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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
gewinnen und halten kann, wird auch
dauerhaft global einen Wettbewerbsvor-
sprung haben.
Herausforderung „Brain Circulation“
Deutschland ist allerdings nicht nur im
Ausland beliebt, sondern auch bei Deut-
schen selbst. Dies zeigt sich in einer
deutlich geringeren Mobilitätsbereit-
schaft von deutschen Studienteilneh-
mern. Weniger als die Hälfte der hiesi-
gen Teilnehmer würde für einen Job ins
Ausland gehen. Im weltweiten Vergleich
liegt Deutschland 20 Prozentpunkte un-
ter dem Durchschnitt. Wenn überhaupt,
dann gehen deutsche Arbeitskräfte am
liebsten in die Schweiz (37 Prozent), in
die USA (35 Prozent), nach Großbritan-
nien (33 Prozent) oder Österreich (31
Prozent), also in angrenzende Staaten
oder in kulturell nahe stehende, eng-
lischsprachige Länder.
Der Vorteil dieser mangelnden Mo-
bilität ist, dass viele Menschen gern in
Deutschland leben und arbeiten. Somit
ist die Gefahr der Abwanderung von
Talenten verglichen mit anderen Län-
dern geringer. Die Herausforderung für
deutsche Firmen besteht aber darin, ih-
re qualifizierten Mitarbeiter und poten-
ziellen Führungskräfte – zumindest für
einige Zeit – ins Ausland zu entsenden.
Diese „Brain Circulation“ ist entschei-
dend im globalen Wettbewerb. Denn
insbesondere Führungskräfte brauchen
Auslandserfahrung und interkulturelle
Kompetenz, um im internationalen Um-
feld sicher und erfolgreich zu agieren.
Besonders auffallend für Deutschland ist
die mangelnde Mobilität in allen Alters-
schichten. Im Gegensatz zu den USA, wo
jüngere Jobsuchende eine deutlich hö-
here Mobilitätsbereitschaft zeigen, ist
die Bereitschaft junger Deutscher zum
Sprung in die Ferne nur geringfügig hö-
her als im Altersdurchschnitt. Eine neue
Biedermeiermentalität bei eigenen Mit-
arbeitern und Führungskräften können
deutsche Unternehmen sich aber nicht
leisten, wenn sie nachhaltig global er-
folgreich sein wollen.
Ein Grund, warum Deutsche sel-
tener ins Ausland gehen möchten,
ist, dass viele bereits im Ausland stu-
diert oder während ihrer Ausbildung
Auslandserfahrung gesammelt haben.
Diese Auslandserfahrung wird häufig
schon als ausreichend angesehen. Zu-
dem sind heute die meisten Paare Dop-
pelverdiener – im Ausland gibt es jedoch
meist keine Berufsperspektive für den
Beziehungspartner. Auch sind heute Fa-
milie, Freunde und Hobbies häufig wich-
tiger als der nächste Karriereschritt.
Ebenso schätzen viele Deutsche die
stabilen wirtschaftlichen Bedingungen,
Karrierechancen und Verdienstmöglich-
keiten im eigenen Land im Vergleich zu
Nachbarländern.
Unterschiedliche Gründe für Mobilität
Deutschen Arbeitskräften geht es bei ei-
nem Jobwechsel ins Ausland längst nicht
mehr nur um einen Karrieresprung
oder bessere Gehaltsperspektiven. Bei
den Gründen für einen arbeitsbeding-
ten Umzug ins Ausland stehen vielmehr
die Möglichkeit, in einer anderen Kultur
zu leben (66 Prozent), den persönlichen
Erfahrungshorizont zu erweitern (63
Prozent) oder schlicht Arbeitserfahrung
zu sammeln (61 Prozent), ganz oben.
Die beiden letztgenannten Faktoren
sind auch für internationale Talente be-
sonders wichtig – allerdings sind global
gesehen Aspekte wie Karriereperspekti-
ven (59 Prozent), attraktive Jobangebo-
te (58 Prozent) sowie mehr Gehalt (56
Prozent) im Gegensatz zu Deutschland
weitere zentrale Motivatoren für einen
Jobwechsel in ein anderes Land.
Unternehmenskultur ist entscheidend
Angesichts der vielfältigen Karriere-
möglichkeiten und im Ländervergleich
hohen Gehälter hat die Bundesrepublik
also auch mit Blick auf die Gründe für
einen Auslandsaufenthalt grundsätzlich
beste Standortvoraussetzungen, um im
Was erwarten die besten Talente weltweit von den Unternehmen?
BILDERGALERIE
Weitere Studienergebnisse in grafischer
Aufbereitung finden Sie in einer Bilder-
galerie der Personalmagazin-App.