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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
biografisch mit den Gewerkschaften
verbunden. Wie würden Sie Ihre neue
Position als Staatssekretär beschreiben,
verstehen Sie sich als Mittler zwischen
den Sozialpartnern?
Albrecht:
In Tariffragen mische ich mich
nicht ein, das ist das Feld der Sozial-
partner. Bei der Umsetzung der Reform-
vorhaben suche ich den Dialog mit den
Sozialpartnern, höre mir ihre Argu-
mente gut an und versuche manchmal,
zwischen den beiden Positionen zu ver-
mitteln.
personalmagazin:
Sie werden dem Gewerk-
schaftslager zugeordnet und stehen vor
der Herausforderung, vom Arbeitgeberla-
ger nicht in diese Ecke gestellt, sondern
in der neuen Rolle ernst genommen zu
werden. Was ist Ihre Strategie?
Albrecht:
Erstens habe ich den Austausch
mit den Arbeitgeberverbänden nicht erst
im neuen Job aufgenommen, sondern
auch schon vorher gepflegt. Zweitens
habe ich sehr intensiv das Gespräch mit
den Arbeitgeberverbänden gesucht und
hatte bislang nicht das Gefühl, dass mir
da Vorurteile begegnen. Natürlich wis-
sen alle, dass ich früher für den DGB ge-
arbeitet habe. Aber bislang hat mir noch
niemand vorgeworfen, ich würde als
Staatssekretär nur Gewerkschaftspositi-
onen vertreten. Mein Auftrag ist es, die
Vereinbarungen aus dem Koalitionsver-
trag umzusetzen.
personalmagazin:
Wie haben Sie Ihre Beru-
fung zum Staatssekretär erlebt? War das
für Sie ein Karrieresprung?
Albrecht:
Das ist erst einmal eine große
Herausforderung. Und eine Aufgabe,
vor der ich sehr viel Respekt habe – weil
damit große Verantwortung einhergeht.
Aber eben auch eine Aufgabe, die mich
sehr reizt, weil ich als Staatssekretär
an der Verbesserung der Arbeitsbedin-
gungen in diesem Land auf eine Art und
Weise mitwirken kann, wie ich das vor-
her nicht konnte.
Das Interview führte
Reiner Straub.
modellen ist. Wir haben explizit eine
Passage zum Thema „Stücklöhne“ aufge-
nommen, dass diese auch in Zukunft wei-
ter möglich sind, wenn die Mindestent-
lohnung erreicht wird. Wir schreiben
kein Vergütungsmodell vor, nur eine
Mindestabsicherung nach unten.
personalmagazin:
Was heißt das für die Ent-
geltabrechner im Betrieb? Müssen sie für
alle Mitarbeiter künftig dokumentieren,
dass der Mindestlohn gezahlt wird?
Albrecht:
Der Betrieb muss sicherstellen,
dass der Mindestlohn für alle Mitarbei-
ter bezahlt wird – so steht es im Gesetz.
Dazu wird es auch Kontrollen geben. Wir
haben in einigen Branchen, wo es be-
sonders flexible Arbeitsverhältnisse für
geringfügig Beschäftigte gibt, die Doku-
mentationspflichten, etwa Stundenzettel,
ins Gesetz aufgenommen.
personalmagazin:
Im Koalitionsvertrag sind
neben Rente mit 63 und dem Mindest-
lohn weitere Reformvorhaben vereinbart:
Zeitarbeit, Werksverträge, Teilzeitrecht.
Werden diese schon in Kürze angepackt?
Albrecht:
Wir wollen die Zeitarbeit wie-
der auf ihre Kernfunktion, nämlich Auf-
tragsspitzen abzufedern, zurückführen.
Werkverträge wollen wir als Instrument
erhalten, aber ihren Missbrauch wirk-
sam verhindern. Für Erziehende wollen
wir das Recht schaffen, nach einer Teil-
zeitphase wieder in Vollzeit zurückzu-
kehren. Das sind drei große Projekte, die
nach dem Mindestlohn noch anstehen.
Die gesetzlichen Regelungen für diese
Projekte sollen bis spätestens Ende 2015
umgesetzt werden. Das ist unser Plan.
personalmagazin:
Wann beginnen Sie mit
der Ausarbeitung der Vorhaben?
Albrecht:
Im zweiten Halbjahr dieses Jah-
res werden wir mit Überlegungen und
Gesprächen starten, der Gesetzgebungs-
prozess wird dann voraussichtlich im
nächsten Jahr stattfinden.
personalmagazin:
Jüngst haben die Piloten
bei der Lufthansa gestreikt und den Luft-
verkehr stark beeinträchtigt. Muss dem
Egoismus von Spartengewerkschaften
Einhalt geboten werden?
Albrecht:
Das Thema „Herstellung der Ta-
rifeinheit“ ist ebenfalls im Koalitionsver-
trag verankert. Aber wir wissen gleich-
zeitig, dass es verfassungsrechtlich eine
sehr schwierige Frage ist. Wir haben
deshalb eine interministerielle Arbeits-
gruppe zwischen Innenministerium, Jus
tizministerium und Arbeitsministerium
eingerichtet, die einen Vorschlag erar-
beiten wird, der dann mit den Sozialpart-
nern diskutiert wird.
personalmagazin:
Die Arbeitswelt verändert
sich rasant. Das Bundesarbeitsminis-
terium steuert mit der Initiative Neue
Qualität der Arbeit, kurz Inqa genannt,
ein Projekt, das sich damit beschäftigt.
Welche Rolle hat das Projekt?
Albrecht:
Das Projekt beschäftigt sich mit
den Trends, die unsere Arbeitswelt ver-
ändern. Die Themen Personalführung,
Chancengleichheit, Demografie oder Ge-
sundheit werden immer wichtiger. An
der nächsten Sitzung des Steuerungs-
kreises wird Ministerin Nahles teilneh-
men. Das zeigt, wie wichtig uns dieses
Projekt ist.
personalmagazin:
Zum Schluss noch drei
persönliche Fragen: Sie selbst sind
Thorben Albrecht,
44, ist seit Januar
2014 beamteter Staatssekretär im Bundes-
ministerium für Arbeit und Soziales. Der His-
toriker arbeitete zuvor beim Parteivorstand
der SPD und beim DGB-Bundesvorstand.
© bmas denzel