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hen. Doch noch beschäftige ich mich
nicht mit dem nächsten Schritt.“
Wolfgang Degel und sein Vorgesetzter
hatten mündlich abgesprochen, dass der
Personaler in seine alte Position zurück-
kehren würde. Seine Projekte wurden
entweder an andere Mitarbeiter verteilt
oder mussten bis zu Degels Rückkehr
warten. Seine Karriere sei deshalb nicht
ins Stocken geraten. „Ich glaube nicht,
dass ein Sabbatical karrierehinderlich
ist“, sagt er. „Es ist vielmehr von Vorteil,
nach einer Auszeit mit einem anderen
Weltbild auf die Themen zu schauen. Die
Hindernisse dabei liegen im Denken.“
Wer nicht da ist, ist nicht da
Wichtig sei es jedoch, vor und nach der
Auszeit einen klaren Schnitt zu machen.
„Bei BMW wird das strikt gehandhabt:
Wenn einer nicht da ist, ist er nicht da“,
sagt Degel. Das hat er von Anfang an
klar kommuniziert: In seiner Abwesen-
heitsnotiz kündigte er an, dass er ältere
E-Mails nach seiner Rückkehr nicht be-
arbeiten würde. Hirl-Höfer fiel das Ab-
standnehmen umso leichter, als sie ihre
Rolle komplett an ihre Nachfolgerin Elke
Frank abgab. Der Abschied sei dennoch
schwergefallen, da sie sich stark mit Job
und Team identifiziert habe: „Ein Stück
weit lässt man auch was zurück. Es gab
einige sehr emotionale Abschiede.“
Degel empfand es vor seinem Ab-
schied als belastend, Themen anzuge-
hen, die dann ohne ihn laufen mussten.
Doch er machte die Erfahrung: „Es geht
auch ohne einen. Es muss.“ Diese neue
Perspektive war für den Personaler von
großem persönlichen Nutzen. Der Blick
von außen habe geholfen, Wichtiges von
Unwichtigem zu unterscheiden. Von die-
ser Erfahrung profitierte er nach seiner
Rückkehr: „Man kommt raus aus dem
täglichen Trott, in dem man Aufträge an-
nimmt und abarbeitet. Und wenn man
mal richtig Abstand genommen hat, ist
man hinterher wesentlich belastbarer
– insofern tut so eine Auszeit wirklich
gut.“ Auch sei die Auszeit für den 53-Jäh-
rigen ein Vorgeschmack auf die Rente ge-
wesen: Er habe wissen wollen, wie sein
Tag ohne Arbeit aussehen würde.
HR soll Sabbaticalkultur vorleben
Doch der persönliche Nutzen war nicht
der einzige Motivator für die Auszeit der
Personaler. Beide glauben, dass Füh-
rungskräfte und gerade Personaler die
Sabbatical-Kultur vorleben sollten. Bei
Microsoft werde der Benefit bereits über
alle Hierarchieebenen hinweg genutzt,
berichtet Hirl-Höfer. Sie selbst hatte zwei
Vorreiter in der Geschäftsführung. „Die
Manager haben ja eine Vorbildfunktion,
damit jeder Kollege den Mut hat, das
Thema anzusprechen“, sagt Hirl-Höfer.
Auch Degel ist mit gutem Beispiel vo-
rangegangen: „Einige Kollegen sagen zu
mir: Das würde ich auch gern machen“,
berichtet er. „Und sie sehen, dass es
nach dem Sabbatical weitergeht.“
Damit dies gelingt, gilt es jedoch, den
richtigen Zeitpunkt für die Auszeit zu
wählen. „Wir sagen nie grundsätzlich
nein zu einem Sabbatical“, sagt Degel
aus Personalersicht, „aber es muss ter-
minlich passen.“ Einen rechtlichen An-
spruch hat der Arbeitnehmer nicht – es
empfiehlt sich also, gut vorbereitet und
flexibel in die Gespräche zu gehen. „Man
sollte sich an sein Commitment halten“,
fordert Hirl-Höfer. „Nach sechs Monaten
in einer neuen Rolle würde ich nicht
zu einem Sabbatical raten. Der Arbeit-
nehmer sollte zudem klar zu verstehen
geben, was er nach dem Sabbatical will
– und signalisieren, dass er dann wieder
voll zur Verfügung steht.“
Zu einer transparenten Planung ge-
hört es auch, den Vorgesetzten möglichst
früh mit einzubeziehen. Als Anlass eig
ne sich das jährliche Beurteilungsge-
spräch, so Degel, in dem es ohnehin um
die Karriereplanung gehe.
Das Sabbatical-Gefühl hält länger vor
Und wie ist es, nach der Auszeit an den
Arbeitsplatz zurückzukommen? „Der
erste Tag und die ganze erste Woche
nach dem Sabbatical waren entspannt.
Man läuft nicht sofort los, sondern sor-
tiert erst einmal“, berichtet Degel. „Dann
habe ich ein Projekt übernommen, und
mich langsam in dieses eingearbeitet.
Das Sabbatical-Gefühl hält länger vor.
Doch dann kommt man wieder Stück für
Stück in den Alltag rein.“
Dass das Sabbatical zu einer nach-
haltigen Verbesserung seiner eigenen
Work-Life-Balance geführt hat, glaubt
der Personaler nicht. „Nach einer ge-
wissen Zeit ist man doch wieder voll in
der Arbeit drin“ – und er arbeite immer
noch viel und gerne. Allerdings habe er
gelernt, dass es wichtig sei, zwischen-
durch mindestens drei Wochen am Stück
zu pausieren. „Die längeren Auszeiten
braucht man ab einem gewissen Alter
zur Regeneration.“
Ob es Nachteile gibt für den Arbeit-
nehmer, wenn er sich auf das Abenteuer
Sabbatical einlässt? Degel muss lange
überlegen. Sicher, der teilweise Lohn-
verzicht könne ein Thema sein. Doch
das war es ihm wert: „Man verzichtet
auf Geld, aber dafür bekommt man eine
Menge Freizeit.“ Sein Fazit lautet daher:
„Ich würd’s wieder machen – und auch
jedem empfehlen. Es ist eine Bereiche-
rung.“
„Eine Auszeit tut wirklich gut: Wenn man
mal richtig Abstand genommen hat, ist
man hinterher wesentlich belastbarer.“
Wolfgang Degel, Leiter Kompetenzzentrum Altersversorgungssysteme, BMW