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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Aufgabe allein zu entscheiden?“. Die Vor
läufigkeit des Spielergebnisses nimmt
der Festsetzung der Delegationslevel die
Schwere, da man ihre Zweckmäßigkeit
jederzeit erörtern und die Entscheidung
spätestens bei der nächsten Wiederho
lung des Spiels korrigieren kann.
Zugleich verlagern sich die Gespräche
über Führung und Delegation weg von
Zwiegesprächen in der Kaffeeküche hin
zu einem wertschätzenden Austausch,
da das Team nun offen eingebunden ist.
Alle können so miteinander lernen und
gemeinsam Übereinkünfte treffen.
Konsent – Niemand ist dagegen
Ein zweiter Ansatz, der den Weg zu einer
demokratischen Unternehmenskultur
ebnet, beschreibt Holger Koschek in un
serem Buch „Management Y“: „Konsent“.
Dies ist ein Element der modernen Sozio
kratie, wie sie der Reformpädagoge Kees
Boeke beschrieb. Konsent bedeutet, dass
eine Entscheidung getroffen wird, wenn
niemand mehr begründete Einwände
vorbringen kann. Denn jeder, der einmal
versucht hat, in einer Gruppe – egal ob
Team, Abteilung oder Unternehmen –
eine Entscheidung per Konsens herbei
zuführen, weiß, wie lange sich dieser Pro
zess mitunter hinziehen kann. Oft gibt es
einige, die dagegen sind. Fast immer gibt
es welche, die weder dafür noch dagegen
sind. Mit ihrer Unentschlossenheit ver
hindern diese Beteiligten das Entstehen
von Mehrheiten. Zählte man die Unent
schlossenen zu den Befürwortern, wäre
dieses Problem in vielen Fällen gelöst.
Genau dieses Einverständnis ist eines
der Grundprinzipien der Soziokratie.
Ist die Entscheidung getroffen, dann
wird sie so schnell wie möglich umge
setzt. Die Umsetzung wird von den so
ziokratischen Kreisen kontrolliert. Jede
Abteilung bildet einen solchen Kreis,
ebenso die Leitungsebene und schließlich
die Geschäftsführung. Diese Kreise sind
über Delegierte und über die vom jeweils
höheren Kreis gewählten Leiter eines
Kreises miteinander verknüpft. Leiter
und Delegierte werden regelmäßig (zum
Beispiel alle zwei Jahre) neu gewählt.
DochauchohneSoziokratie ist Konsent
ein mächtiges Werkzeug, um Entschei
dungen schnell und übereinstimmend
zu treffen. Ist das zur Entscheidung
anstehende Thema formuliert, wird per
Handzeichen abgestimmt:
• Daumen hoch: Ich bin dafür, die Ent
scheidung anzunehmen.
• Daumen neutral: Ich bin zwar nicht
davon überzeugt, trage die Entschei
dung aber mit.
• Daumen runter: Ich bin dagegen.
Alle Personen, deren Daumen nach unten
zeigt, bringen anschließend ihre eigenen
Ansatz
Ziel
Zeit und Dauer
Zielgruppe
Delegation Poker
Hierarchieübergreifend die Bereitschaft zu
heiklen Dialogen fördern, insbesondere über
Vertrauen in Kompetenz und Führung
Zwei Stunden alle vier bis acht Wochen
Führungsteam, Teamleitung und
Mitarbeiter auf allen Ebenen
Konsent
Schnelle Entscheidungsfindung
Eine Minute für die eigentliche Abstimmung
sowie zusätzliche Zeit für die Diskussion
Alle Entscheidungsgremien, denen
die Konsensfindung zu lange dauert
Blueboard
Neue Ideen in konkrete Initiativen über-
führen
Nach einem geeigneten Ideenfindungs-
Workshop 15 bis 45 Minuten für die
Blueboard-Session
Alle Mitarbeiter
ZUSAMMENFASSUNG
Diese drei Ansätze sind besonders dafür geeignet, den Wandel hin
zu einer demokratischen Unternehmenskultur anzustoßen. In nach-
folgenden Schritten lassen sich demokratische Strukturen in den
Unternehmen leichter darauf aufbauen.
Mit „Delegation Poker“ lässt sich Verantwortung spielerisch teilen.
Jurgen Appelo (management30.com) hat diese Karten entwickelt.
© JURGEN APELLO, MANAGEMENT30.COM