Seite 47 - personalmagazin_2014_10

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wicht auseinander, insbesondere wenn
es mehr als die zwei bis drei üblichen
„Wohlfühl-Kilos“ sind?“ Doch der Chef
als Vorbild überzeugte. Er räumt selbst­
kritisch ein: „Keiner tut sich leicht da­
mit zuzugeben, dass er selbst überge­
wichtig ist, geschweige denn, andere
darauf anzusprechen.“ 17 Männer tra­
fen sich schließlich Anfang 2014 zum
ersten Informationsabend mit Dr. Dirk
Padberg, der das Projekt von ärztlicher
Seite betreute und bis heute von der
Motivation der Teilnehmer begeistert
ist: „Nach anfänglicher Skepsis war Ab­
nehmen plötzlich ganz cool.“ Doch wie
hält jemand Diät, der Bus fährt und im
Schichtdienst arbeitet? Das Abnehm-
Konzept punktete mit Praktikabilität,
intensiver Betreuung und guter Um­
setzbarkeit im Arbeitsalltag. Das Ergeb­
nis nach zwölf Wochen: Die Teilnehmer
haben insgesamt fast 200 Kilo Körper­
gewicht verloren und dabei sichtlich an
Lebensfreude gewonnen. Weil die Ak­
tion so erfolgreich war, hat die KVG in­
zwischen einen weiteren Kurs gestartet.
Anders als beim ersten Durchgang sind
diesmal auch Frauen mit dabei.
Hafenbetriebe: Check-up to go
Rund 6.000 Mitarbeiter betreuen Dr.
Peter von Coburg und seine Kollegen
in den Hafenbetrieben von Wilhelms­
haven, Bremen, Bremerhaven und Ham­
burg. 95 Prozent der Beschäftigten sind
männlich. Viele haben gesundheitliche
Probleme, Schichtdienst ist die Regel.
An ihrem Arbeitsplatz herrscht an 365
Tagen im Jahr Hochbetrieb.
„Diese Männer sehe ich nie in meiner
Praxis“, berichtet von Coburg, der den
arbeitsmedizinischen Dienst AMD Han­
se leitet. Speziell für sie wurde das For­
mat „Check-up to go“ entwickelt. „Auch
Männer wissen, dass Rauchen ungesund
ist. Was sie aber viel mehr interessiert,
Schlüssel zur Zielgruppe der Männer im
Abholen vor Ort – und im einordnenden
Gespräch. Männer wollen Zusammen­
hänge verstehen, einzelne Labordaten
interessieren sie nicht. „Wenn sie aber
begriffen haben, warum ein bestimmter
Wert wichtig ist und wie sie ihn beein­
flussen können, dann haben sie auch
Lust, Verantwortung für sich zu über­
nehmen.“ Und damit wäre das vielleicht
wichtigste Ziel doch schon erreicht.
ANETTE VON LÖWENSTERN
ist freie Journalistin und Fach-
autorin in Hamburg.
ist die Frage: Wie hoch ist mein individu­
elles Risiko und was kann ich dagegen
tun?“, so von Coburg. In einem 15-mi­
nütigen Test erheben die Mediziner Da­
ten zu den „Big Five“ der männlichen
Gesundheitsrisiken: Rauchen, Blut­
hochdruck, Alkohol, Cholesterin und
Übergewicht. „Am Schluss gibt es eine
Auswertung mit vielen bunten Pfeilen.
Und dann sieht man die Männer zusam­
menstehen und sich vergleichen“, sagt
von Coburg. Für den Mediziner liegt der
„Männer definieren sich über Leistung.
Also sprechen wir ihre Leistungsfähig­
keit an, nicht ihre Defizite.“
Dr. Peter Kölln, Facharzt für Arbeitsmedizin, Bremen