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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Forschungsergebnisse in Formvon syste-
matischen Reviews oder die quantitative
Zusammenführung durch Metaanalysen
sind für den Praktiker somit wertvoller
als sporadische Einzelstudien.
Profi werden
Der Leitsatz des Internetzeitalters „Wich-
tige Informationen werden mich auto-
matisch erreichen“ gilt für Forschungs-
ergebnisse leider nicht. Wissenschaftler
schreiben für andere Wissenschaftler
und nicht für Praktiker. Medien berich-
ten nicht unbedingt über wichtige, son-
dern vorwiegend über neue, emotional
aufgeladene und möglichst personali-
sierbare Themen. Wenn Sie Forschungs-
ergebnisse für Ihre betrieblichen Ent-
scheidungen nutzbar machen wollen,
sollten Sie proaktiv und systematisch
vorgehen. Dabei können Ihnen folgende
fünf Praxistipps helfen.
Erstens: Beginnen Sie mit Ihrer konkre-
ten Frage.
Zweitens: Nutzen Sie eine spezialisierte
Suchmaschine wie „Google Scholar“ zur
Recherche.
Drittens: Lesen und bewerten Sie For-
schungsberichte praxis-, nicht wissen-
schaftsorientiert, indem Sie sich auf
folgende Elemente konzentrieren: For-
schungsfrage, Methodik, Ergebnis und
praktische Implikationen.
Viertens: Fassen Sie die Ergebnisse in
einem Kurzgutachten zusammen.
Fünftens: Integrieren Sie Forschungser-
gebnisse als komplementäre Datenbasis
in den Entscheidungsprozess.
Mit etwas Übung werden Sie zu
Trendthemen innerhalb weniger Stun-
den einen Überblick über den For-
schungsstand gewinnen. Es ist nicht
einfach, aber vermutlich einfacher als
Sie denken.
Prof. Dr. Heiko Weck-
müller
lehrt Internationales
Management an der FOM
Hochschule für Oekonomie
und Management in Bonn.
Wissenschaftliche Forschungsergebnisse sind …
Falsch Lösbar
... schwer zu finden
... schwer zu verstehen
... nicht relevant für mein Unternehmen
... für Berufserfahrene ohne Mehrwert
... zu theoretisch
... widersprüchlich
Auswahl gängiger (Vor-)Urteile
Quelle: Heiko Weckmüller, „Exzellenz im Personalmanagement“
Unter Praktikern kursieren zahlreiche Vorurteile gegenüber der Personalforschung.
Manche davon sind schlicht falsch, einige zwar teilweise richtig, aber lösbar.
Diese Effekte dürften beispielsweise
mitverantwortlich dafür sein, dass die
Unterschiede in den arbeitsbezogenen
Werten und Grundeinstellungen zwi-
schen Vertretern der Generation Y und
der Vorgängergeneration auf der Basis
des in der Praxis weit verbreiteten erfah-
rungsgeleitet-intuitiven Entscheidungs-
verhaltens deutlich überschätzt werden.
State of the Art statt News
Die moderne mediale Welt ist auf Neu-
artigkeit ausgerichtet. Über Forschungs-
ergebnisse wird dann berichtet, wenn
sie neu sind. Für unternehmerische
Entscheidungen ist Richtigkeit aber
wichtiger als Neuartigkeit. Auch ein
Arzt sollte neueste Studien kennen, bei
der Therapieauswahl kommt es aber
auf den gesamten Stock an gesichertem
Wissen an, der in Behandlungsleitlinien
zusammengefasst wird.
Gerade in Themengebieten, die gut
erforscht sind, widersprechen sich ein-
zelne Studien häufig und erst aus der
Gesamtschau ergeben sich klare Muster.
Aus wissenschaftlicher Literatur lässt sich auch Praxisnutzen ziehen.