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management
_personalkonzepte
personalmagazin 06 / 14
technische Projekte, in die sich auch
Mitarbeiter des Unternehmens aktiv
einbringen können. Das Pflegekonzept
soll Mitarbeiter entlasten, die sich neben
dem Beruf um einen Angehörigen küm-
mern. Beratung und Aufklärung rund
um das Thema „Pflege“ stehen dabei im
Mittelpunkt: Im Unternehmen gibt es ei-
nen festen Ansprechpartner und eine re-
gelmäßige Vortragsreihe. Zudem können
Mitarbeiter im Bedarfsfall Freistellung
für die Pflege Angehöriger beantragen.
„Das Konzept findet positive Resonanz
in der Belegschaft“, sagt Erwin Schwab,
Leiter Personal und Sozialwesen.
Dieser Aspekt stand auch für die Best-
Pers-Award-Jury im Fokus: Familien-
freundlichkeit habe auch damit etwas zu
tun, dass die angebotenen Maßnahmen
seitens der Mitarbeiter als relevant ein-
gestuft und genutzt würden, so die Juro-
ren. Das sei bei Dr. Pfleger der Fall.
Des Weiteren bietet die familien-
freundliche Firma flexible Arbeitszeiten,
Jahresarbeitszeitkonten, Job-Sharing, Te-
learbeit, Homeoffice, Teilzeitregelungen
und finanzielle Unterstützung an, wie
etwa eine Beteiligung an der Ferienbe-
treuung für Mitarbeiterkinder.
BGM: vom obligatorischen Obstkorb
zu moderner Technologie
Auch im Bereich „Betriebliches Gesund-
heitsmanagement“ hat Dr. Pfleger eini-
ges zu bieten. Dafür hat die Firma ein
Gesamtkonzept entworfen: das PGM –
Pfleger Gesundheitsmanagement. Das
Konzept fängt beim Obstkorb an. Hier
ist die Akzeptanz groß: „Wer die Jah-
resrechnung für das Obst je gesehen
hat, der weiß, dass von diesem Angebot
reger Gebrauch gemacht wird“, erzählt
Schwab. Aber auch moderne Technolo-
gie kommt zum Einsatz, etwa im Zuge
des Nichtraucherschutzes am Arbeits-
platz: Für die Raucher, die ihr Laster
nicht lassen können, wurden Raucher-
kabinen angeschafft. Nun können sie in
der Kantine rauchen, ohne ihre Kolle-
gen zu beeinträchtigen.
Weitere Komponenten des PGM-Pro-
gramms sind freiwillige betriebsärzt-
liche Untersuchungen, eine interne
Ersthelferausbildung sowie Altersfrei-
zeiten für Über-57-Jährige, deren Wo-
chenarbeitszeit sich dadurch um 2,5
Stunden verringert. Daneben bietet das
Programm kostenlose Prävention durch
Herz-Kreislaufprophylaxe, Ernährungs-
beratung und individuelle Trainings-
pläne. Zudem können die Mitarbeiter
unter einer Vielzahl von mitfinanzierten
Sportkursen wählen, von Badminton
über Yoga bis hin zur Laufgruppe.
Vergütung: administrierbares
Cafeteriasystem
Doch nicht nur mit den Arbeitgeberzu-
schüssen zu den Sportkursen kommt Dr.
Pfleger seinen Mitarbeitern finanziell
entgegen. Auch mit seinem Vergütungs-
system konnte der Arzneimittelherstel-
ler die Jury überzeugen. Diese zeigte
sich vor allem vom Cafeteriasystem bei
Dr. Pfleger begeistert: Die Mitarbeiter
können unter den Komponenten Frei-
zeit, Schulungen, Sozialleistungen und
Firmen-PKW wählen. Die Wahl steht al-
len Mitarbeitern offen, sie ist nicht auf
die oberen Hierarchieebenen begrenzt.
Ebenfalls gelobt wurde die variable Ver-
gütung für alle Mitarbeitergruppen, die
aus Sicht der Jury in einem angemesse-
nen Rahmen liegt: 25 Prozent sind für
das Top-Management vorgesehen, zehn
Prozent für gewerbliche Mitarbeiter.
Weiterhin bietet das Vergütungssystem
Bausteine wie das sogenannte „Motiva-
tionsleasing“, durch das alle Mitarbeiter
in Festanstellung die Möglichkeit ha-
ben, einen Teil ihres Bruttoentgelts zu-
gunsten eines Firmenwagens umzuwan-
deln. Darüber hinaus bietet Dr. Pfleger
den Mitarbeitern eine Möglichkeit auf
zinslose Firmendarlehen zum Immobi-
lienerwerb.
Trotz dieser Wahlmöglichkeiten kön-
ne das Cafeteriasystem aber immer noch
effizient administriert werden, sagt
Schwab. Doch ausruhen wollen sich die
Personaler auf diesen Lorbeeren nicht:
Sie planen, die leistungsorientierte Ver-
gütung künftig weiter zu forcieren.
Mit Beharrlichkeit unter die Besten
Zum Wunsch nach ständiger Verbes-
serung gehört auch, dass Dr. Pfleger
weiterhin an Arbeitgeberwettbewerben
teilnimmt. Personalleiter Schwab glaubt,
das Benchmarking helfe dem Unterneh-
men bei seiner Entwicklung: „Es war na-
türlich zu Beginn ernüchternd zu sehen,
was andere Unternehmen anders bezie-
hungsweise besser machen und wo man
im Vergleich dazu selbst steht“, erinnert
er sich. „Aber gerade das Beschäftigen
mit den eigenen Stärken und Entwick-
lungsfeldern ist für ein Unternehmen
ungemein wertvoll.“ Das kontinuierliche
Feedback habe im Bereich „Demografie“
bereits zu einem Wettbewerbsvorteil ge-
führt: „Ich denke“, sagt Schwab, „dass
wir dieses Thema ohne den Wettbe-
werbsdruck nicht so schnell angegan-
gen wären.“
Doch der Weg war nicht das einzige
Ziel: „Natürlich wollten wir uns in die-
sem Prozess von Jahr zu Jahr verbessern,
um schließlich ganz oben auf dem Sie-
gertreppchen zu stehen“, resümiert der
Personaler.
„Wer die Jahresrechnung für das Obst
gesehen hat, weiß, dass die Mitarbeiter von
diesem Angebot regen Gebrauch machen.“
Erwin Schwab ist Leiter Personal und Sozialwesen bei Dr. Pfleger.