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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
cken – die Videos müssen inhaltlich re-
levant für die Zielgruppe sein und einen
direkten Mehrwert bieten.
Als besondere Herausforderung
kommt im Bereich „Bewegtbild“ noch
hinzu, dass die Videos ihr Publikum
unterhalten müssen. Tun sie dies nicht,
wechseln die Nutzer zügig zu einem an-
deren Video. Allerdings geht es in einem
Image- oder Recruitingvideo nicht vor-
nehmlich um Spaß – die Nutzer suchen
in erster Linie nach Informationen über
einen Arbeitgeber oder eine konkrete
Tätigkeit. Der Wunsch nach Unterhal-
tung und Kurzweiligkeit muss vielmehr
durch entsprechende dramaturgische
Elemente und einen professionellen Vi-
deoschnitt erfüllt werden.
Standards für ein gutes Video
Die Profis sind sich einig: Inhaltlich
sollten die HR-Videos ein realistisches,
authentisches Bild vom Unternehmen
oder der angebotenen Stelle wiederge-
ben, ohne den grundlegenden Vorteil
der emotionalen Wirkung von einer
Bewegtbildkommunikation zu vernach-
lässigen. Die auf Unternehmensvideos
spezialisierte Agentur Filmfaktur führt
in ihrem Blog „Employer-Branding.tv“
wichtige Faktoren für Image- oder Kar-
rierevideos auf: Authentizität, tiefe Ein-
blicke, Emotionen sowie schnelle und
einfache Informationsaufnahme.
Auch über das Format und die Länge
eines Videos gilt es zu entscheiden. Die
Länge hängt von der Machart des Videos
ab. In einem Recruitingvideo sollten die
relevanten Informationen straff und
kompakt vermittelt werden. Zwei Minu-
ten stellen die Obergrenze dar. Ist eine
Geschichte interessant, spannend und
unterhaltsam erzählt, so kann das Video
auch etwas länger sein. Für Image- oder
Karrierevideos empfehlen wir maximal
vier Minuten Länge. Als Ausgangsfor-
mat ist High Definition (HD) anzuraten.
Das ist ein Film- und Fernsehstandard
mit einer Auflösung von 1.920 x 1.080
Bildpunkten, der immer mehr Einzug
in die stationäre und mobile Endgeräte-
landschaft hält. HD hat den Vorteil, dass
mit einer hohen Qualität aufgenommen
wird und in die meisten Videoformate
zum Beispiel für Youtube oder Vimeo
umkonvertiert werden kann.
Produktionszeiten und -kosten
„Last but not least“ ein Blick auf die Pro-
duktionszeiten und -kosten: Die Herstel-
lung eines Image- oder Karrierevideos so-
wie eines Recruitingvideos erfordert hohe
Professionalität. Die Entwicklung eines
schlüssigen Konzepts sollte unbedingt
die Kultur und die Corporate Identity ei-
nes Unternehmens einbeziehen, um die
gewünschten Ergebnisse zu erreichen.
Am Anfang steht die Ideenfindung. Aus
der Idee wird ein Konzept entwickelt.
Dieses bildet die Grundlage für die Auf-
stellung eines Produktionsplans und die
Kalkulation der Produktionskosten. Rea-
listischerweise sollten Konzept und Kal-
kulation sechs Wochen vor Drehbeginn
stehen. Protagonisten, Drehorte und die
Empirische Studienbefunde lassen ein deutliches Potenzial für den Einsatz von
Image- und Recruitingvideos erkennen.
Studien zum Videoeinsatz
HINTERGRUND
„Video-Content in Online-Jobbörsen“ ist der Titel einer Studie der Fachhochschule
Düsseldorf in Kooperation unter anderem mit Job TV 24 (2011). In Form eines A/B-Tests
wurden aus Bewerberperspektive Anzeigen mit Video (n = 131) und ohne Video (n
= 140) gegenübergestellt. Kernaussage: In Online-Stellenanzeigen vermitteln Videos
neben einem Gesamteindruck vor allem essentielle Kriterien wie Unternehmenskultur
und Arbeitsatmosphäre. Die Videos können die Bewerbungswahrscheinlichkeit erhöhen
und somit einen Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt bieten. Bewerber bewerten
Videos in Stellenanzeigen mehrheitlich sehr positiv. So zeigten sich rund 43 Prozent der
Befragten erfreut über das Vorhandensein von Unternehmensvideos oder setzten Videos
für die Stellenauswahl sogar voraus. Unternehmen mit Videos werden in Stellenanzei-
gen gegenüber denen mit Anzeigen ohne Video beispielsweise als freundlicher und
teamorientierter wahrgenommen.
In einer Studie der Hochschule der Medien, Stuttgart, in Kooperation mit der Königstei-
ner Agentur (2012) führten Bachelor-Studierende eine Umfrage durch und werteten
60 Videos verschiedener Unternehmen hinsichtlich ihres Zusatznutzens und effektiven
Verbreitungswegen aus. Kernaussage: Kurze Recruiting-Videos (unter drei Minuten
Dauer) werden von Bewerbern als Ergänzung wahrgenommen und ersetzen weder die
klassische Stellenanzeige noch Employer-Branding-Maßnahmen wie das Image-Video.
Erwartet werden sie hauptsächlich auf der Unternehmenswebsite oder dem Karrierepor-
tal des Unternehmens aber auch auf Plattformen wie Youtube. Besonders relevant sind
Recruiting-Videos für Berufseinsteiger und Trainees. Das höchste Interesse besteht im
Bereich Marketing, PR und der Medienbranche.
Eine Eye-Tracking-Studie der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Centre of Human
Resources Informationsystems (CHRIS), in Kooperation mit Monster Deutschland (2014)
stellte in einem A/B-Testing zwei unterschiedlich aufbereitete Online-Stellenanzeigen
für das gleiche Jobangebot gegenüber. Stellenanzeige A war eine nüchterne Textanzei-
ge. Die B-Variante war eine sogenannte Employer-Branding-Anzeige, in die aktivierende
Bilder, animierte Boxen mit Zusatzinformationen sowie Reiter zum Aufklappen und Wei-
terlesen eingebettet waren. Kernaussage: Die Wirkung von Employer-Branding-Anzeigen
mit integriertem audiovisuellem Content ist wesentlich höher als bei vergleichbaren
schlichten, normalen Stellenanzeigen ohne zusätzliche Employer-Branding-Elemente.
Bei einer Employer-Branding-Anzeige verweilt der Besucher fast doppelt so lange (im
Durchschnitt 3,7 Minuten) wie bei einer Standardanzeige (1,94 Minuten).