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ORGANISATION
_STRATEGISCHE PERSONALPLANUNG
personalmagazin 11 / 14
Arbeitsbedingungen unterliegen tarif-
lichen Regelungen, welche die Zeitar-
beitsverbände mit den Gewerkschaften
ausgehandelt haben.
personalmagazin:
Lässt sich das schlechte
Image der Zeitarbeit ändern?
Traub:
Negativ-Beispiele aus der Zeitar-
beit – die es sicher auch gibt – dominier-
ten die Berichterstattung in den Medien.
Positive Veränderungen, wie die tarifli-
chen Mindeststandards und die enor-
men Lohnsteigerungen, werden kaum
wahrgenommen. Doch mit der Zeit, da
sind wir uns sicher, wird unser sozial-
verantwortliches Handeln auch wahrge-
nommen und honoriert werden.
personalmagazin:
Sie sprechen in Ihrer Stu-
die von einer Quadratur des Kreises, was
die Wünsche der Mitarbeiter angeht: Sie
wollen sowohl sichere Arbeit als auch fle-
xible Arbeitsbedingungen. Wie kann die
Zeitarbeitsbranche das erfüllen?
Traub:
Sicherheit können wir bieten. Zeit-
arbeit ist sozialversicherungspflichtig
und in der überwiegenden Mehrheit der
Fälle auch unbefristet. Auch Flexibilität
ist bei uns gegeben. Möchte ein Zeitar-
beitnehmer an einem anderen Ort oder
in einem anderen Tätigkeitsbereich ar-
beiten, suchen die Orizon-Personalbera-
ter mit ihm zeitnah eine neue, passende
Einsatzmöglichkeit. Wünscht sich der
Zeitarbeitnehmer flexible Arbeitszeiten,
kann dies ebenfalls bei der Suche nach
einem Einsatzbetrieb berücksichtigt
werden.
„Archaische Vorstellungen“
INTERVIEW.
Ob Mindestlohn oder Zuschlag: Längst ist die Zeitarbeit um ein positi-
veres Image bemüht. Bislang jedoch ohne großen Erfolg, wie eine Orizon-Studie zeigt.
personalmagazin:
Wie wird die Möglichkeit
der Zeitarbeit von Arbeitnehmerseite aus
wahrgenommen?
Dieter Traub:
Die Möglichkeiten der Zeit-
arbeit werden von Arbeitnehmern un-
terschiedlich wahrgenommen. Langzeit-
arbeitslose und Gering-Qualifizierte, die
mittlerweile einen Großteil der Arbeit-
suchenden ausmachen, sehen in Zeit-
arbeit durchaus eine Möglichkeit, auf
dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen
– womöglich sogar ihre letzte Chance.
Auch im Ingenieurswesen war Zeitar-
beit aufgrund der projektbezogenen
Arbeitsweise, wie sie im Ingenieursbe-
reich üblich ist, lange eine anerkannte
Beschäftigungsform. Heute verzichten
viele Ingenieurbüros auf Zeitarbeits-
modelle. Sie befürchten, dass sich das
schwache Image der Zeitarbeit nachtei-
lig auf ihr Geschäft auswirkt. Insgesamt
haben die meisten Arbeitnehmer, die
in traditionellen Beschäftigungsformen
sozialisiert wurden, immer noch Vorbe-
halte gegenüber der Zeitarbeit.
personalmagazin:
Inwieweit sind diese
Vorbehalte begründet?
Traub:
Viele Erwerbstätige und Erwerbs-
suchende haben immer noch recht ar-
chaische Vorstellungen von Zeitarbeit.
Hier ist von Niedriglöhnen, schlechten
Arbeitsbedingungen sowie Unsicherheit
die Rede. Die Orizon-Arbeitsmarktstu-
die zeigt die Verunsicherung der Arbeit-
nehmer in Lohnfragen. 82,7 Prozent der
Befragten glauben, die Löhne der Zeitar-
beitsbranche müssten stark angehoben
werden, um den gerade verabschiede-
ten gesetzlichen Mindestlohn von 8,50
Euro zu erreichen. 78,8 Prozent haben
noch nie von Branchenzuschlagstarifen
gehört. Fakt ist aber: Die meisten Zeitar-
beitsunternehmen sind an Tarifverträge
gebunden, die zwischen den Sozialpart-
nern ausgehandelt wurden. Die Tarif-
verträge beinhalten auch eine Lohn
untergrenze von 8,50 Euro, die in der
Zeitarbeit bereits seit Januar 2014 gilt.
Branchenzuschlagstarife gibt es mittler-
weile in elf Wirtschaftszweigen. Nach
vier bis sechs Wochen Einarbeitungszeit
greift die erste Stufe der Lohnzuschläge
und wird automatisch ausgezahlt. In-
folge von Mindestlohn und Zuschlägen
kommen die Orizon Zeitarbeitnehmer
momentan auf einen durchschnittlichen
Bruttolohn von 13,52 Euro. Auch die
Das Interview führte
Katharina Schmitt.
DR. DIETER TRAUB
ist Geschäftsführer
der Orizon GmbH und Mitautor der Orizon-
Arbeitsmarktstudie.