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Organisation
_Gesundheitsmanagement
personalmagazin 05 / 14
zeugt sein, ebenso die Führungskräfte,
der Betriebs- oder Personalrat und nicht
zuletzt die Beschäftigten selbst. Sie müs-
sen mitmachen. Damit ist die Grundvo-
raussetzung für ein exzellentes BGM
geschaffen. Das BGM muss zum Betrieb
passen, bedarfsgerecht sein und gelebt
werden. Eine Blaupause gibt es nicht.
Der entscheidende Schritt besteht darin,
aus dem BGF-Projekt ein integriertes,
selbstverständliches, von allen getrage-
nes und wie von selbst mitlaufendes BGM
zu entwickeln. Dann ist der Flow erreicht
und die Voraussetzung für eine dauerhaft
gesunde Mannschaft gegeben.
Trotz aller Individualität gibt es einen
Rahmen mit klaren Grundvorausset-
zungen, der den Weg zu einem exzel-
lenten BGM schafft.
Akzeptierte Ziele, die Spaß machen
Einfach nur ein Ziel formulieren wie
beispielweise: „Wir wollen mit dem
Krankenstand auf vier Prozent runter“
oder „wir wollen X Euro bei der Entgelt-
fortzahlung sparen“ wird nicht genü-
gen. Das Ziel eines BGM muss einfach,
realistisch und überzeugend sein. Mög-
lichst soll es den Beteiligten auch Spaß
machen. Manche Firmen mit einem ex-
zellenten BGM haben ein qualitatives
Ziel bereits in den Unternehmensgrund-
sätzen verankert, wie zum Beispiel:
„Gesundheit, leistungsfähige und moti-
vierte Mitarbeiter bilden die Grundlage
für ein erfolgreiches Unternehmen. Wir
investieren in das physische, psychische
und soziale Wohlbefinden der Mitarbei-
ter, um deren Gesundheit dauerhaft zu
fördern und um arbeitsbedingte Ge-
sundheitsrisiken zu vermeiden.“
Daraus lassen sich spezifische Ziele
ableiten, auch quantitativer Art. Al-
lerdings darf die Belegschaft nicht
überfordert werden, was an sinkenden
Beteiligungen schnell abzulesen wäre.
Fatal ist zudem, auf die falschen Themen
zu setzen, zum Beispiel ohne konkreten
Anlass die Flure mit Plakaten gegen die
Alkoholsucht voll zu hängen, was nicht
nur die Beschäftigten irritiert, sondern
auch Besucher und Kunden. Entschei-
dend ist, die Ziele mit den Betroffenen
zu finden und festzulegen, damit die Ak-
zeptanz stimmt. Alle betrieblichen Ziele
sollten zudem darauf hinauslaufen, die
Eigenverantwortung der Beschäftigten
für ihre Gesundheit zu fördern. Ohne
diese Eigenverantwortung ist kein ex-
zellentes BGM möglich.
Maßstab Mitarbeiterinteresse
Das Interesse der Firmenleitung muss
noch längst nicht von den Mitarbeitern
geteilt werden. Firmen, die nur auf den
Krankenstand und die Entgeltfortzahlung
setzen, haben das schmerzhaft erfahren
müssen. Alle haben dagegen das Interes-
se, gesund und arbeitsfähig zu bleiben.
Falls es krankmachende Faktoren im Be-
trieb gibt, müssen diese identifiziert und
abgestellt werden. Dafür gibt es bewährte
Methoden. Schwieriger herauszufinden
ist die Antwort auf die Frage, was im Be-
trieb und beim Einzelnen die Gesundheit
fördert. Aber darauf kommt es an und
ein gut besetzter Arbeitskreis Gesund-
heit kann Antworten geben. Schriftliche
Befragungen der Belegschaft, nach dem
Motto „was hätten Sie denn gerne?“,
sind dagegen selten von Erfolg gekrönt.
Neues, auch modisches, kann durchaus
ausprobiert werden, wenn es pfiffige
Ideen sind und diese zum Unternehmen
passen. Zum Beispiel kann man – statt
gesunde Getränke ins Kantinenregal zu
stellen – ein „Saftladentag“ organisie-
ren, an dem die Auszubildenden die ge-
sunden Getränke mixen und ausgeben
und gleich das Rezept dazu liefern. Die
Beschäftigten stehen dann Schlange.
Professionelle Anfangsberatung
Aller Anfang ist schwer und so ist es
auch beim BGM. Obwohl der Einstieg
in ein exzellentes BGM unkompliziert
mit niedrigschwelligen Angeboten sein
sollte, empfiehlt sich stets eine professio-
nelle Beratung durch erfahrene BGM-Ex-
perten. Sie können beim Einstieg beraten
und die nächsten Schritte beschreiben.
Damit wird ein falscher Anfang eben-
so vermieden wie unnötige Ausgaben.
BGM-Experten wissen auch, wer beim
BGF unterstützen kann, und zwar per-
sonell wie finanziell. Für Krankenkas-
sen und Berufsgenossenschaft sind
Betriebliche Gesundheitsförderung oder
Gesundheitsschutz Pflichtleistungen. Ex-
terne Berater eignen sich anfangs auch
als neutrale und erfahrene Moderatoren
Alles unter einem Dach: Das Haus der Arbeitsfähigkeit beherbergt die Faktoren, die die
Arbeitsfähigkeit des Mitarbeiters und so die Gesundheit des Unternehmens bestimmen.
Quelle: FIOH, Tuomi, ilmarinen
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