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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
gestalteten Ansicht mit Logo, Foto und in
den Firmenfarben. Ähnlich wie bei der
MOPS-Anzeige von Jobware, entschei-
det ein sogenannter Breakpoint ab einer
gewissen Bildschirmauflösung, wann
die Desktop- und wann die Smartphone-
Version angezeigt wird. Auf Tablets
erscheint die an die Bildschirmgröße an-
gepasste Desktop-Version. „Noch sind die
Unternehmen bei der strukturierten Dar-
stellung zurückhaltend“, weiß Werner
Wiersbinski. „Zwar verstehen sie, dass
diese Darstellung dem Nutzerbedürfnis
entspricht. Aber sie wollen eine optische
Abgrenzung zu ihren Mitbewerbern und
keinen einheitlichen Auftritt.“ Da die
Unternehmen sehr lange an ihrem Cor-
proate Design gearbeitet hätten, falle es
ihnen nun schwer, darauf bei der mobi-
len Anzeigendarstellung zu verzichten.
Doch gerade auf dem Smartphone gehe
es weniger um Corporate Design als um
schnelle Informationsaufnahme, meint
er. Das hätten insbesondere die großen
Personaldienstleister bereits erkannt,
die zunehmend auf strukturierte mobile
Stellenanzeigen setzen. Doch die größte
Herausforderung für Unternehmen sei
nicht, eine Antwort auf die Frage „Gestal-
tete oder strukturierte mobile Anzeige?“
zu finden, sondern einen durchgehend
mobilen Zugang anzubieten. „Wenn die
Karriereseiten der Unternehmen nicht
mobil optimiert sind, verlinken wir aus
unserer dynamischen Stellenanzeige auf
eine nicht-dynamische Welt. Das führt
zwangsläufig zu Komplikationen“, sagt er.
Sonderfall Deutschland
In den USA sieht die Situation ganz
anders aus: Dort werden im Online-
Bereich traditionell reine Text-Anzeigen
geschaltet – ohne Gestaltungselemente
wie Logos, Bilder und Farben. Doch bis-
lang war es so, dass alle US-Jobbörsen,
die nach Deutschland kamen, früher
oder später für den deutschen Markt
die gestaltete Online-Anzeige einführ-
ten. Denn die Arbeitgeber hierzulande
haben andere Anzeigenformen bislang
nicht akzeptiert. Das bestätigt Oskar
Ehehalt, Geschäftsführer von Career-
builder Germany. Careerbuilder, Markt-
führer in den USA, ist seit einigen Jah-
ren auf dem deutschen Markt aktiv und
kaufte 2011 Jobscout24. „Die Anforde-
rungen der Arbeitgeber in Deutschland
sind ganz andere als in den USA. Des-
halb unterscheiden wir bei jedem neu-
en Produkt, ob das auf den deutschen
Markt passt“, sagt er und ergänzt: „Die
US-Kollegen sind immer erstaunt, wie
wichtig hier die Unternehmensdarstel-
lung in den Inseraten ist.“
Auf den deutschen Careerbuilder-
Seiten sind nahezu alle Stellenanzeigen
gestaltet, auf Smartphones werden dage-
gen in den meisten Fällen die Struktur-
daten der Ausschreibungen angezeigt.
„Wenn ein Unternehmen möchte, dass
seine Anzeige auch auf dem Smartphone
im Unternehmens-Design erscheint, set-
zen wir das auch um“, so Oskar Ehehalt.
Seine Prognose für die Zukunft ist, dass
die strukturierte, faktenorientierte Dar-
stellung mit zunehmendem Mobilein-
satz an Bedeutung gewinnen wird. Für
das Employer Branding werde es andere
Möglichkeiten geben als eine Präsenta-
tion im Unternehmens-Design. Das ist
auch die Ansicht von Werner Wiersbin-
ski: „Mit Sicherheit werden wir dann
nochmals eine neue Diskussion über die
Frage führen, wie Employer Branding
aussehen wird“, sagt er.
Jeder arbeitet für sich
Nicht geteilt werden diese Meinungen
von Jobware, Königsteiner Agentur
und Mediaintown, die den gestalteten
Online-Anzeigen für die Zukunft großes
Potenzial zuschreiben. Sie und viele an-
dere Agenturen und Jobboards arbeiten
aktuell an Verfahren, wie Stellenanzei-
gen auf kleinen Displays gut dargestellt
werden können – oder optimieren be-
stehende Angebote laufend. Doch jeder
Anbieter kocht bislang sein eigenes mo-
biles Stellenmarkt-Süppchen.
„Leider ist es sehr unterschiedlich, wie
die Jobbörsen mit den Anzeigen, die wir
anliefern, umgehen. Daher haben die
Unternehmen auch keine Sicherheit, ob
ihre Anzeige gut dargestellt ist. Bei man-
chen Jobportalen sehen die Anzeigen toll
aus, bei anderen sind sie nicht lesbar“,
berichtet Ralf Kuncser von der Königstei-
ner Agentur. „Wir versuchen schon seit
über zwei Jahren, im Gespräch mit den
Jobbörsen einige Standards zu etablie-
ren.“ Doch noch gab es keine konkreten
Ergebnisse. Das sagt auch Stefan Kraft
von Mediaintown: „Was derzeit fehlt,
ist ein einheitlicher technischer Stan-
dard, der es Unternehmen ermöglicht,
Anzeigen so anzuliefern, dass sie egal
auf welcher Online-Stellenbörse immer
optimal dargestellt werden. Ich glaube
aber nicht, dass sich die Stellenbörsen
so weit einigen, dass sie in Zukunft eine
gemeinsame Lösung haben werden.“
Anzeigen selbst testen
Derzeit kann ein Unternehmen, das
eine Stellenanzeige erstellen und mobil
optimieren lässt, nicht davon ausgehen,
dass diese auf allen Portalen, auf denen
sie veröffentlicht werden soll, optimal
für alle Endgeräte und Browser darge-
stellt wird.
Was können die Personaler also tun?
„Auf jeden Fall sollten sie ihre eigenen
Stellenanzeigen mit dem Smartphone
testen. Wenn diese grausam dargestellt
wird, haben sie Handlungsbedarf und
müssen das entweder mit ihrer Agentur
oder der Jobbörse klären“, rät Ralf Kunc-
ser. „Wenn wir eine Anzeige an eine Job-
börse übermitteln, prüfen wir diese in
verschiedenen Browsern. Trotzdem gibt
es immer wieder neue Betriebssysteme,
in denen die Schrift anders dargestellt
wird und die Ansicht passt schon nicht
mehr.“ Nur wenn Personaler ihre Dar-
stellungsprobleme in der mobilen An-
sicht an die Dienstleister und Jobportale
herantragen, würden sich diese inten-
siver um eine Lösung bemühen.
BILDERGALERIE
Beispiele für Stellenanzeigen und ihre
unterschiedliche Darstellung auf Desk-
top-PCs und Smartphone-Bildschirmen
finden Sie in der Personalmagazin-App.