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Das Interview führte
Katharina Schmitt.
Das Screening allein ersetzt keine
Intervention, erleichtert es aber ent
scheidend, Menschen frühzeitiger auf
Belastungen aufmerksam zu machen.
Die Tools senken damit vor allem die
Hemmschwelle, sich mit dem Thema zu
beschäftigen.
personalmagazin:
Wird der Einsatz solcher
Stresserkennungstools bald zum Stan-
dard im betrieblichen Gesundheitsma-
nagement werden?
Arimond:
Ich bin fest davon überzeugt,
dass sich Methoden zur Bestimmung
von Belastungen im Allgemeinen und
spezifisch von chronischem Stress in
der Arbeitswelt durchsetzen werden.
Vor dem Hintergrund eines immer
spürbarer werdenden Fachkräfteman
gels und der angedeuteten gesamtge
sellschaftlichen Tragweite bieten diese
Methoden entscheidende Vorteile: So
erhöht der Einsatz der Tools die Attrak
tivität eines Unternehmens für seine
Mitarbeiter, da für psychische Belas
tungen frühzeitig Gegenmaßnahmen
angeboten oder die Arbeitsplatzgestal
tung danach ausgerichtet werden kann.
Es wird dabei in Zukunft entscheidend
sein, passgenaue Angebote für die Teil
nehmer zur Verfügung zu stellen. Inso
fern sehe ich die Stärke der Online-Tools
auch in ihrer einfachen Bedien- und
breiten Verfügbarkeit sowie in der Ano
nymität, die sie dem Nutzer einräumen.
Der Trend wird dabei noch stärker zu
einem ganzheitlichen Ansatz gehen,
den bereits einige Unternehmen prak
tizieren. Das heißt: Screening durch
ein (Online-)Tool und idealerweise an
schließende Intervention sowie weitere
Screenings im Verlauf. Nur durch brei
te Gesundheitsangebote, für welche
die Online-Tools den entscheidenden
Einstieg ebnen können, lassen sich psy
chisch bedingte Fehltage in Unterneh
men langfristig und dauerhaft reduzie
ren. Denn wir wissen längst: Prävention
spart Geld.
die Hemmschwelle für die Anwender
senken dürfte.
personalmagazin:
Inwieweit unterscheiden
sich die verschiedenen Ansätze?
Arimond:
Wie bereits angedeutet bedie
nen sich die einzelnen Ansätze ver
schiedener Herangehensweisen und
dienen zudem unterschiedlichen Zie
len. So hat es der Gesetzgeber den Un
ternehmen vor dem Hintergrund der
bereits benannten Entwicklung zur
Auflage gemacht, Arbeitsplätze auf Be
lastungen und Gefährdungen der Mit
arbeiter zu untersuchen. Dazu dienen
Fragebögen, die, wenn sie online zur
Verfügung stehen, eine einfache und
standortunabhängige Erhebung des Ge
fahrenpotenzials ermöglichen. Solche
Aussagen sind dann besonders für die
Gestaltung von Arbeitsplätzen relevant.
Andere Tools untersuchen dagegen stär
ker die Veränderungen beim einzelnen
Anwender. Sie messen dabei die statt
findenden biologischen Veränderungen
im Organismus. Dies geschieht etwa
durch die Erhebung des körpereigenen
Stresshormonspiegels oder der Herzra
tenvariabilität – beides Parameter, die
einen Rückschluss auf die allgemeine
Belastungs- und Erholungsfähigkeit des
Teilnehmers erlauben.
personalmagazin:
Sie arbeiten auch an
einem eigenen Stresserkennungstool. Wie
funktioniert das?
Arimond:
Unser Ansatz beschäftigt sich
mit der Veränderung von Sprache im
Kontext psychischer Belastungen. Hier
hat sich gezeigt, dass dauerhaft belas
tete Menschen anders sprechen als
gesunde. Diese Veränderungen können
wir aus einer anonym abgegebenen
Sprachprobe ableiten und dem Teil
nehmer anhand der Einordnung in ein
Belastungsschema verdeutlichen.
personalmagazin:
Würden Sie auch vor
bestimmten Methoden warnen?
Arimond:
Jeder von uns kennt die im In
ternet und anderen Medien angebote
nen Selbsttests zur Überprüfung eines
„Burnouts“ oder „Stressphänomens“.
Viele dieser Tests gehen leider nicht auf
wissenschaftliche Studien zurück und
differenzieren aus meiner Sicht nicht
klar zwischen Belastung und (poten
zieller) Erkrankung. Damit bergen sie
die Gefahr, durchaus normale Zustände
zu pathologisieren, was bei den Anwen
dern eher zu Gefühlen der Hilflosigkeit
oder einem schlechten Gewissen führen
kann. Das halte ich für kontraproduktiv,
weil dadurch die Teilnahme an nachge
lagerten Maßnahmen tendenziell eher
erschwert denn erleichtert wird.
personalmagazin:
Kann Stress mithilfe der
Online-Messtools tatsächlich vermieden
werden?
Arimond:
Hier sollte man differenzieren.
Aktiv vermieden oder besser bearbeitet
wird die Thematik durch nachgelager
te Ansätze – im Bereich der Gefähr
dungsbeurteilung etwa dadurch, dass
die Ergebnisse dafür genutzt werden,
Arbeitsplätze mit geringerer Belastung
zu gestalten. Auf der Ebene des Einzel
anwenders leisten die (Online-)Tools
den sehr entscheidenden Einstieg in die
Stressprävention und können insgesamt
eine Sensibilisierung befördern. Auch
hier bedarf es natürlich einer nachgela
gerten Maßnahme im Sinne eines ganz
heitlichen Ansatzes.
personalmagazin:
Welche Maßnahmen
kommen in Betracht?
Arimond:
Infrage kommen etwa Stress-
präventionskurse,
Online-Coachings
oder (telefonische) Beratungsangebote.
„Ich bin überzeugt da
von, dass sich einige Me
thoden zur Bestimmung
von Belastungen und
chronischem Stress in
der Arbeitswelt durch
setzen werden.“