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Titel
_Arbeitsplatzkonzepte
personalmagazin 04 / 14
Alfried Weiss
ist Mitin-
haber des Beratungs- und
Trainingsunternehmens Weiß
& Senninger.
Andreas Keller
ist
Management Development
Manager bei der Valeo Schal-
ter und Sensoren GmbH.
Prozess durchgängig kommunikativ zu
begleiten. Nachdem die Führungskräf-
te das Raumplanungskonzept in ihren
Teams vorgestellt hatten, wurden die
Mitarbeiter aufgefordert, ihre Anregun-
gen und Vorschläge mit einzubringen.
Lärm reduzieren mithilfe von Cubes
Wie die folgenden Beispiele zeigen, kam
dabei eine Reihe guter Ideen zustande,
von denen viele im neuen Bürogebäude
realisiert werden können.
Die Mitarbeiter schlugen unter ande-
rem vor, mit dem Konzept des Cubes ei-
ne Funktionseinheit mit verschiedenen
Nutzungsmöglichkeiten zu erstellen: Sie
wünschten sich die viereckigen Räume
als Rückzugsmöglichkeit innerhalb des
Großraumbüros. Sie sollen im neuen Ge-
bäude zum Telefonieren genutzt werden,
aber auch als Besprechungsräume oder
Kaffeeecke. Die Cubes sollen auch hel-
fen, die Lärmbelästigung im Großraum-
büro zu reduzieren – etwa dadurch, dass
laute Geräte wie Drucker in eine sepa-
rate Zelle gestellt werden. Das hat einen
weiteren Vorteil: Die Mitarbeiter bewe-
gen sich häufiger, wenn der Drucker
nicht direkt neben ihnen steht. Diesen
Vorschlag setzt der Architekt nun in den
einzelnen Abteilungen individuell um, je
nach Bedürfnis der Mitarbeiter.
Ein weiterer Vorschlag führte zu einer
zusätzlichen Funktion der betriebseige-
nen Kantine: Auf Initiative der Beleg-
schaft wurde dort ein Lounge-Bereich
eingerichtet. Die Mitarbeiter wünschten
sich nämlich einen neutralen Ort, an
dem sie Kunden jenseits des eigenen
Büros treffen können – auch außerhalb
der Mittagszeit.
Abgelehnt werden musste der Vor-
schlag, auf dem neuen Gebäude eine
Dachterrasse einzurichten: Eine der
Leitplanken sowie bauliche Vorgaben
sprachen dagegen. Auch die gewünschte
Individualisierung der Bürotrennwände
war nicht mit den Leitplanken vereinbar.
Nachdem die Führungskräfte alle die-
se Vorschläge gesammelt hatten, prüfte
eine Kommission jeden einzelnen auf
die Realisierbarkeit im Rahmen der
Leitplanken. Das neue Ergebnis zeich-
nete der Architekt erneut und stellte es
anschließend wieder der Gruppe der
Führungskräfte vor. Wichtig war den
Projektverantwortlichen dabei, dass je-
der Mitarbeiter, der sich beteiligt hatte,
sich mit dem Gesamtkonzept identifizie-
ren konnte. Die Kommission begründete
alle Entscheidungen detailliert – sowohl
bei angenommenen als auch bei abge-
lehnten Vorschlägen.
Dieser mehrschrittige Prozess half,
das Konzept zu verfeinern, das anschlie-
ßend als Grundlage für alle weiteren Pla-
nungen diente. In einer abschließenden
Diskussionsrunde reflektierten alle Sta-
keholder gemeinsam den Prozess. Der
Vertreter des Betriebsrats berichtete da-
bei, dass nahezu alle Mitarbeiter einge-
bunden worden waren.
Der Entwicklungsprozess dauerte
drei Monate, eine scheinbar lange Zeit
mit hohem Aufwand. Die Investition hat
sich aber gelohnt, denn der Prozess hat
die Mitarbeiter zum Mitmachen ange-
regt und sie nicht vor vollendete Tatsa-
chen gestellt. Im September 2013 war
Baubeginn, im Laufe des Jahres 2014
können die Mitarbeiter den Neubau be-
ziehen.
personalmagazin:
Warum haben Sie das
Raumkonzept erstellt, das Sie in der
Aus- und Weiterbildung einsetzen?
Stefanie Melzer:
Wir wollten unseren
Seminarraum modernisieren und
mit flexiblem, farbenfrohem Mobiliar
ausstatten. Dazu sollte moderne Tech-
nik wie Beamer und Mediensäulen
kommen, die den Technikeinsatz an
jedem Arbeitsplatz ermöglichen. Da-
für haben wir ein Lastenheft mit den
Wünschen aller Stakeholder erstellt
und der Herstellerfirma übergeben,
die den Raum dann nach unseren Vor-
stellungen gestaltet hat.
personalmagazin:
Welche Anforderungen
hatten Sie genau an das Raumkonzept?
Melzer:
Wir wollten einen Raum, den
wir auf verschiedene Weisen nutzen
und ganz schnell umbauen können.
Barrierefreiheit, Freundlichkeit, Mo-
dernität, Flexibilität, Funktionalität,
eine gute Klimatisierung und vor al-
lem auch das Wohlfühlen haben für
uns dabei eine wichtige Rolle gespielt.
personalmagazin:
Inwiefern fördert das
Konzept die Aus- und Weiterbildung?
Melzer:
Heute steht die Praxis immer
mehr im Fokus. Dafür lassen sich
die Tische schnell umbauen: von der
U-Form, die praktische Übungen er-
möglicht, zu Quadraten für Gruppen-
arbeiten. Auch die Technik können wir
jetzt besser nutzen. Zudem fühlen sich
die Mitarbeiter wohler und kommen
lieber in den Schulungsraum als früher.
„Wohlfühlen spielt
eine wichtige Rolle“
Interview
Das richtige Raumkonzept kann die Aus- und Weiterbildung im Unternehmen unter-
stützen. Die Firma Eberspächer nutzt dafür eine maßgeschneiderte Ausstattung.
Das Interview führte
Andrea Kraß.
Stefanie Melzer
ist Leiterin Ausbildung
bei der Eberspächer
Climate Control Sys-
tems GmbH & Co. KG.