Seite 71 - personalmagazin_2014_11

Basic HTML-Version

71
11 / 14 personalmagazin
Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Empfehlung kann man sich Freunde,
aber auch Feinde machen. Immer steht
dabei auch der eigene Ruf auf dem Spiel.
Nur wer empfehlenswert ist, wird auch
tatsächlich weiterempfohlen. Nur wenn
jemand etwas geboten bekommt, worü-
ber es sich wirklich zu reden lohnt, wird
er rege darüber berichten. Empfehlungs-
bereitschaft braucht demnach Superla-
tive. Mittelmaß wird niemals empfohlen.
Durchschnitt wird noch nicht mal erin-
nert. Daher sollten sich Personaler dafür
interessieren, was die Kollegen aus dem
Kundenbeziehungsmanagement zum
Thema Empfehlungsmarketing so alles
wissen.
Kreativität im Recruiting
Oftmals sehen Stellenanzeigen heute
noch genauso aus wie vor 50 Jahren.
HR-Broschüren warten mit vergleich-
baren Texten, leeren Floskeln und
Bilderdatenbank-Menschen auf. Lang-
sam müssen sich die Recruiter wirk-
lich etwas einfallen lassen, denn solche
Produkte locken bald keinen Bewerber
mehr. Vakanzen müssen kunstfertig
verkauft und Kandidaten wie Kunden
angesprochen werden. Parallel dazu
müssen althergebrachte Abläufe infrage
gestellt und interne Prozesse völlig neu
aufgesetzt werden, damit die Bewerber
sich tatsächlich umworben fühlen.
Auch da kann ein Blick über den Teller-
rand helfen. Kundenakquise und Service
sind in übersättigten Märkten genauso
herausfordernd wie das Suchen, Finden
und Halten von Top-Kandidaten. Auch
beim Anzeigentexten kann die Kreativi-
tät vonWerbeleuten nützlich sein. Selbst
ausgesprochen progressive Methoden
aus der Marketingwelt halten da, wo es
passt, bereits Einzug ins Recruiting. So
kann es auch im HR-Bereich mit ver-
gleichsweise kleinem Budget gelingen,
potenzielle Bewerber per Guerilla-Taktik
auf sich aufmerksam zu machen.
Ein Beispiel dafür ist der Kündigungs-
Kalender der Hamburger Werbeagentur
Jung von Matt, die beim Kreativ-Festival
in Cannes einen Goldenen Löwen ge-
wann. Der Kalender lieferte 365 vorfor-
mulierte Schreiben, mit denen Kreative
bei ihrem bisherigen Arbeitgeber kün-
digen konnten, um dann bei Jung von
Matt anzufangen. Die Agentur Scholz &
Friends konterte sofort – mit einer Akti-
on, bei der ein bei Agenturmitarbeitern
sehr beliebter Pizza-Lieferservice zum
Einsatz kam. Wer dort eine Pizza bestell-
te, bekam eine kostenlose „Pizza Digi-
tale“ mitgeliefert – eine Pizza mit einem
QR-Code aus Tomatensoße, der direkt zu
einem Jobangebot führte. Zwölf Bewer-
bungen gingen daraufhin ein.
Kennzahlen-Cockpit ist Pflicht
„Wer im Vertrieb die geforderten Zahlen
nicht bringt, ist seinen Job schnell wie-
der los. Wenn aber bei den Personalern
die Bewerberausbeute nicht stimmt,
dann sind alle anderen schuld: der Ar-
beitsmarkt, die Demografie, der Stand-
ort, das Image“, sagt Jörg Buckmann,
Leiter Personalmanagement bei den Zü-
richer Verkehrsbetrieben (VBZ). Anstatt
Ausflüchte zu hören, will die Geschäfts-
leitung Taten sehen: Strategien von Ma-
chern, die den Mut zeigen, neue Wege
zügig zu beschreiten. Und sie will Kenn-
zahlen sehen, die Effizienz beweisen.
Solche KPIs (Key Performance Indica-
tors) dokumentieren das Erreichte, zei-
gen Entwicklungen im Zeitverlauf auf
und lassen das Optimierungspotenzial
sichtbar werden. Dies wirkt bei Weitem
professioneller als die übliche HR-Prosa
in Druckschriften, Vorlagen und Berich-
ten. In Zukunft wird es ohne messbare
Ergebnisse kaum noch Budgetfreigaben
geben. HR-Leute müssen also nicht nur
das Verkaufen lernen. Sie brauchen auch
höhere Controlling-Kompetenzen. Beim
Vorstand werden sie mit einem Kenn-
zahlen-Cockpit ganz sicher punkten.
Mitarbeiter als Innovatoren
Zukunft nährt sich aus Innovation. Da-
bei sind die eigenen Mitarbeiter, wenn
sie aktiv einbezogen werden, die stärks-
ten Innovatoren. So können nicht nur
die Personaler von den Erfahrungen aus
Sales und Marketing profitieren. Umge-
kehrt können auch Marketer und Ver-
triebsleute vieles von HR lernen. Was
beide Bereiche eint? Sie haben vorran-
gig mit Menschen zu tun.
ANNE M. SCHÜLLER
ist
Businesscoach und Auto-
rin des Bestsellers „Das
Touchpoint-Unternehmen“.
Human Resources
Sales und Marketing
Mitarbeiterloyalität
Kundenloyalität
Mitarbeiter als Botschafter und Empfehler
Kunden als Botschafter und Empfehler
Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme Kunden-werben-Kunden-Programme
Arbeitgeberbewertungsportale
Meinungs- und Bewertungsportale
Employer Branding
Markenbildung (Branding)
Personalmarketing
Produktmarketing
Stellenanzeigen
Werbeanzeigen
Candidate Experience/
Collaborator Experience
Customer Experience/
Brand Experience
Internes Touchpoint Management
Externes Touchpoint Management
Die Aufgaben sind oftmals gar nicht so unterschiedlich: Bei diesen Themen können
Personalmanager von ihren Kollegen in Sales und Marketing lernen.
PRAXISBEISPIEL
PARALLELEN
QUELLE: ANNE M. SCHÜLLER