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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Chemiegespräch hat für den Klienten
zum Ziel, einen ersten fachlichen und
persönlichen Eindruck vom Coach zu er-
halten und sich sicher zu werden, ob der
Business Coach sich aus seiner Sicht für
das geplante Coaching eignet. Ebenfalls
soll im Chemiegespräch für den poten-
ziellen Coach die Erkenntnis reifen, ob er
sich für den Fall als fachlich und persön-
lich geeignet empfindet.
Hat der Klient sich im Anschluss an
das oder die Chemiegespräch(e) für ei-
nen Business Coach entschieden, so
informiert er die Personalentwicklung.
Diese teilt dem Coach die Entscheidung
des Klienten mit und erfragt von diesem
ebenso seine Zustimmung. Sind sich
Business Coach und Klient einig, so
bringt die Personalentwicklung den Ver-
trag auf den Weg. Sie bittet den Coach
um ein konkretes Angebot, in dem der
Stundensatz je Coaching-Stunde und
auch der anzunehmende Umfang der
Coaching-Einheiten vermerkt werden
müssen.
Interne Stakeholder, externer Coach
Während in früheren Business-Coa-
ching-Prozessen in der Regel Coach
und Klient zu diesem Zeitpunkt direkt
Termine für Sitzungen vereinbarten,
wird nach der neuen prozessualen Pha-
senregelung ein gemeinsames Treffen
zwischen Business Coach, Klienten,
Vorgesetztem und gegebenenfalls der
Personalentwicklung oder einem betei-
ligten HR Business Partner vereinbart.
In diesem Gespräch wird die Problem-
oder Ist-Situation, die zur Entscheidung
für ein Business Coaching geführt hat,
erörtert und die Erwartungs- und An-
spruchshaltungen der unterschied-
lichen Stakeholder-Gruppen an das
Business Coaching werden verbalisiert.
Sowohl für den Business Coach als auch
für den Klienten, den Vorgesetzten, die
Personalentwicklung und den HR Busi-
ness Partner ergibt sich nun ein holisti-
sches und ausgewogenes Bild aller Ziele
und Erwartungen, die die betroffenen
Stakeholder-Gruppen mit dem Busi-
ness Coaching verbinden. Insbesondere
dem Business Coach kommt in dieser
Prozess­phase die Aufgabe zu, Erwar-
tungshaltungen der Stakeholder abzu-
gleichen und auf Interessendivergenzen
zu prüfen. Wenn es an diesem Punkt
Erwartungshaltungen gibt, die nicht
vereinbar sind, gilt es diese bereits hier
zu adressieren und zu diskutieren.
Coach und Klient entscheiden über
das Wie, Wo und Wann
Das vertraglich vereinbarte Budget für
das Business Coaching darf nicht über-
schritten werden. Falls zusätzliche Kos-
ten auftreten, müssen der Vorgesetzte
und die Personalentwicklung die nicht
budgetierte Dienstleistung gesondert
freigeben. Nachdem die vertragliche
Vereinbarung zwischen Business Coach
und Unternehmen unterzeichnet ist,
verabreden Klient und Business Coach
erste Termine. Wie, wo und wann sich
Coach und Klient sehen, steht ihnen frei.
Stattgefundene Termine hält der Busi-
ness Coach auf einem von der Personal-
entwicklung zur Verfügung gestellten
Tabellenblatt fest und der Klient unter-
schreibt diese. Die Abschlussrechnung
muss alle Termine dokumentieren und
dient als Abrechnungsgrundlage.
Hinsichtlich der Inhalte oder der me-
thodischen Vorgehensweise machen
Personalentwicklung und andere Stake­
holder-Gruppen dem Business Coach
keine Vorgaben. Die im Vorfeld statt-
findende Prüfung potenzieller Coachs
hinsichtlich der Qualitätskriterien der
Stakeholder-Gruppen und insbesondere
der Personalentwicklung ist dem Unter-
nehmen Qualitätsausweis genug.
Sind Business Coach und Klient sich
einig, dass die gewünschten Ziele und
Erwartungen erreicht worden sind, so
teilen sie dies der Personalentwicklung
und dem Vorgesetzten mit. Es schließt
sich ein Nachgespräch zum Business
Coaching mit den Stakeholder-Gruppen
an, um sicherzustellen, dass die Ziel-
stellungen und Erwartungen aller am
Prozess Beteiligten adäquat adressiert
worden sind.
DieProzessketteendet,wennderKlient
die standardisierten Evaluationsbögen
ausgefüllt und diese an den Business
Coach und die Personalentwicklung wei-
tergeleitet hat. Abschließend erfolgt die
Abrechnung des Business Coachings mit
der Personalentwicklung.
Der innovierte Prozess wird beim
Unternehmen Otto Bock seit dem Jahr
2012 eingesetzt. Sowohl Klienten, Vor-
gesetzte, Personalentwickler und HR
Business Partner sowie die eingesetzten
Business Coachs sind von den Ergeb-
nissen des Prozesses und seiner klaren
Phaseneinteilung überzeugt. „Durch den
novellierten Business-Coaching-Prozess
stellen wir sicher, dass alle beteiligten
Interessengruppen Gehör finden und
ihre Erwartungen an ein geplantes Busi-
ness Coaching verbalisieren können“,
resümiert Michael Schmidt, Director
Corporate Human Resources Develop-
ment, die Erfahrungen mit dem neuen
Prozess. „Die Praxiserfahrung zeigt,
dass hierdurch die Akzeptanz für dieses
Element der Personalentwicklung deut-
lich verbessert wurde.“
Dr. Jens Knese
ist Business
Coach und Unternehmensbe-
rater. Er lehrt an der FHDW
Paderborn/Bielefeld und ist
Gründer der Knese Coaching-Consulting mit
Sitz in Hannover.
Janke Behnen
arbeitet in
der Personalentwicklung der
Otto Bock Health Care GmbH
mit den Schwerpunkten Busi-
ness Coaching, Führungskräfteentwicklung,
Potenzialanalyseverfahren und Diagnostik.
Hinsichtlich der Inhal-
te oder methodischen
Vorgehensweise machen
Personalentwicklung
und andere Stakeholder-
Gruppen dem Coach
keine Vorgaben.