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MANAGEMENT
_ONLINE-STELLENANZEIGEN
personalmagazin 12 / 14
bil optimierte Stellenanzeigen intensiv
unter die Lupe genommen. Das heißt,
sie wurden technisch geprüft (Quell-
Code, Aufbau, Ladegeschwindigkeit)
und heuristisch evaluiert (Zugänglich-
keit, Lesbarkeit, Umfang der Interak-
tionen). Zudem führte die Hochschule
zwei Untersuchungen mit Testpersonen
(Beobachtung mit Aufzeichnung der Äu-
ßerungen und Eye-Tracking) durch.
„Dabei kam unter anderem heraus,
dass die Nutzer nicht zu viel zoomen und
scrollen wollen. Sie sind frustriert, wenn
sie die gesuchten Informationen nicht
sofort finden und brechen die Suche ab.
Außerdem bemängeln sie es, wenn sie
Buttons nicht mit ihren Fingern tref-
fen können, weil diese zu klein sind“,
nennt Dr. Ulrich Rust, Leiter Vertrieb
bei Jobware Online-Service, einige der
Ergebnisse. Wie die Studie weiter ge-
zeigt hat, sollte eine Stellenanzeige auf
Smartphone-Displays folgende Informa-
tionen auf den ersten Blick bereitstellen:
Wer wird gesucht? Wer sucht? Wo ist
der Job? (siehe nebenstehender Kasten).
„Bei einer mobil optimierten Anzeige
geht es nicht in erster Linie darum, ob
etwas grafisch aufgehübscht ist, sondern
zunächst darum, ob die Informationen
gut vermittelt werden. Darüber hinaus
soll eine mobil optimierte Anzeige das
Bedürfnis der Unternehmen berücksich-
tigen, dass sich diese gut darstellen kön-
nen – mit Farben und Bildern, Logos und
Auszeichnungslogos“, sagt er.
Responsiv und mobil optimiert
Ulrich Rust spricht sich daher für gestal-
tete, responsive und mobil optimierte
Stellenanzeigen aus. Nach seinem Ver-
ständnis ist eine mobil optimierte Stel-
lenanzeige immer auch responsiv, aber
nicht jede responsive Anzeige ist auto-
matisch mobil optimiert. Ein Beispiel: In
einer responsiven Anzeige werden die
Inhalte an die Bildschirmgröße ange-
passt. Auch ein Bildelement, das Textbot-
schaften enthält, wird auf Smartphones
entsprechend verkleinert, sodass der
Text irgendwann nicht mehr erkennbar
ist. Eine mobil optimierte Anzeige wür-
de das Bildelement beispielsweise ab
einer gewissen Bildschirmgröße ohne
Textbotschaft darstellen.
Sein Unternehmen hat deshalb eine
Anzeigenform namens MOPS (Mobil opti-
mierte Stellenanzeige) entwickelt und auf
der Zukunft Personal vorgestellt. Diese
wandelt ab einer Smartphone-Displaygrö-
ße die klassische, gestaltete und an den
jeweiligen Bildschirm angepasste Stellen-
anzeige um in eine aufgeräumte Darstel-
lung mit wenigen und sofort erkennbaren
Elementen. So wird eine ursprüngliche
Desktop-Anzeige mit zweispaltigem Text,
Aufmacherbild und Logos zu einer Über-
sicht, bei der die Stellenbezeichnung, der
Arbeitsort und das Unternehmen mit
Logo im Vordergrund stehen. Das Logo
verändert dabei seine Position und die
weiteren Informationen sind hinter Auf-
klapp-Feldern wie „Was wir bieten“ und
„Was Sie mitbringen“ hinterlegt.
Eine andere Philosophie verfolgt Mei-
nestadt.de: „Wir bieten immer zwei Dar-
stellungsformen an. Die erste, die in der
Desktop-Ansicht voreingestellt ist, ist
das HTML-Template im Unternehmens-
Design, das die Kunden uns anliefern.
Zusätzlich bieten wir den Unterneh-
men strukturierte Daten, die aus ihrem
HTML-Template abgeleitet sind“, erklärt
Werner Wiersbinski, Director Jobmarket
bei Meinestadt.de.
Strukturierte Informationsaufnahme
Die Personaler haben also bereits in
der Desktop-Version die Möglichkeit zu
entscheiden, ob dort die HTML-Anzeige
im Corporate Design oder die Struktur-
informationen erscheinen sollen. „In
der Smartphone-Version haben wir den
umgekehrten Weg gewählt, weil wir da-
von überzeugt sind, dass die gestaltete
Anzeige, selbst wenn sie responsiv ist,
nicht optimal für das Aufnahmevermö-
gen des Nutzers ist“, so Werner Wiers-
binski. Hier ist die strukturierte Darstel-
lung voreingestellt.
Die Unternehmen können aber indi-
viduell entscheiden, ob ihre Anzeige in
dieser Form erscheinen soll oder in der
Auf Basis der Mobile-Recruiting-Studie 2013 haben Professor Wolfgang Jäger und
Professor Stephan Böhm von der Hochschule Rhein-Main folgende Empfehlungen für
die Optimierung einer Stellenanzeige für kleine Smartphone-Displays erarbeitet:
•
Die gesamte Stellenanzeige sollte ohne Vergrößerung (Zoomen) sofort lesbar sein.
•
Schlüsselinhalte wie Unternehmen, Stellenbezeichnung und Einsatzort sollten sofort
sichtbar sein.
•
Zusätzliche Informationen sollten in Aufklapp-Menüs verborgen werden. Das hilft, die
Stellenanzeige zu verkürzen und dem Leser eine bessere Orientierung zu geben.
•
Die Aufklapp-Menüs sollten so gestaltet sein, dass der Leser nicht hin- und her-
springen muss. Horizontales Scrollen sollte vermieden werden, da es die Übersicht
empfindlich stört.
•
Das Datenvolumen der Anzeige ist an der Geschwindigkeit von (langsamen) Mobil-
funkverbindungen zu orientieren.
•
Sämtliche Interaktionselemente sollten verständlich benannt und auf die Bedienung
mit unterschiedlichen Fingergrößen ausgelegt werden.
•
Inhalte, die hinter Links stehen, sollten ebenfalls mobil nutzbar sein. Der Kandidat
will nicht von einer mobil optimierten Stellenanzeige auf eine nicht mobil nutzbare
Karriereseite geleitet werden.
Tipps für mobil optimierte Jobanzeigen
STUDIE
QUELLE: JOBWARE, HOCHSCHULE RHEIN-MAIN, 2013