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Management
_Persönlichkeitsfragebogen
personalmagazin 01 / 14
Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Ein Zirkustrick sichert den Erfolg
Eines der größten Probleme bei der Be-
urteilung von Persönlichkeitsfragebo-
gen: das subjektive Evidenzgefühl, das
durch die aufgrund des Fragebogens
generierten Gutachten und Reports er-
zielt wird. In der Regel sind sich Anwen-
der von Persönlichkeitsfragebogen sehr
sicher, dass die aus den Fragebogen
abgeleiteten Aussagen zutreffend und
stimmig sind. Bei der Gestaltung des
Feedbacks machen sich die Verfahrens
konstrukteure die Tatsache zunutze,
dass es Aussagen gibt, die mehr oder
minder auf alle Menschen zutreffen.
Darüber hinaus profitiert man von dem
Umstand, dass Menschen häufig posi-
tive Illusionen über ihre Persönlichkeit
haben. Verwendet man in einem Gut-
achten vage, universelle und tendenziell
positive Aussagen, die eigentlich auf
alle Menschen zutreffen, so werden die-
se von den begutachteten Personen als
eine Beschreibung ihrer individuellen,
einzigartigen Persönlichkeit interpre-
tiert. Dies ist der wissenschaftlich gut
untersuchte „Barnum-“ oder „Forer-Ef-
fekt“. Die Aussagen, die Forer in seiner
– mehrfach replizierten – Studie für die
Rückmeldung zu einem Persönlichkeits-
fragebogen genutzt hat, waren (sehr frei
übersetzt):
• In Ihnen stecken ungenutzte Poten
ziale.
• Sie haben ein hohes Bedürfnis nach
Anerkennung.
• Trotz ihres kontrollierten und diszipli-
nierten Auftretens sind Sie manchmal
innerlich besorgt und unsicher.
• Sie sind ein unabhängiger Kopf, der
die Aussagen von anderen nicht ein-
fach ungeprüft übernimmt.
Alle Personen, die in der Studie einen
Persönlichkeitsfragebogen
ausgefüllt
hatten, bekamen denselben Text als
Persönlichkeitsgutachten. Gleichwohl
waren alle überzeugt davon, dass das
Gutachten ihre Individualität überwäl-
tigend gut wiedergeben würde. Daraus
kann man folgern, dass der Nachweis
der Qualität eines Verfahrens über das
„subjektive Evidenzgefühl“ für jeden
beliebigen Fragebogen erbracht werden
kann, wenn er sich dieses Zirkustricks
bedient – schließlich war „Barnum“,
der Namensgeber für den Effekt, ein be-
rühmter Zirkusdirektor.
Mehr noch: Ernsthafte Verfahren,
die auf universelle Aussagen verzich-
ten, haben sogar einen grundsätzlichen
Akzeptanznachteil. Das subjektive Evi-
denzgefühl, die feste Überzeugung, dass
der Fragebogen stimmige Ergebnisse
erbringt, ist leider kein überzeugendes
Argument für einen Persönlichkeits-
fragebogen – und somit sind auch die
Stimmen zufriedener Teilnehmer und
Kunden, die gegebenenfalls lediglich auf
den Barnum-Effekt hereingefallen sind,
nur bedingt vertrauenswürdig.
Objektive Beurteilungsrichtlinien vom
Testkuratorium
Es ist verlockend, sich bei der Wahl ei-
nes Persönlichkeitsfragebogens auf das
Urteil der anderen oder auf das Bauch-
gefühl zu verlassen. Dies gilt umso
mehr, als die Prüfung der belastbaren
Informationen zeitaufwendig ist und
Expertise erfordert. Seit einigen Jahren
hat sich die Situation aber etwas ver-
bessert: Experten haben ihr Know-how
zur Qualitätsbeurteilung von Tests und
Fragebogen zusammengetragen und für
die Praxis anwendbar aufbereitet. Zu-
nächst hat die Expertenkommission, die
die Din-Norm 33430 für die interne und
ja
nein
nicht zu
bewerten
Anmerkungen
Quelle (Seite)
Die theoretischen Grundlagen des Verfahrens sind
beschrieben.
In den Verfahrenshinweisen werden die Ergebnisse einer
oder mehrerer empirischen/empirischer Untersuchung(en)
berichtet.
Die herangezogenen Normwerte entsprechen der Referenz-
gruppe der Zielgruppe.
Die Angemessenheit der Normwerte wurde in den vergan-
genen acht Jahren überprüft.
Die Zuverlässigkeit wurde über die Retest-Methode
bestimmt oder die Retest-Reliabilität wurde durch einen
geeigneten Untersuchungsplan geschätzt.
Aus den Verfahrenshinweisen wird deutlich, welche empi-
rischen Nachweise der Inhalts- und/oder Kriteriums- und/
oder Konstruktgültigkeit eine Anwendung des Verfahrens
für den intendierten Anwendungszweck rechtfertigen.
Checkliste
Quelle: kersting
Mit der Checkliste „Anforderungen an Verfahrenshinweise“ können Anwender über-
prüfen, ob ausreichend Informationen über einen Persönlichkeitsfragebogen oder -test
vorliegen. Die Tabelle zeigt Beispiele dafür auf. Die vollständige Checkliste steht unter
m Download bereit.
Ablaufdiagramm
Normgerechte Eignungs-
beurteilung nach Din 33430 (HI2522285)
Die Arbeitshilfe finden Sie im Haufe
Personal Office (HPO). Internetzugriff:
ARBEITSHILFE