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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Die Entwicklung eventueller Perso-
nalüberhänge ist somit sorgfältig zu
beobachten und die Auswirkung von
Konsolidierungsinitiativen zu antizipie-
ren. In einemUmfeld hoher Unsicherheit
empfehlen sich hier auch Szenariopläne.
Zentral ist aber in jedem Fall eine enge
Verzahnung der Mengenprognose mit
der Unternehmensgesamtplanung.
Durchschnittliche Personalkosten pro
Mitarbeiter und Jahr
Während die Mitarbeiteranzahl über
den Zeitverlauf bereits in Sollstellen-
plänen oder in Personaldatenbanken
definiert und hinterlegt ist, bedarf es
bei der Ermittlung der zukünftigen
durchschnittlichen Personalkosten pro
Mitarbeiter einer gewissen Vorarbeit.
Dafür muss auf zwei Parameter zurück-
gegriffen werden: die aktuellen durch-
schnittlichen Personalgesamtkosten pro
Mitarbeiter sowie die prognostizierte
jährliche Personalkostensteigerung bis
zum Zeitpunkt t
n+x
(vergleiche Glei-
chung 2 im Kasten oben).
Aktuelle Personalkosten
Die effektiv anfallenden Personalkosten
pro Mitarbeiter zum Zeitpunkt t
n
stel-
len den Absprungpunkt für die Perso-
nalkostenprognose dar und umfassen
eine Vielzahl an Kostenkomponenten.
Um die Vollständigkeit sicherzustellen,
sollte die Personalabteilung die aktuel-
len Ist-Kosten auf Jahresebene zur Ver-
fügung stellen. Diese beinhalten neben
den Bruttogehältern (inklusive Über-
stundenausgleich) der Mitarbeiter auch
weitere Entgeltbestandteile (beispiels-
weise der Arbeitgeberanteil zur Sozial-
versicherung), variable Gehaltskompo-
nenten, Zulagen, vermögenswirksame
Leistungen sowie die Zahlung von Um-
lagen. Durch das derzeit niedrige Zins-
niveau drohen hohe Schwankungen der
bAV-Rückstellungen und somit auch des
Personalaufwands über den Zeitablauf.
Die Annahme eines Basiszins-Szenarios
über den Planungszeitraum und die
Ableitung einer entsprechenden bAV-
Rückstellung wird daher empfohlen.
Personalkostenwachstumsfaktor
Ein gängiger Fehler in der Praxis ist die
Annahme, dass Personalkosten analog
zu der tariflichen Entwicklung steigen.
Dies ist jedoch nicht der Fall, da verab-
schiedete Tariferhöhungen eines Tarifab-
schlusses nicht auf alle beziehungsweise
nicht gleichermaßen auf alle Gehalts-
komponenten wirken. Beispielsweise er-
höht sich bei tariflich beschäftigten Mit-
arbeitern das Bruttogehalt entsprechend,
pauschal bezogene Unterstützungsleis-
tungen bleiben jedoch unberührt. Zu-
sätzlich schlagen die Erhöhungen nicht
vollständig auf die entsprechenden Sozi-
alabgaben durch, was auf eine gesetzlich
vorgeschriebene Deckelung zurückzu-
führen ist. Weiterhin wird die Gehalts-
entwicklung der außertariflichen Kräfte
(AT-Kräfte) zu einem deutlich geringeren
Maße durch den Tarifabschluss beein-
flusst als die der tariflich beschäftigten
Mitarbeiter. Die Erhöhung des Brutto-
gehalts wird hier pauschal als absolute
Steigerung des höchsten Tarifgruppenge-
halts berechnet.
Diese unterschiedlichen Auswir-
kungen der Tarifabschlüsse auf die
effektiven Personalkosten der Be-
schäftigten sind im zu bestimmenden
Personalkostenwachstumsfaktor als
Sensitivitäten zu berücksichtigen. Die
offensichtliche Heterogenität zwischen
der Personalkostenentwicklung von ta-
riflich und außertariflich beschäftigten
Mitarbeitern erschwert entsprechend
die belastbare Prognose des Personalko-
stenwachstumsfaktors. Um den Unter-
schieden gerecht zu werden, empfiehlt
sich eine separate Betrachtung dieser
FORMELN
QUELLE: ZEB
Eine belastbare Personalkostenprognose erfordert ein systematisches Vorgehen. Diese
Formeln, die im Text genauer erläutert werden, helfen bei der Berechnung.
1
PK
tn+x
=
Anzahl Mitarbeiter
tn+x
x
durchschn. Personalkosten pro Mitarbeiter
tn+x
2
PK
tn+x
=
Anzahl Mitarbeiter
tn+x
x
durchschn. Personalkos-
ten pro Mitarbeiter
tn
x
(1+Personalkosten-
wachstumsfaktor)
x
3
Personalkosten-
wachstumsfaktor
AT (INDIV+Hebefaktor
AT
)
+
(1–AT)(MIG
TG
+Hebefaktor
TG
)
=
4a
Hebefaktor
AT
Tarifrundensensitivität der
durchschn. AT-Personalkosten
x
durchschn., jährlicher Lohn-
zuwachs per Tarifabschluss
=
4b
Hebefaktor
TG
Tarifrundensensitivität der
durchschn. TG-Personalkosten
x
durchschn., jährlicher Lohn-
zuwachs per Tarifabschluss
=
5
INDIV historisches, jährliches Personalkostenwachstum der AT-Kräfte bereinigt
um das kalkulatorische Wachstum aufgrund von Tarifabschlüssen
=
6
MIG
TG
durchschn., kalkulatorisches, jährliches Personalkostenwachstum
der tariflich beschäftigten Mitarbeiter aufgrund Migration in höhere
Tarifgruppen/-stufen
=
AT = Anteil der außertariflichen Kräfte
PK = Personalkosten