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Hier geht es also um eine Anforderungs-
analyse – die Grundlage jedes Personal-
auswahlverfahrens.
Darüber hinaus wurden den Befragten
insgesamt 65 Kriterien vorgelegt, die zur
Sichtung von Bewerbungsunterlagen
herangezogen werden können. Darun-
ter wurden Aspekte bedacht, die bereits
Gegenstand früherer Studien waren wie
Schulnoten oder Berufserfahrung und
zum anderen solche, die in der Ratge-
berliteratur zu finden sind. Die Band-
breite ist entsprechend groß: Sie reicht
von völlig absurden Kriterien wie etwa
dem Gewicht der Bewerbungsmappe,
dem Beruf der Eltern oder der Hand-
schrift bis hin zu prinzipiell sinnvollen
Kriterien wie der Berufsausbildung. Die
Befragten konnten angeben, ob ein sol-
ches Kriterium in ihrem Unternehmen
zur Anwendung kommt oder nicht.
Die Antworten sind teils erschreckend
Bezogen auf die Anforderungsanalyse
ergab sich ein ernüchternder Befund:
Fast die Hälfte der Unternehmen (47
Universität Dresden bezogen auf mit-
telständische Unternehmen bereits be-
legte: Selbst wenn es um die Auswahl
von Führungskräften geht, basieren die
Auswahlverfahren in der Regel nicht auf
differenzierten Anforderungsanalysen.
Aus personalpsychologischer Sicht ist
dies nicht zu empfehlen. Liegen keine
verbindlichen Kriterien zur Sichtung der
Mappen vor, so besteht die große Gefahr,
dass an die einzelnen Mappen jeweils
unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe
angelegt werden: Während Bewerber A
frühzeitig aussortiert wird, weil er eine
Lücke im Lebenslauf hat, trifft es Bewer-
ber B aufgrund zu geringer Berufserfah-
rung. Dabei wird nicht reflektiert, ob
das eine vielleicht viel unwesentlicher
Prozent) sichten die Unterlagen, ohne
dass zuvor irgendwelche Kriterien fest-
gelegt wurden. Entweder macht man
sich gar keine Gedanken zu diesem The-
ma oder geht davon aus, dass die Perso-
nalverantwortlichen beim Lesen schon
von allein erkennen, wer ein geeigneter
Kandidat sei. In 50 Prozent der Fälle
werden etwaige Auswahlkriterien durch
die Fachabteilung, in 47 Prozent der
Fälle durch die Personalabteilung fest-
gelegt. Nur drei Prozent der Befragten
geben an, dass sie sich bei der Festle-
gung der Kriterien an den Ergebnissen
wissenschaftlicher Studien orientieren.
In diesemErgebnis spiegelt sich wider,
was eine frühere Studie von Ute Stephan
und Karl Westhoff von der Technischen
Top-10-Kriterien
Die Bewertung von formalen Kriterien (orange) über-
wiegen bei der Sichtung von Bewerbungsunterlagen.
Quelle: kanning
Platz Kriterium
Bewertung in
Unternehmen
1. Berufserfahrung
91 Prozent
2. Flecken
89 Prozent
3. Tippfehler
88 Prozent
4. Grammatikfehler
87 Prozent
5. übersichtlicher Lebenslauf
86 Prozent
6. Tätigkeitsbeschreibung
85 Prozent
7. Lebenslauflücken
84 Prozent
8. Bewerbungsgründe
83 Prozent
9. Arbeitszeugnisbewertung
82 Prozent
10. Weiterbildung
82 Prozent
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