05 / 14 personalmagazin
Wechselhürden erzwungen werden,
sondern im Optimalfall sollte der
Saisonmitarbeiter aus Überzeugung
immer wieder an den Arbeitsplatz
im Saisongeschäft zurückkehren.
Um dieses zu erreichen, sollte für
das psychische und physische Wohl-
befinden des Mitarbeiters gesorgt
sein und die Möglichkeit bestehen,
sich mit einer symbolischen Gruppe
identifizieren und mit den jeweiligen
Mitgliedern kooperieren zu können.
So wird ein Gefühl der Zugehörigkeit
und Anerkennung erzeugt, welches
sich positiv an den Betrieb anheftet.
Herausforderungen für den Chef
Führungskräfte, die die Bedürfnisse
und Erwartungen ihrer Mitarbei-
ter kennen und berücksichtigen,
erzielen eher eine dauerhaft hohe
Arbeitszufriedenheit, Leistungsbe-
reitschaft und Produktivität und da-
raus resultierend eine längerfristige
Mitarbeiterbindung. Auf den Punkt
gebracht heißt das: Eine geringe
Verbundenheit der Mitarbeiter ist
vielfach das Ergebnis von Defiziten
in der Führung. Wenn Vorgesetzte
aber anspruchsvolle und erreichba-
re Ziele setzen sowie empathisch
und fair mit den Mitarbeitern um-
gehen, ist dies ein starker Faktor
für die Bindung. Die bisherigen Un-
tersuchungen zielen in diesem The-
mengebiet auf Dauerbeschäftigte ab.
Daher besteht an dieser Stelle wei-
terer Forschungsbedarf in der Ana-
lyse der hier im Fokus stehenden
Zielgruppe Saisonmitarbeiter.
Voraussetzung für die Entwick-
lung spezifischer Mitarbeiterbin-
dungsgruppen ist allerdings die
Kenntnis des Arbeitgebers über die
jeweiligen Arbeitsmotive der Saison-
kräfte, wie oben beschrieben. Hier
bedarf es einer Entwicklung von In-
formationsinstrumenten und auch
Kriterien, die einem Arbeitgeber die
Auswahl von bindungswilligen und
-geeignetenMitarbeitern erleichtern.
Wenn man über Mitarbeiterbindung
im Saisongeschäft nachdenkt, gilt
es auch festzulegen, welche Mitar-
beiter gebunden werden sollen. Bei
einem optimalen Personalbindungs-
management kommen nur leistungs-
starke Mitarbeiter in der nächsten
Saison zurück.
Zukunftsperspektive: Betriebs-
übergreifende Kooperationen
Die Entwicklung und Implementie-
rung von Maßnahmen zur Mitarbei-
terbindung stellt für Unternehmen
einen nicht unerheblichen Kosten-
faktor dar. Das heißt, jeder Destina-
tionenanbieter muss abschätzen, ob
der langfristige Nutzen von Mitar-
beiterbindungsmaßnahmen
höher
ist als die Kosten für diese. Es stellt
sich daher die Frage, inwieweit Ko-
operationen mit Anbietern aus an-
deren Destinationen zu Synergie
effekten und damit zur Realisierung
eines optimalen Kosten-Nutzen-Ver-
hältnisses beitragen kann. Beispiels-
weise könnte ein Skihotel in Bayern
mit einem Hotel am Meer an der
Nord- oder Ostseeküste in der Form
kooperieren, dass die Mitarbeiter im
Winter in Bayern und im Sommer an
der Küste arbeiten. Dies sollten Un-
ternehmen auch andenken.
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Prof. Dr. Kristin
Butzer-Strothmann
lehrt Allgemeine BWL,
insbesondere Marketing
und Empirische Sozialforschung, an der
Leibniz-Fachhochschule in Hannover.
Janine Reimers
ist
Studentin der Leibniz-
Fachhochschule in
Hannover.
Sandra Wöltje
ist
Studentin der Leibniz-
Fachhochschule in
Hannover.