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personalmagazin 11 / 14
TITEL
_AGILITÄT
Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Denkweise zu finden – also solche, die
intrinsisch motiviert sind, die Verant-
wortung übernehmen und Eigeninitiati-
ve einbringen wollen. Zu Anfang führte
dieser Anspruch zu Schwierigkeiten:
Die beauftragten Personaldienstleister
waren überfordert, denn sie verstanden
nicht, nach welchem Typ Mensch die
Personaler bei Whatever Mobile suchten.
In Gesprächen mit Kandidaten, die die
Dienstleister vorausgewählt hatten, war
den Personalern oft schon nach wenigen
Minuten klar, dass die Kandidaten die
unbedingt notwendige intrinsische Mo-
tivation nicht mitbrachten. Deshalb ent-
schied sich HR, diese Aufgabe selbst in
die Hand zu nehmen. Die Zeit, die zuvor
in Briefings der Personaldienstleister ge-
steckt wurde, hat Whatever Mobile dazu
genutzt, das eigene Employer Branding
aufzubauen. In enger Zusammenarbeit
haben die Bereiche Unternehmenskom-
munikation und Personalmanagement
beispielsweise die Job-Sektion des Inter-
netauftritts inhaltlich und visuell emotio-
naler gestaltet und auch die Ansprache in
den Stellenanzeigen überarbeitet – damit
von außen sichtbar ist, dass das Individu-
um im Mittelpunkt steht und nicht der
Prozess. Deshalb führte Whatever Mobile
auch flexible Arbeitszeitmodelle ein, die
eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf
erleichtern. Das Unternehmen hat dafür
das Familiensiegel erhalten, was einen
Mehrwert fürs Recruiting bedeutet.
Kontinuierliche Verbesserung
Die Stellenanzeigen selbst sind ein Bei-
spiel für das so wichtige „inspect and
adapt“, das sich als eines der agilen
Grundprinzipien durch das gesamte Un-
ternehmen zieht: Die Verantwortlichen
aus den Fachbereichen werden frühzei-
tig mit eingebunden und geben Input
zu den fachlichen und persönlichen Fä-
higkeiten, die für die Stelle notwendig
sind. Stellen die Recruiter fest, dass sie
nicht die Bewerbungen erhalten, die sie
sich erhoffen, passen sie die Anzeige an.
Dies ist Teil des kontinuierlichen Ver-
besserungsprozesses, der hinter agiler
Arbeit steckt. Auch am weiteren Aus-
wahlprozess ist das Team entscheidend
beteiligt. An einem sogenannten „Ken-
nenlerntag“ haben alle Teammitglieder
und Schnittstellen des Kandidaten Zeit
auszuloten, ob dieser die Arbeitsweise
und Unternehmenskultur von What
ever Mobile mitgestalten und voran-
bringen und damit zum weiteren Erfolg
des Unternehmens beitragen kann. Die
abschließende Entscheidung, ob der
Bewerber im Auswahlverfahren bleibt,
fällt im Team. Der große Vorteil dabei
ist, dass alle die gemeinsam getroffene
Entscheidung mittragen. In der Folge ist
das Onboarding wesentlich einfacher,
da das Team eingebunden ist. Und auch
die Bewerber geben positive Rückmel-
dungen.
Fehlertolerante Umgebung
Überhaupt ist Feedback ein wichtiger
Baustein der agilen Arbeitskultur bei
Whatever Mobile. Jeden Monat findet
ein Gespräch zwischen Manager und
Mitarbeiter statt, in dem es um die
persönliche Entwicklung des Mitarbei-
ters geht. Daneben sind auf dem Weg
zur Agilität Transparenz und Vertrau-
en in die Fähigkeiten der Mitarbeiter
gefragt. „Wir geben das Ziel und die
Rahmenbedingungen vor, aber wie der
Weg dorthin verläuft – das liegt in der
Verantwortung unserer Mitarbeiter“,
so Schwarzlmüller. „Und so banal das
klingt: Das funktioniert nur, indem mit-
einander kommuniziert wird, und zwar
in alle Richtungen.“ Ganz wichtig sei es
zudem, ein Klima des Ausprobierens zu
schaffen, eine wertschätzende, fehler-
tolerante Atmosphäre, die für alle gilt,
sagt das Mitglied der Geschäftsführung.
Die bisherige Bilanz zeigt: Whatever
Mobile hat durch das agile Arbeiten die
Zeit zur Produkteinführung („Time-to-
Market“) deutlich verringert und die
Kundenloyalität erhöht. Die Kunden
empfehlen das Unternehmen immer öf-
ter weiter, ebenso wie die Mitarbeiter,
für die die agilen Prinzipien größere Ge-
staltungsspielräume und Freiheiten be-
deuten. Infolgedessen kommen bereits
über die Hälfte der Neueinstellungen aus
deren persönlichen Netzwerken.
Aber auch darüber hinaus hilft Agilität
bei der Mitarbeitersuche. Denn für viele
Bewerber ist die klassische Aufbauorga-
nisation mit Statussymbolen und star-
ren Hierarchien nicht mehr attraktiv. Sie
suchen Sinn und Selbstverwirklichung,
wollen Eigenverantwortung und gleich-
zeitig Zeit für Familie und Freunde.
Mit solchen verantwortungsvollen
Mitarbeitern zeigt sich auch die Ge-
schäftsführung zufrieden – denn sie ha-
ben mit ihrer Agilität erst das Wachstum
der vergangenen Jahre ermöglicht.
STEFANIE CORTINOVIS
ver-
antwortet das Personalma-
nagement bei der Whatever
Mobile GmbH.
BERIT HUYKE
ist Corporate
Communication Managerin
bei der Whatever Mobile
GmbH.
PRINZIPIEN
„Thinking value“
Das Produkt bestimmt die Arbeit
cross-funktionaler Teams.
„Fever to deliver“
Agile Teams schaffen schnell und
kontinuierlich Werte.
„Freedom to act, duty to correct“
Ein fehlertolerantes Umfeld führt zu
kontinuierlicher Verbesserung.
„Sharing leads to caring“
Transparenz und Kommunikation
begründen größeres Commitment.
„In team we trust“
Starke und diversifizierte Teams ent-
wickeln mehr Innovationen.
Whatever Mobile hat eine Reihe agiler
Prinzipien formuliert, die als Leitsätze
für die tägliche Arbeit fungieren.