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hatte er Einblick in viele Personalabtei-
lungen – und stellte fest, wie die Realität
in den meisten Unternehmen aussah:
Abgesehen von Lohn und Gehalt wurde
alles manuell mit Karteikarten verwal-
tet. „Im Personalbereich fehlte etwas,
um einfach auf Personaldaten zugreifen
zu können und um Informationen zu
gewinnen“, so Wolfgang Witte. Gemein-
sam mit Richard Manuel fasste er den
Entschluss, dieses Manko zu beseitigen.
Personalarbeit am PC
Gut zwei Jahre arbeiteten sie an einer
Lösung, zunächst auf mittlerer Daten-
technik, später auf einem der ersten
PCs. 1983 folgte dann die Firmengrün-
dung. Das erste Personalinformations-
system wurde bei einem Kaufhaus in Pa-
derborn installiert. Der mittelständische
Arbeitgeber hat damals schon Personal
sehr wertgeschätzt und die Chancen ei-
nes solchen Systems erkannt. Aber die
meisten anderen Firmen hatten noch
andere Ansichten zu computergestütz-
ter Personalarbeit. Zunächst fiel es den
Firmengründern schwer, Kunden zu ge-
winnen. Am ehesten bereit zeigten sich
US-Unternehmen, für die der PC geläu-
figer war und die bereits ein anderes
Verständnis von Personalarbeit hatten.
Der Durchbruch kamdannmit der stär-
keren Verbreitung von Textverarbeitung
und Tabellenkalkulation im Arbeitsall-
tag und mit den ersten Schnittstellen zu
den bestehenden Lohn- und Gehaltspro-
grammen. Schnell erkannten Witte und
Manuel auch, dass unterschiedliche
Unternehmen unterschiedliche Anfor-
derungen an Software haben. Deshalb
entwickelten sie ihre Lösung immer stär-
ker in Richtung Standardsoftware mit
hoher Individualisierungsmöglichkeit.
Meilensteine von HR-Software
Die wichtigsten Meilensteine in 30 Jah-
ren HR-Software sieht Wolfgang Witte
in der Einführung des PCs, der Verbrei-
tung grafischer Nutzeroberflächen und
natürlich im Internet. „Heute sind die
Personalabteilungen technologisch ganz
gut aufgestellt“, meint er. „Aber Technik
ist nicht alles, sie muss auch gern ange-
wendet werden. Noch nicht so weit sind
viele Anwender, wenn es darum geht,
qualitative und strategische Themen in
den Systemen abzubilden. Die Möglich-
keiten der Systeme werden noch nicht
voll genutzt“, berichtet er von einem
Thema, das ihn heute bewegt.
Ein weiteres Thema, für das er sich
stark macht, ist die aktive Mitgestaltung
der Arbeitswelt durch HR. „HR trägt ei-
ne riesige Mitverantwortung, damit die
Mitarbeiterpotenziale zum Wohl des Un-
ternehmens und der Personen richtig
eingesetzt werden“, sagt er. Deshalb hat
er auch im eigenen Unternehmen von
Anfang an eine mitarbeiterorientierte Ar-
beitsplatzkultur etabliert. Vertrauenskul-
tur und Work-Life-Balance sind bei Perbit
Software schon immer ein Grundprinzip
und münden in eine entsprechende Leis-
tungskultur.
Im permanenten Dialog
Viel Wert wird im Unternehmen daher
auch auf Personalbetreuung gelegt. Für
die 70 Mitarbeiter sind eine Personal-
leiterin sowie eine Teilzeitkraft zustän-
dig. Perbit ist von der Hertie-Stiftung
im Zuge des Audits „Beruf und Familie“
zertifiziert und trägt das Siegel „Great
Place to Work“. „Das ist alles recht auf-
wendig, aber dieser Aufwand rechnet
sich“, zieht Wolfgang Witte Bilanz. Oder
anders gesagt: Langjährige Mitarbeiter
zeichnen das Unternehmen aus und tra-
gen auch zu langfristigen Kundenbezie-
hungen und einem regen Kundendialog
bei. Dieser Kundendialog ist außerdem
fester Bestandteil der Produktentwick-
lung: Mit einer „Wunschdatenbank“, in
der Anregungen von Kunden gesammelt
werden, in Arbeitskreisen, im Experten-
dialog, beim regelmäßigen HR-Trendtag
und über Kundenbefragungen werden
Software- und HR-Trends diskutiert.
„Wir müssen abwägen, welche Themen
wichtig sind. Unsere Kunden verlassen
sich darauf, dass wir Innovationen vo-
rantreiben, es aber auch nicht übertrei-
ben“, fasst Witte zusammen.
Ab 2014 in der Gesellschafterrolle
Als wichtigstes HR-Handlungsfeld der
nächsten Jahre sieht Wolfgang Witte
den demografischen Wandel an. Das
Thema beschäftigt ihn auch wegen der
gesellschaftlichen Aspekte und der
notwendigen unternehmenskulturellen
Veränderungen. Deshalb will er sich
auch in Zukunft inhaltlich damit be-
schäftigen. Ab dem Jahreswechsel wird
er hierfür deutlich mehr Zeit finden als
bisher, denn dann zieht er sich plan-
mäßig aus der Geschäftsleitung zurück
und übernimmt die Gesellschafterrolle.
„Diese wird jedoch nicht sehr viel Zeit
in Anspruch nehmen“, sagt er und ver-
weist auf die neuen Perbit-Köpfe Hend-
rik Kellermeyer und Jörg Klausch, die
langfristig und strategisch geplant die
Geschäftsführeraufgaben übernommen
haben. Die freie Zeit will Wolfgang Witte
für Dinge nutzen, die in den vergange-
nen 30 Jahren oft zu kurz gekommen
sind: Kunst und Kultur, Familie und
Freunde. Auch die Zukunftsinitiative
Personal-ZIP, bei der er Mitinitiator ist,
will er weiterhin inhaltlich begleiten.
Wolfgang Witte gründete 1983 zusammen mit Richard Manuel die Perbit Personalsyste-
me Wolfgang Witte GbR. Nach einer kaufmännischen Ausbildung konzentrierte sich Wit-
te frühzeitig auf das Personalthema. Auch im BWL-Studium waren seine Schwerpunkte
Personalwesen und Organisation/Datenverarbeitung. 30 Jahre prägte er Perbit, nicht
nur produkttechnisch, sondern auch mit vielen Impulsen für die Arbeitskultur.
Praxisbeispiel
Zur Person