Soll-Stellenplan)
Datum
1.1.2015
1.1.2016
1.1.2017
MAK
3.000
3.150
3.250
Personalkostenwachstumsfaktor
=
25%(0,4% + 1,1%) + (1–25%) x (0,2% + 1,8%)
Personalkostenwachstumsfaktor
=
1,9%
Personalkosten-
wachstumsfaktor
AT (INDIV+Hebefaktor
AT
)
+
(1–AT)(MIG
TG
+Hebefaktor
TG
)
=
PK
t2017
=
3.250 MAK x 37.000 € / MAK x (1+Personalkostenfaktor)
2
PK
t2017
=
3.250 MAK x 37.000 € / MAK x (1,019)
2
PK
t2017
Anzahl
Mitarbeiter
t2017
x
durchschn. Personalkosten
pro Mitarbeiter
t2015
=
x
(1+Personalkosten-
wachstumsfaktor)
2
PK
t2017
Anzahl Mitarbeiter
t2017
x
durchschn. Personalkosten pro Mitarbeiter
tn+x
=
PK
t2017
=
3.250 MAK x 38.419,40 € / MAK
PK
t2017
=
124 862.910,30 €
Mitarbeiterebene die durchschnittliche
historische Tariferhöhung auf die jeweili-
gen Gehaltsbestandteile angewandt. Die
prozentuale Steigerung der Ist-Gesamt-
personalkosten geteilt durch die hypo-
thetische Tariferhöhung entspricht der
Tarifrundensensitivität der jeweiligen
Gruppe (tariflich oder außertariflich be-