personalmagazin 03 / 14
spezial
_Technologietrends
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genutzt werden können – wie man es
auch privat kennt. Dies wirkt sich auf
die Konzeption und Umsetzung einer
IT-Lösung aus. Anwendungen, die am
PC funktionieren, sind auf einem Mobil-
gerät vielleicht nicht praktikabel. Hier
muss HR gegebenenfalls sein Informati-
onsbedürfnis hintanstellen.
Alle Beteiligten früh einbinden
Ärgerliche und teure Verzögerungen
gibt es auch, wenn Rechtsabteilung
und Betriebsrat zu spät eingeschaltet
werden. Hier müsse die Geschäftsfüh-
rung abwägen, ob wirklich das Risiko
besteht, dass durch frühzeitiges Einbin-
den im Haus Unruhe durch Gerüchte
aufkommt, raten Praktiker. Wähnt der
Auftraggeber die Problemlösung schon
in greifbarer Nähe, erscheint auch das
Einbinden von Ansprechpartnern an
der späteren Kundenschnittstelle läs
tig – vor allem, wenn diese Praktiker
sofort Probleme sehen, die bisher nicht
berücksichtigt wurden. Doch genau des-
wegen ist es sinnvoll, ihr Fachwissen
einzubinden. Die Praktiker von Payroll
und HR-Consulting etwa wissen sofort,
welche Systeme viele Rückfragen ge-
nerieren und welche Spezialfälle von
Elternzeit bis Sabbatical zu implemen-
tieren sind. „Werden diese Punkte nicht
von vornherein eingeplant, müssen sie
später zeitaufwendig eingefügt wer-
den“, erklärt Weterings.
Technische Details sind für die Perso-
nalabteilung im Grunde egal, nicht aber
für IT. Die IT-Abteilung wird stets versu-
chen, ihre Systeme aus Effizienzgründen
einheitlich zu gestalten. Der Preis dafür
ist allerdings oft eine erhöhte Komple-
xität.
personalmagazin:
Sie haben vor rund 15
Jahren den SAP-Anwenderkreis Banken
ins Leben gerufen. Warum?
Heinz-Gerd Guesgen:
Ich bin überzeugt,
dass ein kollegialer Erfahrungsaustausch
einer Branche insgesamt hilft. Heute dis-
kutieren wir über die Umsetzung von
Regulierungsvorschriften, die alle betref-
fen. Damals hat die West-LB schon früh
auf SAP gesetzt. Als weltweit aufgestell-
tes Unternehmen hatten wir Ideen und
Anforderungen, die zu einer sehr indivi-
duellen Anpassung der SAP-Systeme ge-
führt haben. Dadurch hatten wir viel Er-
fahrung. Etwa 15 andere Institute haben
uns Referenzbesuche abgestattet. Als ich
den Bedarf nach Austausch sah, hatte ich
die Idee, das Ganze in organisatorische
Bahnen zu lenken – und schon war der
SAP-Anwenderkreis geboren.
personalmagazin:
Wie arbeitet der Kreis?
Guesgen:
Inzwischen sind 28 Geldinstitu-
te Mitglied. Zweimal im Jahr treffen sich
die HR- und IT-Zuständigen, im Frühjahr
und im Herbst. Da geht es auf Arbeits-
ebene sehr kollegial und vertrauensvoll
zu, auch bei konkurrierenden Unterneh-
men. Die Teilnehmer tragen ihre Erfah-
rung vor, dann diskutieren wir darüber
– und lernen enorm viel voneinander.
personalmagazin:
Was sind die häufigsten
Themen im Anwenderkreis?
Guesgen:
Die Themen sind breit gefä-
chert: Wozu braucht man bei SAP-HR
einen „Sol-Man“, also einen Solution
Manager? Wie setzt man die Versteue-
rung von Mitarbeiterkrediten um? Wie
baut man Kennzahlen für ein Manage-
ment-Cockpit auf? Wie geht man mit
Umstrukturierungen und Zusammen-
legungen um? Wie steuert man externe
Dienstleister? Worauf sollte man bei der
Einführung von E-Recruiting und Talent-
Management-Systemen achten? Wir
diskutieren auch über das reine SAP hi-
naus, beispielsweise über Sinn und Un-
sinn von Mobile-Bewerbungen und wie
man diese technisch sinnvoll umsetzen
könnte. Das hat aber bisher noch kein
Haus gemacht.
„Von den Erfahrungen anderer lernen“
Interview
Im SAP-Anwenderkreis Banken geben Kollegen sich untereinander Tipps – etwa dazu, wie
die IT die Arbeit von HR abbilden kann. Wir sprachen mit einem der Organisatoren.
Das Interview führte
Katharina Schmitt.
personalmagazin:
Kommen bei solch eher
theoretisch klingenden Themen auch ver-
wertbare Tipps für die Alltagspraxis raus?
Guesgen:
Sehr viele sogar. Nicht jeder
muss das Rad neu erfinden. Wenn ein
Institut bei einem Releasewechsel be-
reits Erfahrung hat, dann profitieren
die anderen davon. Ein heißes Thema
sind immer wieder Jahreswechsel-Ak-
tivitäten. Seit ein paar Jahren stehen
beispielsweise die Umsetzung von Re-
gulierer-Anforderungen ganz oben auf
unserer Agenda. Die Bankbranche muss
wie kaum eine andere Industrie enorm
viele gesetzliche Vorgaben aus Brüssel
oder Berlin umsetzen. Da geht es nicht
nur um Sepa oder darum, wie die De-
ckelung der Banker-Boni im IT-System
eingearbeitet werden kann. Es geht
auch um die Umsetzung der BVV, der
Altersvorsorge für die Finanzwelt, und
die allgemeine Frage, wie eine Personal-
akte am besten archiviert werden kann.
Heinz-Gerd Gues-
gen
ist Leiter HR
Business Support bei
Portigon und hat den
SAP-Anwenderkreis
Banken gegründet.