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für sie Selbstbestimmung, Teamarbeit,
Einheitslohn und Konsensprinzip. Aus
dieser romantischen Vorstellung heraus
entstanden Alternativprojekte – es kam
zu einer regelrechten Gründungswelle.
Die Alternativbetriebe mit demokra-
tischen Führungsmodellen, häufig im
Handwerk oder öffentlichen Sektor tätig,
etablierten sich in einer Nische. Von ih-
nen ging aber wenig Strahlkraft auf die
übrige Wirtschaft aus. Der Historiker
Sven Reichardt, der 2014 mit seinem
Buch „Authentizität und Gemeinschaft“
eine Analyse dazu vorlegte, kommt zum
Fazit: „Die Entscheidungsstrukturen
waren zeit- und nervraubend, der Ein-
heitslohn dämpfte das Leistungsdenken
und vielen Mitarbeitern mangelte es an
besonderem Einsatzwillen.“
Internet und neue Gründerszene
Zu Beginn der Jahrtausendwende ent-
wickelte sich eine neue „Alternativkul-
tur“, die eng mit dem „Mitmach-Web“
verknüpft ist. Im Mittelpunkt steht
wiederum der Wunsch nach Selbstbe-
stimmung, die Betriebe werden als Orte
des „Angestellten-Frustes“ gebrand-
markt. Im Unterschied zu den 68ern
ist die Szene technikbegeistert. Sascha
Lobo und Holm Friebe bringen in ih-
rem Buch „Wir nennen es Arbeit – die
digitale Bohème und intelligentes Leben
jenseits der Festanstellung“ das Lebens-
gefühl zum Ausdruck. Aus dieser Szene
heraus entstehen IT- und Beratungsfir-
men, die mit neuen Führungsmodellen
experimentieren. Es war Thomas Sattel-
berger, der vor vier Jahren als Erster un-
ter den etablierten Personalmanagern
das Innovationspotenzial dieser Nische
erkannte und seither als Modell für zu-
kunftsfähige Betriebe propagiert.
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