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_VIDEOS
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für Traineeprogramme oder spezifische
Berufsfelder. Vereinzelt übernehmen
Recruitingvideos nicht nur die Ergän-
zungsrolle, sondern stellen den Erstkon-
takt mit dem Jobangebot her. Erst aus
dem Video heraus wird dann auf eine
klassische Online-Stellenanzeige und/
oder auf die Karrierewebseite verlinkt.
Wie HR-Videos wirken
Seit einiger Zeit versucht man, dem wah-
ren Mehrwert von Image- und Karriere-
videos für das Employer Branding sowie
von Recruitingvideos für die unmittelba-
re Personalbeschaffung auf die Spur zu
kommen. Um zu allgemeingültigen und
verlässlichen Aussagen zu kommen, ist
die empirische Datenlage jedoch noch zu
gering. Natürlich können die Videoauf-
rufe bei Youtube oder den anderen Por-
talen schnell und problemlos ermittelt
werden. Eine qualitative Aussagekraft
ist damit aber nicht verbunden.
Einige Studien aus dem akademischen
Bereich, meist in Kooperation mit
Marktanbietern durchgeführt, konstatie-
ren ein zunehmendes Interesse an audio
visuellem Content und ein wachsendes
Nutzungspotenzial für HR-Videos.Aber
es ist noch kein empirischer Einzel-
nachweis erbracht, dass ein Arbeitge-
ber durch den Einsatz von Videos einen
bestimmten Grad an Bekanntheit oder
Attraktivität dazugewonnen hat.
Gleiches gilt im Prinzip für die Recrui-
tingvideos. Zwar lässt sichhier inEinzelfäl-
len der Nachweis führen, dass die Anzahl
der Bewerbungen bis zu viermal höher
ausgefallen ist als bei vergleichbaren Stel-
lenausschreibungen ohne Videocontent,
aber auch dies ist keine allgemeingültige
Formel. Um den Erfolgspotenzialen von
Recruitingvideos weiter auf die Spur zu
kommen, führte die Hochschule Rhein-
Main in Kooperation mit Jobware im Früh-
jahr 2014 eine empirische Studie durch
(siehe nachfolgender Artikel).
Wer die Videos produziert
Als Produzenten von Image- oder Kar-
rierevideos sowie von Recruitingvideos
Der Praktikum-Rap: 2012 konnten
Leser des „Karriere Spiegel“ peinliche
Image- und Karrierevideos einreichen.
Unter die Top Ten der „furchtbaren
Firmenfilme“ kam unter anderem der
Rap „Steh auf“ von BMW.
VIDEOS IN DER APP
In der Personalmagazin-App können Sie
die hier beschriebenen Videos direkt
aufrufen und ansehen.
Der Polizei-Rap: Zum „peinlichsten
Karrierevideo 2013“ kürten alle Interes-
sierten an der Verleihung „Die goldene
Runkelrübe der HR-Kommunikation“
das Karrierevideo der Polizei Nordrhein-
Westfalen. Auch hier wird gerappt.
Der TV-Spot: Der Queb-Award 2013
ging laut Jury-Entscheid an die au-
diovisuelle Kampagne „Kein Job wie
jeder andere“ der Deutschen Bahn. Der
inhaltlich und technisch gut umgesetzte
Spot lief sogar im TV-Programm.
treten in erster Linie die Personalmar-
keting-Bereiche der Unternehmen auf.
Diese arbeiten meist mit Dienstleistern
zusammen, die sich auf die Produktion
und Verteilung von Videos spezialisiert
haben. Auch Online-Jobbörsen bieten
ihren Kunden zunehmend audiovisuel-
len Content in oder um ihr Kernprodukt
Online-Stellenanzeigen als Mehrwert
an. Gelegentlich setzen Unternehmen
auch in der Tradition des Web 2.0 auf
sogenannten „user-generated content“
– Medieninhalte, die von den Nutzern
selbst erstellt werden. Dass dies gele-
gentlich fehlschlägt und zu Spott bei der
avisierten Zielgruppe führt, lässt sich
an einigen Beispielen im Internet nach-
vollziehen. Dort finden sich aber auch
zahlreiche Beispiele von Image- und
Karrierevideos, die in Zusammenarbeit
mit professionellen Produktionsfirmen
entstanden sind und dennoch von den
Internetnutzern geschmäht wurden.
Bereits im Juli 2012 hat die Redaktion
von „Karriere Spiegel“ unter dem Titel
„Die Parade des Schreckens“ eine Liste
von zehn „gruseligen“ Videos erstellt.
Darunter finden sich Videos von BMW,
Edeka, Aldi Süd, Vattenfall und der Ober-
finanzdirektion Koblenz – alle von Lesern
des Magazins eingereicht. Auf Basis ei-
ner Internet-Abstimmung wurde 2013 die
„goldene Runkelrübe“ für das „peinlichste
Karriere-Video“ an die Polizei NRW verge-
ben. Aber es gibt auch zahlreiche positive
Beispiele für Imagevideos. So wurde die
audiovisuelle Kampagne „Kein Job wie je-
der andere“ der Deutschen Bahn mit dem
Queb-Award 2013 ausgezeichnet.
Grundregeln für Videos
Generell ist zu beobachten, dass er-
folgreiche Videoformate bestimmten,
grundlegenden Erkenntnissen und
Verfahren der Videoproduktion folgen.
Videos können nur positiv auf die Ar-
beitgebermarke und die Kommunikati-
onsziele des Unternehmens einwirken,
wenn sie formal-ästhetisch auf einem
ansprechenden Niveau sind. Außerdem
gilt: Der Köder muss dem Fisch schme-
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