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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Welche gravierenden Folgen das feh-
lende Bewusstsein für technische Zu-
sammenhänge und Trends nach sich
zieht, zeigt die Analyse der Karriereweb-
seiten von 160 in Dax, M-Dax, Tec-Dax
und S-Dax gelisteten Unternehmen für
unsere „Mobile Recruiting Studie 2014“:
Mit 40 Millionen Smartphones und 25
Millionen Tablets ist die mobile Webnut-
zung in der Mitte der deutschen Arbeits-
gesellschaft angekommen. Ein Viertel
aller mobilen Google-Nutzer suchte ver-
gangenes Jahr nach neuen beruflichen
Herausforderungen. Als Folge dieser
Entwicklung liegt der Anteil mobiler Be-
sucher auf Karriereseiten über nahezu
alle Branchen hinweg im Bereich zwi-
schen 15 und 25 Prozent.
Umso verwunderlicher ist es, dass
vier von fünf Karriereseiten nicht für
den mobilen Zugriff bereit sind. Bezieht
man den Bewerbungsprozess in die Be-
trachtung der mobilen „Candidate Expe-
rience“ mit ein, ist nicht einmal jedes
zehnte Unternehmen in der Lage, das In-
teresse mobiler Stellensuchender zu nut-
zen und in Bewerbungen zu verwandeln.
Unsere Studienergebnisse belegen zu-
dem, dass lediglich 22 Prozent über eine
mobiloptimierte Karriereseite verfügen.
Im Dax-Segment fällt der Wert mit 50
Prozent etwas besser aus, aber auch dort
ist jedes zweite Unternehmen nicht in
der Lage, den Wunsch nach mobil ver-
fügbaren Informationen zu bedienen.
Bei der Untersuchung der Jobbörsen der
Unternehmen werden lediglich noch 18
Prozent den Bedürfnissen mobiler Stel-
lensuchender gerecht.
Diese Diskrepanz zwischen der Mobil-
optimierung der Karriereseiten und der
Jobbörsen, die ja ein selbstverständlicher
Bestandteil der Karriereseite sind, wirft
die Frage auf, wieso Unternehmen sich
die Mühe machen, ihre Informationen
für mobile Geräte zu optimieren, dabei
aber den für das Recruiting entschei-
denden Schritt der Jobsuche ignorieren.
Noch deutlicher wird diese mangelnde
Konsequenz, wenn man im Rahmen
einer ganzheitlichen Betrachtung auch
den Bewerbungsprozess in die Analyse
der mobilen „Candidate Experience“
einbezieht. Denn die Möglichkeit, die
Stellensuche mit einer mobilen (Vor-)Be-
werbung zu einem sinnvollen Abschluss
zu bringen, bieten lediglich sechs Pro-
zent der Unternehmen an.
Es hapert er an der Schnittstelle
Bei genauerem Hinsehen liegt die Quel-
le des Übels häufig darin, dass Karrie-
reseiten ein Zusammenspiel verschie-
dener Systeme sind. Denn während das
Informationsangebot der Karriereseite
in der Regel über ein Content-Manage-
ment-System gepflegt wird, sind die
Jobbörse und das Bewerbungsformular
häufig Teil des Bewerbermanagement-
systems, über das meist auch die Stel-
len eingepflegt werden. Und an dieser
Schnittstelle entsteht das Problem.
Denn sie ist nicht nur eine System-, son-
dern auch eine Dienstleister-Schnittstel-
le. Und während die in Marketingfragen
normalerweise parkettsicheren Digital­
agenturen um die Ansprüche mobiler
Webnutzer wissen, trifft dies auf die
verwaltungsorientierteren Systeman-
bieter leider noch allzu häufig nicht zu.
Da deren Jobbörsen und Bewerbungs-
formulare als Teil des gebuchten Pakets
zwar nicht mobiloptimiert, aber bezahlt
sind, werden sie trotz ihrer Kontra­
produktivität eingesetzt.
Abgesehen von den Imagekratzern,
die eine mobil nicht nutzbare Kar-
riereseite in der Arbeitgebermarke
hinterlässt, hat sie auch handfeste wirt-
schaftliche Folgen. Denn sie vergrätzt
potenzielle Bewerber, die das Unterneh-
men mittels Online-Personalmarketing
oder Recruiting-Event gerade unter nicht
unerheblichem Budgeteinsatz motiviert
hat, sich zu bewerben. Der so entstehen-
de Schaden steigt schnell auf über Tau-
sende Euro.
Drei Schritte für einen großen Sprung
Um einen solchen Schaden zu vermei-
den, sollten Sie die Karriereseite Ihres
Unternehmens anhand von drei einfa-
chen Fragen auf ihre Mobiltauglichkeit
hin prüfen – ohne sich von zu viel IT-Be-
griffen abschrecken lassen zu müssen.
• Erster Schritt: Sind die Informatio-
nen der Karriereseite auf Smartphones
und Tablets ohne Zoomen lesbar? Nicht
sofort lesbare Infos veranlassen Kandi-
daten, die Seite schnell zu verlassen.
• Zweiter Schritt: Ist auch die Jobbör-
se per Smartphone mit wenigen Klicks
schnell zu finden und leicht bedienbar?
• Dritter Schritt: Können stellen­
interessierte Bewerber eine mobile
(Vor-)Bewerbung ohne aufwendige Da-
teneingabe abschicken?
Diese drei Fragen lassen sich ganz ein-
fach beantworten – durch Ausprobieren
mit dem eigenen Smartphone. Müssen
Sie danach eine der Fragen mit einem
Nein beantworten, sollten Sie schnell
handeln.
© WOLLMILCHSAU
Die mobiloptimierte Karriereseite von
Fresenius kann als Vorbild dienen.
JAN KIRCHNER
ist
Geschäftsführer der Digital-
agentur Wollmilchsau GmbH.